Comprehensive Worldviews

AG Comprehensive Worldviews

Unter dem Titel „Comprehensive Worldviews“ soll in der Arbeitsgruppe untersucht werden, wie „social imaginaries“ (Ch. Taylor) der Beziehung zum Ganzen aus der Artikulation qualitativer Erfahrungen entstehen, auf diese zurückwirken und in vielfältiger Weise mit den epistemischen Weltbeziehungen der Wissenschaften interagieren.  Die Hoffnung ist, mit „Comprehensive Worldviews“ einen Vermittlungsbegriff zu finden, der es erlaubt, die Beziehungen zwischen gewöhnlicher und wissenschaftlicher Erfahrung sowie die Pluralität wie Unvermeidlichkeit von Artikulationen eines Totalitätsbezugs besser zu verstehen.

Dabei wird davon ausgegangen, dass Menschen verkörperte Symbolverwender sind und als solche nicht allein in der Lage, sich auf konkrete Situationen einen Reim zu machen. Sie können auch nicht umhin, ihr Weltverhältnis im Ganzen mehr oder minder explizit zu fassen. Die qualitative Dimension der Umweltbeziehung spielt dabei eine zentrale Rolle, wie sich an den sog. „existential feelings“ (M. Ratcliffe) zeigen lässt, in denen Menschen die Art ihres Weltbezugs im Ganzen spürbar wird. Was erkenntniskritisch ein Ding der Unmöglichkeit darstellt –  das Ganze in Anschauung und Begriff zu erfassen  – ist als gelebtes und zumindest partiell artikuliertes Wirklichkeits­verhältnis dennoch unausweichlich.  Die anthropologische Grundfrage, die sich hier stellt, hat Thomas Nagel so formuliert: „Wie lässt sich in das eigene individuelle Leben die vollständige Anerken­nung der eigenen Beziehung zum Universum im Ganzen einbrin­gen?“ Es sind jedoch weniger individuelle als sozio-kulturelle Ausdrucksformen, mittels derer eine Antwort auf diese Frage gesucht wird: Religionen und Weltanschauungen, in denen die Komponenten eines kognitiven Weltbilds, einer Orientierung des Willens und einer emotional getönten Bewertung integriert sind.

Organisation:

Prof. Dr. Matthias Jung

PD Dr. Magnus Schlette

 

Teilnehmer:

Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs (Psychiatrie/Philosophie, U Heidelberg)

  • Phänomenologische Psychologie, Psychopathologie und Anthropologie
  • Phänomenologie und kognitive Neurowissenschaften
  • Theorie und Ethik der Psychiatrie und Medizin

Prof. Dr. Gesa Lindemann (Soziologie, U Oldenburg)

Prof. Dr. Olaf Müller (Philosophie, HU Berlin)

  • Metaphysik
  • Erkenntnistheorie
  • Sprachphilosophie,
  • Metaethik
  • Theorie des Pazifismus
  • Wissenschaftsphilosophie

Prof. Dr. Hans Julius Schneider (Philosophie, U Potsdam)

PD Dr. Donata Schöller (Philosophie, U Koblenz)

Prof. Dr. Christoph Seibert (Ev. Theologie, U Hamburg)

  • Grundlagenfragen der Individual- und Sozialethik.
  • Forschung zur politischen Ethik.
  • Forschung zur Philosophie und Religionstheorie des Pragmatismus.
  • Studien zur Anthropologie.
  • Studien zur Theologie und Philosophie der Neuzeit

Dr. Stephan Steiner (Philosophie, Kath. Akademie Berlin)

Prof. Dr. Holm Tetens (Philosophie, FU Berlin)

  • Wissenschaftstheorie
  • Logik
  • Argumentationstheorie
  • Philosophie des Geistes
  • Metaphysik
  • Religionsphilosophie
  • Existenzphilosophie

Prof. Dr. Thomas Wabel (Ev. Theologie, U Bamberg)

  • Evangelische Theologie, Schwerpunkt Systematische Theologie und theologische Gegenwartsfragen
  • Schmerz aus theologischer Perspektive

Prof. Dr. Saskia Wendel (Kath. Theologie, U Köln)

  • Religiosität und Religion in der späten Moderne
  • Begründungsproblematik des christlichen Glaubens
  • philosophische/theologische Gotteslehre
  • philosophische/theologische Anthropologie
  • Christliche Mystik und Moderne
  • „Gender“ und Religion

 

