Friedensgutachten (ab 2021)

Friedensgutachten (ab 2021)

Das Friedensgutachten analysiert das aktuelle Konfliktgeschehen, zeigt Trends der internationalen Friedens- und Sicherheitspolitik auf und gibt konkrete Empfehlungen für das friedenspolitische Handeln der deutschen Bundesregierung. Das Gutachten wird von den führenden deutschen Friedensforschungsinstituten seit 1987 herausgegeben. Neben einem aktuellen Fokusthema stehen fünf Bereiche im Zentrum der jährlichen Analysen: bewaffnete Konflikte, nachhaltiger Frieden, Rüstungsdynamiken, institutionelle Friedenssicherung und transnationale Sicherheitsrisiken. Der Arbeitsbereich Frieden der FEST bringt dabei seine spezifisch friedensethische Expertise in das Friedensgutachten mit ein.

Format: jährliches Gutachten mit einer Vorstellung der Ergebnisse in Berlin
Projektverantwortlich: Prof. Dr. Philipp Stoellger und alle Mitarbeitenden des Arbeitsbereichs Frieden

Die Bundeswehr nach Aussetzung der Wehrpflicht – militärsoziologische und friedensethische Reflexionen

Wie weiter? Die Bundeswehr 10 Jahre nach Aussetzung der Wehrpflicht (in Planung für 2021)

Zum Juli 2011 setzte Deutschland die allgemeine Wehrpflicht aus. Dies fügte sich ein in den damaligen allgemeinen europäischen Trend zu Freiwilligenarmeen, war aber von zahlreichen Befürchtungen und Kontroversen geprägt. Vor allem in Deutschland galt die allgemeine Wehrpflicht als „das legitime Kind der Demokratie“ (Theodor Heuss); gegen Freiwilligenarmeen führten ihre Kritikerinnen und Kritiker zahlreiche historische, sicherheitspolitische, gesellschaftliche, militärisch-personelle sowie ökonomische Argumentationen ins Feld. Die zehnjährige Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht soll zum Anlass genommen werden, ihre Folgen für die Bundeswehr, aber auch für die Politik und Gesellschaft in Deutschland in den Blick zu nehmen und militärsoziologisch und friedensethisch zu reflektieren.

Geplantes Format: empirische Studie, Publikation der Ergebnisse
Projektverantwortlich: PD Dr. Ines-Jacqueline Werkner

Die Idee einer europäischen Armee – Diskurse und friedensethische Implikationen

Die Idee einer europäischen Armee – Diskurse und friedenspolitische Implikationen (2019–2022)

Seit Bestehen der Europäischen Union ist die Idee einer europäischen Armee präsent. Erst im letzten Jahr hat sich der französische Präsident Emmanuel Macron für ihren Aufbau ausgesprochen. Und auch der Koalitionsvertrag der Bundesregierung (2018, S. 146) spricht davon, „weitere Schritte auf dem Weg zu einer ‚Armee der Europäer‘“ zu unternehmen. Was darunter genau zu verstehen ist, bleibt allerdings vage: Soll eine europäische Armee – ganz im abrüstungspolitischen Sinne – nationale Streitkräfte ersetzen oder nur ergänzen? Erweisen sich NATO und europäische Armee als kompatibel oder stellen sie Alternativ- beziehungsweise Konkurrenzprojekte dar? Kann – normativ argumentiert – eine europäische Armee zur Stärkung der Friedensmacht Europa beitragen oder führt sie eher zu einer Abkehr von der Friedensorientierung? Die Diskurse zu diesen Fragen werden in den einzelnen EU-Staaten – auch im Hinblick auf Kosten-Nutzen-Erwägungen – divers ausfallen. Zudem verbinden sich mit ihnen unterschiedliche Vorstellungen über Europa und seine Werte. Ziel des Projektes ist es, die politischen Diskurse in den einzelnen EU-Staaten zur Idee einer europäischen Armee herauszuarbeiten und sie einer friedenspolitischen Reflexion zu unterziehen.

