Randzonen des Willens

Randzonen des Willens


Entscheidung und Einwilligung in Grenzsituationen der Medizin: Anthropologie, Psychologie, Recht und Ethik

Die Geschichte des Willens in der Medizin ist eine Erfolgsgeschichte. Der Patientenwille hat in Abwehr eines ärztlichen Paternalismus immer stärker Berücksichtigung gefunden und ist sowohl in der ärztlichen Ethik wie auch gesetzlich fixiert. Die Autonomie eines Patienten zu respektieren heißt primär, seinen Willen in der Entscheidung über eine medizinische Maßnahme zu berücksichtigen. Diese Konjunktur des Willens ist ambivalent: Einerseits ist die Kategorie des Willens so erfolgreich, dass sie in zunehmendem Maße auch bei Personen Anwendung findet, die bisher als Nichteinwilligungsfähige allein Objekt der Entscheidung anderer waren (so etwa Kinder sowie demenziell und psychisch Erkrankte). Andererseits droht das Konzept des Willens angesichts der zunehmenden Komplexität medizinischer Zusammenhänge und diesbezüglicher schwieriger Entscheidungen selbst bei „mündigen“ Patientinnen und Patienten überlastet zu werden (etwa in der informierten Einwilligung bei klinischen Studien).

Fragestellungen

  • Welche Lasten der Begründung und Legitimation von Entscheidungen können, gerade in Grenzsituationen, dem Willen der Patienten und Probanden auferlegt werden?
  • Wie ist mit dem Willen in medizinischen Grenzsituationen umzugehen, und was lässt sich aus diesen Randzonen des Willens über die Anthropologie des Willens insgesamt lernen?

Arbeitsformen

  • Tagung „Randzonen des Willens“ (2.–5.4.2014 in Hannover)
  • Publikation

Verantwortlich

  • PD Dr. Thorsten Moos

Fördergeber

Volkswagen-Stiftung

Kooperationspartner

  • Prof. Dr. Christina Schües, Institut für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung, Universität Lübeck
  • Prof. Dr. Christoph Rehmann-Sutter, Institut für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung, Universität Lübeck

Publikationen

Moos, Thorsten/Rehmann-Sutter, Christoph/Schües, Christina (Hg.) (2016): Randzonen des Willens. Anthropologische und ethische Probleme von Entscheidungen in Grenzsituationen, Reihe „Praktische Philosophie kontrovers„, Bd. 6, Frankfurt am Main: Peter Lang. Open access.

Moos, Thorsten (2015): „Nicht ohne seinen Willen. Theologisch-ethische Überlegungen zur Gewebespende eines Geschwisterkindes“, in: Schües, Christina/ Rehmann-Sutter, Christoph (Hg.), Rettende Geschwister. Ethische Aspekte der Einwilligung in der pädiatrischen Stammzelltransplantation, Paderborn 2015, 189–213.

Berichte

Weilert, Katarina (2015): „Kindeswohl“, in: FEST-Jahresbericht 2014, 15.
Moos, Thorsten (2015): „Randzonen des Willens“, in: FEST-Jahresbericht 2014, 18−19.
Weilert, Katarina (2014): „Beschneidung“, in: FEST-Jahresbericht 2013, 13.
Moos, Thorsten (2014): „Der Wille in der Medizinethik“, in: FEST-Newsletter Juni 2014, 1–2.