„Anthropologie der Wahrnehmung II: Die Intersubjektivität der Wahrnehmung“

Anthropologie der Wahrnehmung II: Die Intersubjektivität der Wahrnehmung

Arbeitsgruppe in Kooperation der FEST und des Marsilius-Kollegs der Universität Heidelberg, organisiert von Magnus Schlette (FEST) und Christian Tewes (MK)

Thema der Arbeitsgruppe ist die ‚naive’ Wahrnehmungsgewissheit, derzufolge uns die Wahrnehmung in einen „Kontakt mit der Wirklichkeit“ (Fuchs 2017: 66) bringt. Die Stabilisierung der Wahrnehmungsgewissheit ist tief im subjektiven Bildungsprozess wie auch der existentiellen Grundverfassung des Menschen verankert und hat sich in der gewöhnlichen Sprache sedimentiert. Auf der im alltäglichen Lebensvollzug unhinterfragten Geltung der Wahrnehmung beruhen das Verständnis und die Erschlossenheit der Lebenswelt. Gleichwohl ist die Wahrnehmungsgewissheit in der klassischen Erkenntnistheorie immer verworfen worden. An ihrer Stelle haben sich unterschiedliche Spielarten des Repräsentationalismus etabliert, denen zufolge die Wahrnehmung lediglich mentale Modelle der Realität entwirft. Diese externe Realität wiederum sei strukturell verschieden von der Art und Weise, wie Wahrnehmende sie erleben. Konsequent zu Ende gedacht mündet diese Position dann häufig in Spielarten des Konstruktivismus, bei denen Perzeptionen für reine Konstruktionen des Gehirns ohne eine Verankerung in der Wirklichkeit gehalten werden (Roth, 1997, 252ff.)

Das Ziel der Arbeitsgruppe ist die Rehabilitierung der Wahrnehmungsgewissheit gegenüber ihren Kritikern. Auszuarbeiten ist die Behauptung, die Wahrnehmung bringe uns in Kontakt mit der Wirklichkeit; klärungsbedürftig ist dabei, wie dieser ‚Kontakt’ zu verstehen und zu rechtfertigen ist. Die Forschungshypothese lautet, dass die Realitätshaltigkeit der Wahrnehmung durch Verschränkung eines interaktionstheoretischen und eines intersubjektivitätstheoretischen Bezugsrahmens auf den Begriff gebracht werden kann.

Dem interaktionstheoretischen Ansatz zufolge ist die Handlung primär. Innerhalb ihrer stehen Subjekt und Objekt, Wahrnehmungen – verstanden als ‚Handlungsangebote‘ (Affordanzen, Gibson 1979)  – und darauf folgende Reaktionen  in einer Wechselbeziehung, die sich in dem sensomotorischen Austauschverhältnis des (menschlichen) Organismus mit seiner Umwelt herausbildet. Die Objektivierungsleistung der Wahrnehmung beruht zunächst auf diesem Austauschverhältnis, wird aber erst durch die intersubjektive Vermittlung der Umweltbeziehung vervollständigt und stabilisiert. Die interaktionstheoretisch begründete Mensch-Umwelt-Dyade muss daher zu einer Triade Ego-Alter Ego-Umwelt erweitert und der Realitätsbezug der Wahrnehmung in diesem Sinne trianguliert werden. Wo dies geschieht, erweisen sich auch Wahrnehmung und Zeichengebrauch als intern verknüpft.

Um zu erforschen, welche Stufenfolgen die Prozesse dieser Triangulierung der Objektivierung durchlaufen, wird die Arbeitsgruppe unter systematischen und entwicklungsgeschichtlichen Gesichtspunkten (phylo- und ontogenetischen) untersuchen, welche Bedingungen vorliegen müssen, damit Perzeptionen im Interaktionsgeschehen die ihnen von der naiven Wahrnehmungsgewissheit zugeschriebene Rolle auch erfüllen können. Wechselseitige Perspektivenübernahmen in der geteilten Intentionalität und die gemeinsame Bezugnahme auf Wahrnehmungsgehalte (triadische Kommunikation) bilden dafür eine zentrale Grundlage (Tomasello et al. 2005). Doch es ist zu analysieren, welche kognitiven Leistungen dafür erbracht werden müssen und wie der Gehalt derartiger Wahrnehmungen beschaffen ist. Setzt beispielweise die korrekte Deutung einer Zeigegeste bereits eine Theorie des Geistes beim Wahrnehmenden voraus? Und basieren derartige Wahrnehmungsgehalte immer auch schon auf begrifflichen oder protobegrifflichen Konstituenten?