Format: Forschungspraktikum, empirische Studie, Publikation
Projektverantwortlich: PD Dr. Ines-Jacqueline Werkner

Neue ethische Standards angesichts von Digitalisierungsprozessen am Beispiel autonomer Waffen

Neue ethische Standards angesichts von Digitalisierungsprozessen am Beispiel autonomer Waffen (2019–2021)

Die Kriegsführung wird zunehmend durch Digitalisierungsprozesse geprägt. Dazu zählt der Trend zur Autonomisierung von Waffen. Diese Entwicklung ist nicht unumstritten: Die einen sehen darin eine Effektivitätssteigerung und Humanisierung der Kriegsführung, können sie eingesetzt werden, ohne die eigenen Soldatinnen und Soldaten zu gefährden. Auch können sie weitaus mehr Informationen in kürzerer Zeit auswerten und damit Reaktionszeiten und Abläufe beschleunigen. Zudem gelten diese Systeme als Präzisionswaffen, womit sich dann auch geringere zivile Opfer verbinden. Andere sprechen vom „drohenden Ende der Menschlichkeit“ (Human Rights Watch). Unbemannte Waffen können mit einem Absinken der Hemmschwelle zum militärischen Einsatz einhergehen; es besteht die Gefahr einer Entgrenzung des völkerrechtlich eingehegten Krieges. Es bestehen offene Fragen hinsichtlich der Kontrolle und Verantwortung dieser neuen Waffen. Zudem wird das ethische Rechtfertigungsmuster des Tötens im Krieg infrage gestellt: Während der Soldat den Gegner gezielt töten dürfe, da jener seine Gewalt sonst gegen ihn oder seine Kameraden richten wird, lasse sich diese Argumentation bei unbemannten, ferngesteuerten Systemen nicht mehr anwenden; hier steht der Soldat außerhalb der Gefahrenzone. Das lässt die Frage aufkommen, ob autonome Waffen auch neue ethische Standards erfordern. Bisherige Debatten zielen bislang darauf, sich für ihr vorzeitiges Verbot auszusprechen. Da der Erfolg dieser Forderung nicht absehbar – wenn nicht gar unmöglich scheint – sollen in diesem Projekt die ethischen Konsequenzen autonomer Waffen in den Blick genommen und analysiert werden.

Geplantes Format: Kollegiumsarbeit
Projektverantwortlich: Dr. Johannes FrühbauerDr. Hendrik Stoppel und PD Dr. Ines-Jacqueline Werkner

Die Rolle von Religion in der Außenpolitik

Die Rolle von Religion in der Außenpolitik (2019–2020)

Dominierte in Europa lange Zeit die Säkularisierungsthese, lässt sich seit 1990 eine Bedeutungszunahme von Religion für die politische Praxis konstatieren. Das betrifft auch den Bereich der Außenpolitik. Ausdruck hierfür ist beispielsweise die Etablierung des Referats „Religion und Außenpolitik“ im Auswärtigen Amt. Auch in anderen Ländern sind vergleichbare Entwicklungen erkennbar. Wie beeinflussen – so die hier zu verhandelnde Leitfrage – Religionen beziehungsweise religiöse Gemeinschaften und Akteure die nationalen Außenpolitiken? Diese Frage soll anhand zentraler theoretischer Ansätze der Außenpolitikforschung (realistische, liberale, institutionalistische und konstruktivistische Zugänge) untersucht werden. Im Fokus der Analyse stehen Kirchen und Religionsgemeinschaften in Europa und den USA mit ihren sehr unterschiedlich etablierten Beziehungen zum Staat (Trennungsländer wie Frankreich und die USA, Kooperationsländer wie Deutschland, Österreich oder auch Rumänien und Russland sowie Staatskirchenländer wie England und Norwegen).

Format: englischsprachiger Sammelband
Projektverantwortlich: Maria Toropova, M.A.

Friedenspotenziale religiöser Akteure in der Entwicklungszusammenarbeit

Friedenspotenziale religiöser Akteure in der Entwicklungszusammenarbeit (2019–2020)

Insbesondere durch die Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) „Religion matters“ sowie das bei der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) angesiedelte Sektorvorhaben „Werte, Religion und Entwicklung“ erfahren Religionsgemeinschaften als zivilgesellschaftliche Akteure und Partner in der Entwicklungszusammenarbeit eine hohe Beachtung und Wertschätzung. Während zahlreiche Projekte und Programme in den zurückliegenden Jahren initiiert und durchgeführt wurden, finden bislang – sowohl zu der Gesamtthematik als auch zu Einzelaspekten unter der Überschrift „Religion und Entwicklung“ – analytische, evaluative oder auch konzeptionelle wissenschaftliche Begleitungen kaum statt. Vor diesem Hintergrund soll eine Pilotstudie grundlegend in den Blick nehmen, in welcher Weise Religionsgemeinschaften bzw. religiöse Akteure ihre Friedenspotenziale in die Entwicklungszusammenarbeit einbringen und somit überhaupt erst eine Grundlage für gesellschaftliches Gestalten und interreligiöses Zusammenwirken schaffen. Insofern die Werteorientierung in den Entwicklungsstrategien von BMZ und GIZ eine explizite und zentrale Rolle spielt, ist vertiefend zu klären, inwiefern es aus interreligiöser Perspektive tragende Gemeinsamkeiten im Friedensverständnis gibt und inwieweit religiös verankerte Werte die Friedensorientierung flankieren, stärken und ein daraus hervorgehendes Handeln motivieren können.