Altern als Selbstverwirklichung-Publikationen

Publikationen

  1. Monographien und Herausgeberschaften
  • S. van Dyk/St. Lessenich (Hg.), Die jungen Alten. Analysen zu einer neuen Sozialfigur, Frankfurt a.M./New York 2009.
  • A. Kampf/B.L. Marshall/A. Petersen (Hg.), Aging Men, Masculinities and Modern Medicine, New York/London 2013.
  • Dies./L. Botelho (Hg.), Anti-Aging and Biomedicine. Bodies, Gender, and the Pursuit of longevity, Medicine Studies. An International Journal for History, Philosophy, and Ethics of Medicine & Allied Sciences 1, 3, 2009.
  • Th. Moos/J. Niewöhner/K. Tanner (Hg.), Genetisches Wissen. Formationen und Übersetzungen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, St. Ingbert 2011.
  • Chr. Mulia, Kirchliche Altenbildung. Herausforderungen – Perspektiven – Konsequenzen (Praktische Theologie heute 110), Stuttgart 2011.
  • S. Nagel,Ethics and the Neurosciences. Ethical and social consequences of neuroscientific progress, Paderborn 2010.
  • M. Schlette, Die Idee der Selbstverwirklichung. Zur Grammatik des modernen Individualismus, Frankfurt a. M./New York 2013.
  • Ders./M. Jung (Hg.), Anthropologie der Artikulation. Begriffliche Grundlagen und transdisziplinäre Perspektiven, Würzburg 2005.
  1. Aufsätze
  • S. van Dyk/St. Graefe, Die Kategorie Geschlecht in der Konstruktion subjektiver Alterslosigkeit, in: ZSE − Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation, 32(2), 2012, 154–171.
  • Dies./St. Graefe, Prävention ohne Ende? Eine soziologische Bestandsaufnahme neuer Alter(n)spolitiken, in: Schicktanz, S./Schweda, M. (Hg.), Pro-Age oder Anti-Aging? Altern im Fokus der modernen Medizin, Frankfurt a.M./New York 2012, 69–86.
  • Dies./St. Graefe/St. Lessenich, Altsein ist später. Alter(n)snormen und Selbstkonzepte in der zweiten Lebenshälfte, in: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, 44(5), 2011, 299–305.
  • Dies., Active, productive and healthy aging in Germany and the United States. Some insights and critical remarks from a comparative perspective, in: The Journal. AARP International, 2011, 72–75.
  • Dies./T. Denninger/St. Lessenich/A. Richter, Die Regierung des Alter(n)s. Analysen im Spannungsfeld von Diskurs, Dispositiv und Disposition, in: Angermüller, J./van Dyk, S. (Hg.), Diskursanalyse meets Gouvernementalitätsforschung. Perspektiven auf das Verhältnis von Subjekt, Sprache, Macht und Wissen, Frankfurt a. M./New York 2010, 207–236.
  • Dies./St. Graefe, Fit ohne Ende – gesund ins Grab? Kritische Anmerkungen zur Trias Alter, Gesundheit, Prävention, in: Jahrbuch für kritische Medizin 46, 2010, 96–121.
  • Dies., „Junge Alte“ im Spannungsfeld von liberaler Aktivierung, Ageism und Anti-Ageing-Strategien, in: van Dyk, S./ Lessenich, S. (Hg.), Die jungen Alten. Analysen zu einer neuen Sozialfigur, Frankfurt a.M./New York 2009, 316–339.
  • Dies., „Junge Alte“. Vom Aufstieg und Wandel einer Sozialfigur, in: van Dyk, S./Lessenich, St. (Hg.), Die jungen Alten. Analysen zu einer neuen Sozialfigur, Frankfurt a. M./New York 2009, 11–48.
  • A. Kampf, „There is a person here“. Rethinking age(ing), gender and prostate cancer, in: Kampf, A./ Marshall, B.L./ Petersen, A. (Hg.), Aging Men, Masculinities and Modern Medicine, New York/London 2013.
  • Dies., „The risk of age“? Early detection test, prostate cancer and technologies of self, in: Journal of Aging Studies, 24, 4, 2010, 325–334.
  • Dies., The absence of Adam. Prostate cancer and male identity, in: Powell, J./Gilbert, T. (Hg.), Aging and Identity. A Postmodern Dialogue, New York 2009, 29–43.
  • Th. Moos, Die kosmologische Verlegenheit moderner Religion. Zur praktischen Notwendigkeit einer theologischen Kosmologie, in: Vogelsang, F. et.al. (Hg.), Gibt es eine Ordnung des Universums? Der Kosmos zwischen Messung, Anschauung und religiöser Deutung, Bonn 2012, 201–230.
  • Ders., „Genetisches Risiko“. Zum Umgang mit Nichtwissen in verschiedenen Wissensbereichen, in: ders. et.al. (Hg.), Genetisches Wissen. Formationen und Übersetzungen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, St. Ingbert 2011, 217–246
  • Chr. Mulia, Bildungsaufgabe Altern, in: forum erwachsenenbildung 2/2011, 38–41.
  • Ders., Krankheit und Gesundheit im Blätterwald der Zeitschriften. Eine kultursoziologische und religionshermeneutische Analyse, in: www.theomag.de (Heft 72/2011).
  • Ders., Altern als Werden zu sich selbst. Philosophische und theologische Anthropologie im Angesicht des Alters, in: Kumlehn, M./Klie, Th. (Hg.), Aging – Anti-Aging – Pro-Aging. Altersdiskurse in theologischer Deutung, Stuttgart 2009, 103–127.
  • Ders., Altenheim: Die letzte Wegstation als Raum des Lebens und des Sterbens, in: Fermor, G. u.a. (Hg.), Gottesdienst-Orte. Handbuch Liturgische Topologie (Beiträge zu Liturgie und Spiritualität 17), Leipzig 2007, 18–22.
  • Ders., Alter, populäre Kultur und Religion. Praktisch-theologische Erkundungsgänge in ein unerschlossenes Terrain, in: Praktische Theologie 41 (4/2006), 295–305.
  • S. Nagel, Neuronale Plastizität und Autonomie − Chancen und Risiken des zunehmenden Wissens über die Veränderbarkeit des Gehirns, in: Zeitschrift für medizinische Ethik, 59/2013, 31−39.
  • Dies.,/ H. Remmers, Self-perception and self-determination in surveillance conditions, in: American Journal of Bioethics 12 (9)/2012, 53−55.
  • Dies., Too much of a good thing? Enhancement and the burden of self-determination, in: Neuroethics, 3 (2)/2010, 109−119
  • M. Schlette, Selbstverwirklichung und Religion, in: H. Deuser/S. Wendel (Hg.), Dialektik der Freiheit. Religiöse Individualisierung und theologische Dogmatik, Tübingen 2012.
  • Ders., Die „schlechte Endlichkeit“ des menschlichen Lebens. Eine Auseinandersetzung mit Ernst Tugendhat, in: Höfner, M./Schaede, S./Thomas, G. (Hg.), Endliches Leben, Tübingen 2010, 109–131.
  • Ders., Selbstverwirklichung durch Artikulation, in: ders./Jung, M. (Hg.), Anthropologie der Artikulation. Begriffliche Grundlagen und transdisziplinäre Perspektiven, Würzburg 2005, 160–205.