Um solche Fragen zu klären, kommt in Anlehnung an Debatten aus der analytischen Philosophie dem Begriff der ‚dichten Wahrnehmung‘ eine Schlüsselrolle zu.  Damit ist gemeint, dass Wahrnehmungsgestalten eine unauflöslich bewertende Dimension inhärent ist, die sich nicht einfach rein deskriptiv und quasi standpunkneutral reformulieren lässt. Durch die Intersubjektivität der Wahrnehmung in der Lebenswelt bildet sich ein Netzwerk intentionaler Angebote oder „Affordanzen“ heraus, das den Menschen in seiner erkennend-wertenden Ausrichtung an der Beschaffenheit der Welt anleitet und seine Weltbeziehungen reguliert. Derartige Wahrnehmungsangebote manifestieren sich dabei nicht nur in direkten zwischenleiblichen Interaktionen sondern auch in der Herstellung und Auseinandersetzung mit Artefakten wie der Erstellung von Werkzeugen und ihrer Rückwirkung auf Kognition und Wahrnehmung, wie sie z. B. in der material engagement Theorie untersucht werden (Malafouris 2013).  Eine zentrale Rolle spielt dabei generell das Auftauchen von Hindernissen innerhalb des Interaktionskreises, die für das nicht Konstruierte der Wahrnehmung einstehen und im selben Zug Selbstbewusstsein wie Gegenstand entstehen lassen. Die Analyse der Auswirkung psychischer Erkrankungen auf derartige Wahrnehmungszusammenhänge verspricht zudem weitere Aufklärungen darüber, wie psychische, leibliche und soziale Prozesse in die intersubjektive Konstitution der Wahrnehmung eingehen.

Die genannten Fragestellungen und Zielsetzungen der Arbeitsgruppe sollen durch einen interdisziplinären Zugang bearbeitet bzw. realisiert werden. In der Grundlegungsarbeit werden pragmatistische, phänomenologische, analytische und verkörperungstheoretische Methoden und Gesichtspunkte eine zentrale Rolle spielen; dies schließt die Einbeziehung entwicklungspsychologischer, kulturanthropologischer und psychopathologischer Forschung zu den oben entwickelten Aspekten der Wahrnehmungsgewissheit mit ein.

 

Literatur

Fuchs, Th. (2017): In Kontakt mit der Wirklichkeit. Wahrnehmung als Interaktion, in: Schlette, M., Fuchs, Th., Kirchner, A.M. (Hg., 2017): Anthropologie der Wahrnehmung, Heidelberg: Winter.

Malafouris, M. (2013): How Things Shape then Mind. Cambridge, Massachusetts: The MIT Press.

Gibson, James. J. (1979): The Ecological Approach to Visual Perception, Boston: Houghton Mifflin.

Roth, G. (1997): Das Gehirn und seien Wirklichkeit, Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Tomasello, M., Carpenter, M., Call, J., Behne, T., & Moll, H. (2005): Understanding and sharing intentions: The origins of cultural cognition, in: Behavioral and Brain Sciences, 28(5), 675-691.

 

Organisation:

PD Dr. Magnus Schlette                    (Philosophie, FEST)

PD Dr. Christian Tewes                    (Philosophie, U Heidelberg)

 

Mitglieder:

Prof. Dr. Ralf Becker                         (Philosophie, U Koblenz-Landau)

PD Dr. Jens Bonnemann                  (Philosophie, U Jena)

Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs             (Psychiatrie/Philosophie, U Heidelberg)

PD Dr. Miriam Haidle                       (Paleoanthropologie, HAW)

Prof. Dr. Matthias Jung                     (Philosophie, U Koblenz-Landau)

Dr. Vesna Marinovic                         (Psychologie, U Köln)

Dr. Tullio Viola                                  (Philosophie, HU Berlin)

Dr. Frank Vogelsang                        (Theologie, EA Rheinland/Bonn)

Materialien

Diskussionspapier

AG „Natur begreifen – Natur schützen“

AG „Natur begreifen – Natur schützen“

Das Zentrum der Forschung im Themenfeld Natur bildete von 2009 bis 2015 die Zusammenarbeit mit Forscherinnen und Forschern aus den Natur-, Kultur- und Geisteswissenschaften in der interdisziplinären Arbeitsgruppe “Natur begreifen – Natur schützen“, die von Thomas Kirchhoff geleitet wurde.