Geplantes Format: Pilotstudie einschließlich Workshop und Publikation
Projektverantwortlich: Dr. Johannes Frühbauer

Religionen, Diplomatie und Frieden

Religionen, Diplomatie und Frieden (11/2020–10/2023)

Nachdem in Europa lange Zeit die Säkularisierungsthese dominierte, erfahren Religionen wieder eine verstärkte Aufmerksamkeit in der politischen Praxis. Gegenüber einem Diskurs über das Gewaltpotenzial von Religionen tritt zunehmend die Fähigkeit in den Vordergrund, Frieden zu stiften. Der Dialog der Religionen sowie Bedingungsfaktoren und Strategien religiöser Akteure zur Überwindung von Gewalt und zur Transformation gesellschaftlicher und politischer Konflikte sind wesentlich für diese Entwicklung. So entsteht eine Chance für Außenpolitik, beim Bemühen um Frieden und zivile Konfliktbearbeitung im Zusammenwirken politischer und religiöser Akteure die unterschiedlichen Mandate, Zugänge und Kompetenzen fruchtbar zu machen und die Wirkungsmöglichkeiten von Politik/Diplomatie und Religion zu verstärken. Auf diese Weise werden Synergien möglich, die die jeweiligen Grenzen der beiderseitigen Handlungsoptionen überwinden. Das Projekt nimmt diese außenpolitischen Optionen in den Blick. Wie kann – so die hier zu verhandelnde Leitfrage – das religiöse Friedenspotenzial und die gesellschaftlichen Einflüsse von Religionen genutzt und für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit gewonnen werden? Unter welchen Voraussetzungen und in welchen Situationen können außenpolitische und religiöse Akteure gemeinsam Friedensprozesse befördern?

Format: interreligiöser Konsultationsprozess, Handreichung für deutsche Auslandsvertretungen, Module für Curricula, Handbuch
Projektverantwortlich: PD Dr. Ines-Jacqueline Werkner, Almedina Fakovic, M.A., Dr. Madlen Krüger, Florian Stienen (wissenschaftliche Hilfskraft)
Projektförderung: Auswärtiges Amt

Reflexion der „Friedenssynode“ 2019 und deren Implikationen für die evangelische Seelsorge in der Bundeswehr

Reflexion der „Friedenssynode“ 2019 und deren Implikationen für die evangelische Seelsorge in der Bundeswehr (2020–2021)

In den letzten Jahren wurden im Raum der evangelischen Kirchen in Deutschland verschiedene friedensethische Prozesse initiiert und bearbeitet. Das reicht von der Ermöglichung der Grundlagenforschung über die Förderung des friedensethischen Diskurses bis hin zu Bestrebungen von Landeskirchen, Kirche des gerechten Friedens zu werden. Auch die 6. Tagung der 12. Synode der EKD im November 2019 in Dresden stand unter dem Titel „Schritte auf dem Weg zu einer Kirche der Gerechtigkeit und des Friedens“. Ziel des Projektes ist es, in Fortführung des Konsultationsprozesses „Orientierungswissen zum gerechten Frieden“ die Ergebnisse der „Friedenssynode“ zu reflektieren. Dabei sollen drei Leitfragen im Fokus der Debatte und Analyse stehen: Wieviel Pluralität verträgt eine evangelische Friedensethik? Wie sind die Ergebnisse des Konsultationsprozesses im Hinblick auf die „Friedenssynode“ der EKD zu verorten? Und welche Konsequenzen zeitigt die Kundgebung der EKD-Synode zum Frieden im Hinblick auf die Begleitung, Ermutigung, Verkündigung und Orientierung von Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr?

