Forschungsprojekt Natürliche Künstlichkeit

Forschungsprojekt Natürliche Künstlichkeit

Den Ausgangspunkt des Forschungsprojektes ist eine ideengeschichtliche Erinnerung, geltungslogische Rekonstruktion und problemorientierte Aktualisierung des Plessnerschen Theorieprogramms im Kontext der Philosophischen Anthropologie – und zwar unter besonderer Berücksichtigung des Theorems „natürlicher Künstlichkeit“, das Plessner im Rahmen seines Strukturmodells der „exzentrischen Positionalität“ als einen für Menschen charakteristischen Modus der Grenzrealisierung bestimmt. Die Aktualität dieses Theorems besteht in dem Versprechen eines philosophischen Ansatzes zur Entwicklung eines modernen Menschenbildes, das den Erkenntnissen und Anwendungsszenarien der sich zeitgleich etablierenden Lebenswissenschaften (bis heute) standhält und dabei gleichermaßen eine dualistische wie eine monistische Deutung, sei sie idealistischer oder naturalistischer Prägung, vermeidet.
Als besonders aufschlussreich für eine philosophische Reflexion der Dynamik und Transformationsschübe, denen die Auffassung und Gestaltung der menschlichen Lebensform und ihrer Umwelt in der Gegenwart durch die Innovationen der KI-Forschung und Robotik, der Biotechnologien und Ingenieurswissenschaften ausgesetzt sind, erweisen sich Plessners Strukturmodell exzentrischer Positionalität und sein Theorem natürlicher Künstlichkeit, weil sie die Dynamik nicht stillstellbarer „Stabilisierungsnotwendigkeiten und ‑chancen zu einem zentralen Motiv der Anthropologie“ (K.-S. Rehberg) ausarbeiten. Plessners Analyse der exzentrischen Positionalität sowie seine Überlegungen zu den sowohl ‚inneren’ als auch ‚äußeren’, hergestellten, künstlichen Welten sind anschlussfähig an die gegenwärtigen Diskurse sowohl über das sog. ‚Enhancement’ unserer menschlichen Natur als auch über das mit dem Postulat des sog. „Anthropozäns“ behauptete Herrschaftspotenzial über die ‚äußere’ Natur. Deshalb kann mit und ausgehend von Plessner unsere Forschungshypothese überprüft und entwickelt werden, dass eine Wechselbeziehung und sogar innere Verwandtschaft zwischen Selbst- und Welttransformation besteht. Zugleich verspricht Plessners Überlegung einer gleichzeitigen Verschmelzung wie bleibenden Gegenstellung von Natürlichkeit und Künstlichkeit eine differenzierte Analysekraft für komplexe und ambivalente Befundlagen.

Projektmitarbeiter

PD Dr. Thomas Kirchhoff (FEST)

Prof. Dr. Kristian Köchy (U Kassel)

Dr. Francesca Michelini (U Kassel)

PD Dr. Magnus Schlette (FEST)


Aktuelle Teilprojekte

Workshop „‚Natürliche Künstlichkeit‘. Plessners anthropologische Grundgesetze: Logik und Deutungskraft.“ Heidelberg, FEST, 16./17. Februar 2018.