Die Arbeitsgruppe hat wissenschaftliche, technologische und lebensweltliche Naturauffassungen thematisiert. Sie hat aus naturphilosophischer Perspektive nach deren Charakteristika, Voraussetzungen und Interdependenzen gefragt. Dabei hat die TeilnehmerInnen Theorien des Mensch-Natur-Verhältnisses als zentrales Moment menschlichen Selbstverständnisses und entscheidende Rahmenannahme für die Bewertung von Handlungen gegenüber Natur angesehen. Der Forschungsansatz ist praxisbezogen gewesen, indem aktuelle Themenfelder wie synthetische Biologie, Nanotechnologie und Ökosystemdienstleistungen behandelt worden sind.

2011 hat die Arbeitsgruppe eine Homepage zur Naturphilosophie (www.naturphilosophie.org) initiiert, die weiterhin betrieben wird unter Leitung von Thomas Kirchhoff.

2014 ist als Ergebnis der Arbeitsgruppe die Anthologie „Welche Natur brauchen wir? Analyse einer anthropologischen Grundproblematik des 21. Jahrhunderts“ (Freiburg: Alber) erschienen. [Download Inhaltsverzeichnis + Einleitung].

2017 ist als weiteres, zentrales Ergebnis erscheinen: „Naturphilosophie. Ein Lehr- und Studienbuch“ (Tübingen: UTB/MohrSiebeck)

 

Der AG “Natur begreifen – Natur schützen“ gehörten an:

  1. Prof. Dr. Dirk Evers, Institut für Systematische Theologie und Praktische Theologie und Religionswissenschaft, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Franckeplatz 1/30, D-06099 Halle/Saale
  2. Prof. Dr. Dr. Brigitte Falkenburg, Institut für Philosophie und Politikwissenschaft, Technische Universität Dortmund, D-44221 Dortmund
  3. Apl. Prof. Dr. Myriam Gerhard, Institut für Philosophie, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, D-26111 Oldenburg
  4. Prof. Dr. Gerald Hartung, Philosophisches Seminar, Fachbereich A, Bergische Universität Wuppertal, Gaußstraße 20, D-42119 Wuppertal
  5. Prof. Dr. Jürgen Hübner, Apl. Professor an der Universität Heidelberg, Theologische Fakultät; wissenschaftlicher Referent em. an der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft e. V. Heidelberg, Schmeilweg 5, D-69118 Heidelberg
  6. Prof. Dr. Nicole C. Karafyllis, Lehrstuhl für Philosophie, Technische Universität Braunschweig, Bienroder Weg 80, D-38106 Braunschweig
  7. PD Dr. Thomas Kirchhoff, Arbeitsbereich Theologie und Naturwissenschaft, Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft e. V. Heidelberg, Schmeilweg 5, D-69118 Heidelberg
  8. Prof. Dr. Dr. Kristian Köchy, Institut für Philosophie, Universität Kassel, Nora-Platiel-Str. 1, D-34109 Kassel
  9. Prof. Dr. Ulrich Krohs, Philosophisches Seminar, Philosophie mit dem Schwerpunkt Wissenschaftstheorie und Naturphilosophie, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Domplatz 23, D-48143 Münster
  10. Prof. Dr. Thomas Potthast, Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW), Universität Tübingen, Wilhelmstraße 19, D-72074 Tübingen
  11. Pfr. Dr. Otto Schäfer, Beauftragter für Theologie und Ethik, Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund (SEK-FEPS), Sulgenauweg 26, CH-3000 Bern 23
  12. Prof. Dr. Gregor Schiemann, Philosophisches Seminar, Fachbereich A, Bergische Universität Wuppertal, Gaußstraße 20, D-42119 Wuppertal
  13. Prof. Dr. Reinhard Schulz, Institut für Philosophie, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, D-26111 Oldenburg
  14. PD Dr. Magnus Schlette, Leitung des Arbeitsbereichs Theologie und Naturwissenschaft, Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft e. V. Heidelberg, Schmeilweg 5, D-69118 Heidelberg
  15. Dr. Frank Vogelsang, Direktor der Evangelischen Akademie im Rheinland, Mandelbaumweg 2, D-53177 Bonn/Bad Godesberg

Sehnsucht nach Natur

Sehnsucht nach Natur


Herausgegeben von Thomas Kirchhoff, Vera Vicenzotti und AnnetteVoigt, Transcript Verlag, Bielefeld 2012, 288 S., ISBN 978-3-8376-1866-2, Preis: 29,80€.