Format: Konsultationen, Publikationen
Projektverantwortlich: PD Dr. Ines-Jacqueline Werkner
Projektförderung: Evangelische Seelsorge für die Bundeswehr

Projekte

Projekte des Arbeitsbereiches Frieden

Gerechter Frieden

„Si vis pacem para pacem“ – unter dieser Maxime steht das Leitbild des gerechten Friedens, das in Deutschland, aber auch in großen Teilen der ökumenischen Bewegung als friedensethischer Konsens gelten kann. Damit verbindet sich ein Perspektivenwechsel: Nicht mehr der Krieg, sondern der Frieden steht im Fokus des neuen Konzeptes. So umfasst der gerechte Frieden „viel mehr als den Schutz von Menschen vor ungerechtem Einsatz von Gewalt“; er schließt „soziale Gerechtigkeit, Rechtsstaatlichkeit, Achtung der Menschenrechte und Sicherheit für alle Menschen“ mit ein (Ökumenischer Aufruf zum gerechten Frieden). Dennoch bleibt die Frage nach der Anwendung von Waffengewalt auch für das Konzept des gerechten Friedens virulent, gilt diese für einen Großteil seiner Vertreterinnen und Vertreter nach wie vor als ultima ratio.

Reflexion der „Friedenssynode“ 2019 und deren Implikationen für die evangelische Seelsorge in der Bundeswehr

Konsultationsprozess „Orientierungswissen zum gerechten Frieden“ (2016–2019)

Religion und Frieden

Ausgehend vom Säkularisierungsparadigma haben die Sozialwissenschaften der Religion lange Zeit keinerlei Bedeutung beigemessen. Mittlerweile ist von einer Renaissance der Religion und des Religiösen die Rede. Das betrifft auch die Friedens- und Konfliktforschung, die – mit dem Ende des Kalten Krieges, dem Aufbrechen von ethnischen und Identitätskonflikten sowie Ereignissen wie die Anschläge vom 11. September 2001 – begonnen hat, sich mit dem Einfluss von Religion auf Gewaltkonflikte zu beschäftigen. Dabei ist vor allem das Gewaltpotenzial von Religionen in den Fokus der Aufmerksamkeit getreten. Ihre friedensstiftende Rolle geriet dagegen bisweilen in den Hintergrund. Diese wird – ohne die Ambivalenz des Religiösen zu vernachlässigen – in den Blick genommen und tiefergehenden Analysen zugeführt.

Die Rolle von Religion in der Außenpolitik

Friedenspotenziale religiöser Akteure in der Entwicklungszusammenarbeit

Friedensethische Diskurse in den Religionen (in Planung)

Militär und Frieden

Die Verbindung von Militär und Frieden erscheint ambivalent. Zunächst steht das Militär für ein bzw. sogar für das Instrument der Kriegsführung, ermöglichen häufig erst bewaffnete Einheiten gewaltsame Konflikte und Kriege. Als Teil der Exekutive des Staates und Instrument des staatlichen Gewaltmonopols kommt ihm aber auch eine zivilisierende und friedensfördernde Funktion zu, stellt das staatliche Gewaltmonopol nach dem zivilisatorischen Hexagon (Dieter Senghaas) eine von sechs wesentlichen Friedensbedingungen dar. Mit dem Themenkomplex „Militär und Frieden“ verbinden sich verschiedenste aktuelle Anfragen: Wehrstrukturen beispielsweise verweisen auf die innere Verfasstheit von Streitkräften und ihre Stellung in der Gesellschaft, supranationale Streitkräfte verändern sicherheits- wie rüstungspolitische Diskurse, autonome Waffen wiederum stellen bisherige ethische Standards infrage. Entwicklungen dieser Art werden in den einzelnen Projekten auf ihre militärsoziologischen und sicherheitspolitischen Konsequenzen hin beleuchtet und friedensethisch reflektiert.

Die Idee einer europäischen Armee – Diskurse und friedensethische Implikationen

Neue ethische Standards angesichts von Digitalisierungsprozessen am Beispiel autonomer Waffen (Kollegiumsarbeit)

Die Bundeswehr 10 Jahre nach Aussetzung der Wehrpflicht – militärsoziologische und friedensethische Reflexionen (in Planung)

Kooperations- und Vernetzungsprojekte

Der Arbeitsbereich Frieden setzt auf eine aktive überregionale und disziplinenübergreifende Vernetzung. Er versteht sich als eine Stätte des wissenschaftlichen und interdisziplinären Austauschs aktueller sicherheitspolitischer und friedensethischer Themen.

Heidelberger Gespräche

Friedensgutachten (ab 2021)

Heidelberger Symposium zur Friedensethik (in Planung ab 2021)

UTB-Lehrbuch „Friedens- und Konfliktforschung. Eine Einführung“