Sehnsucht nach NaturIn modernen Kulturen ist es zum Massenphänomen geworden, seine freie Zeit draußen zu verbringen. Doch wodurch ist diese Sehnsucht nach Natur motiviert? Das Buch geht dieser Frage mit Blick auf aktuelle Trends in der Freizeitkultur nach. In systematischen Analysen und regionalen Studien erschließt es die Vielfalt der Bedeutungen, die Natur zum faszinierenden Objekt, zum Ort der Bewährung oder zum Schauplatz der Selbstinszenierung machen. Die Beiträge eröffnen tiefe Einblicke in das aktuelle Mensch-Natur-Verhältnis, die eine spannende Reflexion über uns selbst ermöglichen und zudem unerlässlich sind bei der Entwicklung zeitgemäßer Nutzungskonzepte für Landschaft und Wildnis.

„Welche Natur brauchen wir?“ – neue Buchpublikation

„Welche Natur brauchen wir?“ – neue Buchpublikation
Zu der aktuellen Frage, welche Natur wir Menschen für unser Überleben als Gattungswesen und für unsere Selbstbestimmung als Individuen brauchen, haben Prof. Dr. Gerald Hartung (Universität Wuppertal) und Dr. Thomas Kirchhoff (FEST) das Buch „Welche Natur brauchen wir? Analyse einer anthropologischen Grundproblematik des 21. Jahrhunderts“ herausgegeben, der im Alber Verlag in der Reihe „Physis“ erschienen ist.
In dieser umfassenden Anthologie kommen namhafte Fachwissenschaftlerinnen und Fachwissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen zu Wort. Unter den Stichworten Objektive Natur (I.), Natur als Resonanzraum (II.), Natur als Ressource und Wert (III.), Natur als natürliche Umwelt (IV.), Künstliche Natur (V.), Vergesellschaftete Natur (VI.) und Verantwortete Natur (VII.) sind Beiträge der Philosophinnen Heike Baranzke und Christine Zunke sowie der Philosophen Michael Großheim, Michael Hauskeller, Kristian Köchy, Ulrich Krohs und Gregor Schiemann versammelt. Interdisziplinäre Herausforderungen zur Thematik werden in den Studien von Jörn Ahrens (Kultursoziologie), Karl-Werner Brand (Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung), Hans Diefenbacher (Wirtschaftswissenschaften), Thomas Fuchs (Psychiatrie), Ulrich Gebhard (Erziehungswissenschaften), Thomas Kirchhoff (Ökologie), Dörte Martens / Nicole Bauer (Umweltpsychologie), Hartmut Rosa (Soziologie), Heinrich Spanier (Umweltschutz), Vera Tekken / Josef Settele (Umweltforschung), Frank Uekötter (Umweltgeschichte) und Michael Wink (Biologie) herausgearbeitet. Die Beiträge der Theologen Dirk Evers und Thorsten Moos runden den Band ab.

Download Inhaltsverzeichnis + Einleitung

Downolad Infoblatt des Verlags

Naturphilosophie. Ein Lehr- und Studienbuch

Naturphilosophie. Ein Lehr- und Studienbuch

Das Lehr- und Studienbuch ist aus einem mehrjährigen Arbeitsprozess einer Gruppe von 15 überwiegend professoralen Mitgliedern hervorgegangen, die auch als Herausgeber/-innen fungieren.

Dem Buch liegt die Auffassung zugrunde, dass die gegenwärtige Naturphilosophie die Aufgabe hat, die Pluralität von Naturwahrnehmungen und Naturdeutungen mit ihren historischen Fundierungen im Spiel zu halten und zugleich – im Sinne von Orientierungswissen – Strukturen und Relationen des Naturwissens und Naturdenkens aufzuzeigen.
Entsprechend bietet das Buch
eine historisch-systematische und zugleich praxisbezogene Einführung in die Naturphilosophie mit ihren wichtigsten Begriffen, Strömungen und Diskursen. Es nimmt den pluralen Charakter der Wahrnehmung von Natur in den philosophischen Blick und ist auch zum Selbststudium bestens geeignet.

Herausgeber/-innen des Buches sind Thomas Kirchhoff (Heidelberg), Nicole C. Karafyllis (Braunschweig), Dirk Evers (Halle), Brigitte Falkenburg (Dortmund), Myriam Gerhard (Oldenburg), Gerald Hartung (Wuppertal), Jürgen Hübner (Heidelberg), Kristian Köchy (Kassel), Ulrich Krohs (Münster), Thomas Potthast (Tübingen), Otto Schäfer (Bern), Gregor Schiemann (Wuppertal), Magnus Schlette (Heidelberg), Reinhard Schulz (Oldenburg), Frank Vogelsang (Bonn).

Das Buch ist am 13.02.2017 bei UTB/Mohr Siebeck erschienen.

Es wurde von UTB als „Buch der Woche“ (9. KW 2017) und als „Aktionstitel“ ausgewählt und am 24.03.2017 auf der Leipziger Buchmesse im Rahmen von „Leipzig liest“ präsentiert (UTB-Flyer).

Rezensionen

  • F.A.Z., Mittwoch, 23.08.2017, Seite 10: „Was Natur heißen kann.“
  • Interdisziplinäre Anthropologie 5/2017, S. 241–248; Nils Höppner.
  • ekz Informationsdienst 2017 (23); Fahrner [pdf].
    „Mit seinem Perspektivenreichtum hat der Band derzeit keine direkte Konkurrenz“.
  • Zeitschrift für philosophische Literatur 5 (4)/2017; Peter Gaitsch [pdf/html]
    „Dieses Programm einer plural-integrativen Naturphilosophie erscheint mir höchst bedeutsam und an der Zeit. Den pluriformen Mensch-Natur-Verhältnissen widmen sich insbesondere die letzten beiden des in vier Sektionen unterteilten Buches (Sektion III: „Naturverhältnisse“, Sektion IV: „Naturphilosophie in der Praxis“). Demgegenüber sind die ersten beiden Sektionen (Sektion I: „Geschichte und Systematik“, Sektion II: „Grundbegriffe der Naturphilosophie“) konventioneller angelegt.“
  • Informationsmittel für Bibliotheken (IFB) 17 (2): #5165; Till Kinzel [pdf].
    „Als Einstieg in die Beschäftigung mit dem breiten Spektrum naturphilosophischer Fragestellungen wird man den Band in den Händen aller derjenigen wünschen, die sich philosophierend betätigen, ob nun inner- oder außerhalb der akademischen Institutionen.“
  • Physik Journal 2017 / 16 (10): S. 68-69; Jan C. Schmidt [online unter: pro-physik.de]:
    „Das Buch sei all denjenigen empfohlen, die ein vertieftes Verständnis von Physik – aber auch von physikalischem sowie allgemeinem Naturwissen – erlangen wollen.“
  • Coincidentia 2017 / 7 (2): S. 510-517; Harald Schwaetzer.
    „Eine solche Einführung in die Naturphilosophie sollte jede und jeder Studierende im Bücherregal als gelesenes Buch zur steten Wiedervorlage haben und auch derjenigen oder demjenigen, der Naturphilosophie zu seinen Aufgaben in Forschung und Lehre zählt, wird es ein hilfreicher Begleiter sein, um einen unverstellten Blick auf eine der wichtigsten philosophischen Disziplinen der Gegenwart zu kultivieren.“

Lehrveranstaltungen und Tagungen mit wesentlichem Bezug zum Lehr- und Studienbuch

  • Seminar „Einführung in die Naturphilosophie“ (SoSe 2017), Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg
  • Ringvorlesung „Natur und Geschichte“ (Programm) (SoSe 2017), TU Braunschweig
  • Tagung „Ziele und Wege der heutigen Naturphilosophie“ (Programm), 10.-11.02.2017, Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg
  • Themenreihe „Naturphilosophie in der Praxis“ (Programm 2016) (2016/17), EA Akademie Abt Jerusalem/ FEST Heidelberg/ u.a.

 

Inhaltsübersicht des Buches

Zur Einführung
Thomas Kirchhoff/Nicole C. Karafyllis
Sektion I: Geschichte und Systematik
Myriam Gerhard/Nicole C. Karafyllis/Gerald Hartung/Kristian Köchy: Einleitung – Nicole C. Karafyllis/Stefan Lobenhofer: Kosmos und Universum1: Chaos, Logos, Kosmos – Angelika Bönker-Vallon: Kosmos und Universum2: Universum, Raum, Unendlichkeit – Dirk Evers: Natur als Schöpfung – Brigitte Falkenburg: Mathematisierung der Natur und ihre Grenzen – Michael Städtler: Natur und Recht – Tobias Cheung: Natur und Geschichte – Kristian Köchy: ‚Kampf‘ um die Naturphilosophie – Myriam Gerhard: Streit um die Deutungshoheit der Natur: Materialismus-, Darwinismus- und Ignorabimus-Streit – Gregor Schiemann: Gegenwärtige Strömungen der Naturphilosophie – Myriam Gerhard/Gerald Hartung/Nicole C. Karafyllis: Möglichkeiten und Grenzen einer disziplinären Bestimmung der Naturphilosophie

Sektion II: Grundbegriffe der Naturphilosophie
Gregor Schiemann/Brigitte Falkenburg/Ulrich Krohs: Einleitung – Brigitte Falkenburg: Natur – Frank Vogelsang: Schöpfung – Manfred Stöckler: Kosmos und Welt – Kim Joris Boström/Ulrich Krohs: Raum und Zeit – Brigitte Falkenburg: Quanten und Felder – Myriam Gerhard: Materie, Kraft, Energie – Brigitte Falkenburg: Naturgesetz, Kausalität, Determinismus – Nicole C. Karafyllis/Suzana Alpsançar: Struktur, System, Information – Thomas Kirchhoff: Landschaft – Georg Toepfer: Leben – Ralf Becker: Mensch

Sektion III: Naturverhältnisse
Otto Schäfer/Thomas Potthast/Magnus Schlette: Einleitung – Nicole C. Karafyllis: Leibliche Naturverhältnisse – Magnus Schlette: Ästhetische Naturverhältnisse – Ulrich Krohs: Theoretische Naturverhältnisse – Reinhard Schulz: Experimentelle Naturverhältnisse – Thomas Potthast: Haushaltende Naturverhältnisse – Reinhard Schulz: Verstehende Naturverhältnisse – Otto Schäfer: Erzählende Naturverhältnisse – Dirk Evers: Religiöse Naturverhältnisse – Nicole C. Karafyllis/Thomas Potthast: Geschlechtliche Naturverhältnisse – Gregor Schiemann: Jenseits der Naturverhältnisse: Natur ohne Menschen

Sektion IV: Naturphilosophie in der Praxis
Nicole C. Karafyllis/Thomas Kirchhoff/Thomas Potthast: Einleitung – Ulrich Gebhard: Natur in Bildung und Erziehung – Hans Werner Ingensiep/Heike Baranzke: Natur essen – Nicole C. Karafyllis: Grüne Gentechnik: Pflanzen im Kontext von Biotechnologie und Bioökonomie – Nicole C. Karafyllis/Günter Friedmann: Kein Honigschlecken: Bienen als ‚Ökosystemdienstleister‘ und natürliche Mitwelt – Kristian Köchy: Von Wölfen, Hunden und Menschen. Zur Rolle der Naturphilosophie in der Tierethik – Thomas Kirchhoff/Vera Vicenzotti: Von der Sehnsucht nach Wildnis – Claus Beisbart/Brigitte Falkenburg: Faszination Kosmologie

Register
Personenregister
Sachregister

Neu erschienen: Magnus Schlette „Die Idee der Selbstverwirklichung. Zur Grammatik des modernen Individualismus“

Neu erschienen: Magnus Schlette „Die Idee der Selbstverwirklichung. Zur Grammatik des modernen Individualismus
Die Idee der Selbstverwirklichung zählt zu den zentralen Werten der westlichen Moderne. Umso überraschender ist es, dass sie bisher nirgends systematisch untersucht worden ist. Im Anschluss an eine eingehende Auseinandersetzung mit Charles Taylors Theorie der Moderne widmet sich Magnus Schlette den begrifflichen Bestimmungen und normativen Implikationen der Selbstverwirklichungsidee. Damit leistet er einen philosophischen Beitrag zur Individualisierungstheorie und zur Theorie der Moderne.
Die dem Buch zugrundeliegende Habilitationsschrift wurde mit dem Max-Weber-Preis für Nachwuchsforschung ausgezeichnet, der vom Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien der Universität Erfurt vergeben wird. Mit diesem Preis werden herausragende Arbeiten von Nachwuchswissenschaftlern im Rahmen des Weberschen Forschungsprogramms auf dem Gebiet der Religionsforschung gewürdigt.

Schlette, Magnus (2013): Die Idee der Selbstverwirklichung. Zur Grammatik des modernen Individualismus. Frankfurt/M.: Campus.

Workshop 1 „Natürliche Künstlichkeit“

Workshop 1 „Natürliche Künstlichkeit“

Im Workshop „‚Natürliche Künstlichkeit‘. Plessners anthropologische Grundgesetz: Logik und Deutungskraft“ (16./17. Februar 2018) sollen die überaus dichten, philosophiesystematisch und -historisch komplex kodierten Überlegungen Plessners in Die Stufen des Organischen und der Mensch zum anthropologischen Grundgesetz der natürlichen Künstlichkieit in enger Bezugnahme auf Plessners Texte rekonstruiert werden – und zwar im Hinblick auf ihren Geltungsanspruch und auf ihre Argumentationsarchetonik im Zusammenhang der biophilosophischen Herleitung des Strukturmodells der exzentrischen Positionalität.

Ein Workshopprogramm folgt demnächst.

Altern als Aufgabe

Altern als Aufgabe

Interdisziplinäre Perspektiven auf die Imperative und die soziale Wirklichkeit des Alterns, 7.-9. März 2018,

Fachtagung in Kooperation mit dem Marsilius-Kolleg der Universität Heidelberg

Programm folgt.

AG Anthropologie der Wahrnehmung

AG Anthropologie der Wahrnehmung

Von Anfang 2014 bis Ende 2016 bestand an der FEST im Arbeitsbereich „Theologie und Naturwissenschaft“ eine von PD Dr. Magnus Schlette organisierte und geleitete Arbeitsgruppe, die sich mit dem Themenfeld der menschlichen Sinneswahrnehmung befasste. Die Arbeitshypothese der Zusammenarbeit lautete, dass die menschliche Sinneswahrnehmung für die anthropologische Forschung von zentraler Bedeutung ist: Sie ist nicht nur die grundlegende Bedingung dafür, dass der Mensch sich zu der Welt in Beziehung setzen kann, sondern sie ist vor allem dasjenige Ereignis, durch das dem Menschen sein In-der-Welt-Sein auf originäre Weise bezeugt wird. Zu den Aufgaben der Anthropologie der Wahrnehmung gehört demnach zu verstehen, wie der Mensch der intrinsischen Wechselbezüglichkeit von Körper, Geist und Welt in der Wahrnehmung gewahr sein kann, mit anderen Worten: was es heißt, durch die Wahrnehmung zu einem Grundverständnis menschlichen In-der-Welt-Seins zu kommen.

 

Die Arbeitsgruppe wurde interdisziplinär besetzt mit einem Kern von Vertretern unterschiedlicher wahrnehmungstheoretisch einschlägiger Schulen der Philosophie (Phänomenologie, Analytische Philosophie, Philosophische Anthropologie, Pragmatismus, Hermeneutik), sowie Repräsentanten der Psychologie, Biologie, Anthropologie, Kunst- und Medienwissenschaft.

 

Mitglieder

Prof. Dr. Andrea Bender (Psychologie, U Bergen), Prof. Dr. Peter Bexte (Kunst- u. Medienwissenschaften, KH Köln), PD Dr. Jens Bonnemann (Philosophie, U Landau), Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs (Psychiatrie, U Heidelberg), PD Dr. Miriam Haidle (Paleoanthropologie, U Tübingen/ U Heidelberg), Dr. Daniel Hanus (Psychologie/Ethologie, MPI Leipzig), Dr. Matthias Herrgen (Anthropologie, U Münster), Prof. Dr. Matthias Jung (Philosophie, U Koblenz), Prof. Dr. Michael Moxter (Theologie, U Hamburg), Prof. Dr. Karl-Siegbert Rehberg (Soziologie, U Dresden), Prof. Dr. Sonja Rinofner-Kreidl (Philosophie, U Graz), Prof. Dr. Achim Stephan (Philosophie/Kognitionswissenschaften, U Osnabrück), PD Dr. Christian Tewes (Philosophie, U Heidelberg), PD Dr. Georg Toepfer (Biologie/Philosophie, ZfL Berlin), Prof. Dr. Lambert Wiesing (Philosophie, U Jena), Prof. Dr. Matthias Wunsch (Philosophie, U Kassel).

 

Ergebnisse

Ziel der Zusammenkünfte war es, eine Verständigungsbasis zwischen den außerordentlich heterogenen Perspektiven auf das Thema zu entwickeln, von der aus sich institutionell geringer verdichtete Formen der Zusammenarbeit in Form gemeinsamer Publikationen oder Workshops initiieren lassen würden. Schwerpunkte der Arbeit waren die Präsentation von Arbeitspapieren zu den Themen „Wahrnehmung und Interpretation“, „Wahrnehmung und Emotion“ sowie „Wahrnehmung und Interaktion“. Ein Ergebnis der Arbeit war die von PD Dr. Magnus Schlette gemeinsam mit Prof. Dr. Thomas Fuchs in Kooperation der FEST und des Marsilius-Kollegs der Universität Heidelberg organisierte und durchgeführte Marsilius-Sommerakademie „Anthropologie der Wahrnehmung“, die vom 14. bis 20. September 2015 im Internationalen Wissenschaftsforum Heidelberg stattfand, und an der neben Thomas Fuchs mit Peter Bexte, Sonja Rinofner-Kreidl und Matthias Jung weitere Mitglieder der Arbeitsgruppe mitwirkten. Ein weiteres Ergebnis der gemeinsamen Sitzungen war die Gestaltung des Schwerpunktthemas „Wahrnehmung“ im Jahrbuch Interdisziplinäre Anthropologie 2016.