Altern als Selbstverwirklichung-Mitglieder des wissenschaftlichen Netzwerks

Mitglieder des wissenschaftlichen Netzwerks

  • Prof. Dr. Silke van Dyk, Professorin für Politische Soziologie, Institut für Soziologie, Universität Jena
  • Prof. Dr. Antje Kampf, Juniorprofessorin für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin, Universität Mainz
  • PD Dr. Thorsten Moos, Referent für Theologie und Leiter des Arbeitsbereichs ‚Religion, Recht und Kultur‘, Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft, Heidelberg
  • Dr. Christian Mulia, Lehrbeauftragter, Seminar für Praktische Theologie, Universität Mainz
  • Dr. Saskia Nagel, Assistant Professor, Universität Twente, Enschede, Niederlande
  • Dr. Larissa Pfaller, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Institut für Soziologie, Universität Erlangen
  • Dr. Christoph Rott, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Institut für Gerontologie, Universität Heidelberg
  • PD Dr. Magnus Schlette, Referent für Philosophie und Leiter des Arbeitsbereichs ‚Theologie und Naturwissenschaft‘, Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft, Heidelberg

Altern als Selbstverwirklichung-Arbeitsprogramm

Arbeitsprogramm

Der Kern der Forschung besteht darin, die Verschränkung der vier genannten Diskurse zunächst am Ort ihrer wissenschaftlichen Referenzdisziplinen, ferner in der Ratgeberliteratur, der Pharmawerbung oder ähnlichen Medien kultureller Altersdeutung und schließlich in den Selbstdeutungen der Alten nachzuvollziehen. Dafür bietet sich die Form eines Netzwerkes an, das Forschungsaktivitäten und Expertise aus den Neurowissenschaften, der Pädagogik, der Präventionsforschung, der Gerontologie und den mit der Reflexion der genannten Diskurse befassten Geistes- und Sozialwissenschaften bündelt. Ferner ist erforderlich, dass die Teilnehmer des Netzwerks ihrerseits in bereits etablierten Forschungszusammenhängen arbeiten, so dass deren Ergebnisse für die besagten Fragestellungen produktiv genutzt werden können (z.B. sozialwissenschaftliche Datenbasen und -auswertungen).

Das Nachwuchswissenschaftler-Netzwerk veranstaltet in drei Jahren insgesamt sechs Arbeitstreffen mit Workshop-Charakter, die dem wissenschaftlichen Nachwuchs in begrenztem Umfang öffentlich zugänglich gemacht werden, aufeinander aufbauen und unterschiedliche thematische Schwerpunkte haben. Abschließend ist eine Tagung geplant, auf der die Ergebnisse des Netzwerks einem größeren Fachpublikum zugänglich gemacht und in die einschlägigen Debatten integriert werden. (Die Finanzierung der Abschlusstagung wird separat beantragt.) Überdies sollen die Ergebnisse der Arbeitstreffen (und der abschließenden Tagung) in einem deutsch- oder englischsprachigen Sammelband veröffentlicht werden. Ferner ist die Publikation von Fachaufsätzen in Koautorschaft einzelner Mitglieder des Netzwerks geplant, die sich auf der Basis ihrer jeweiligen Expertise wechselseitig in der Bearbeitung interdisziplinärer Fragestellungen im Rahmen des Netzwerkthemas ergänzen.
Veranstaltungsorte für die Treffen des Netzwerkes sind die Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft in Heidelberg und gegebenenfalls weitere Orte. Diese Institution bietet durch ihre überregionale Präsenz in der Wissenschaftslandschaft, die Infrastruktur und bestehende fächerübergreifende Forschungszusammenhänge eine optimale Voraussetzung für die Durchführung der Arbeitstreffen. In Heidelberg besteht darüber hinaus bereits eine differenzierte Landschaft von gerontologischen Forschungseinrichtungen, zu denen Kontakte geknüpft und mit denen Kooperationen angestoßen werden sollen und schon initiiert wurden. Darüberhinaus wurde eine webbasierte Infrastruktur errichtet, in der die gruppeninterne Kommunikation (z.B. die Versendung von Texten zur Vorbereitung auf die Arbeitstreffen, wechselseitige Kommentierung von Arbeitspapieren etc.) ermöglicht wird.


Arbeitstreffen 1, 22.−23.05.2014, FEST, Heidelberg

„Produktivität und Selbstverwirklichung: Zum Verhältnis von Ökonomisierung und Individualisierung der Lebensentwürfe im Dritten Lebensalter“
Organisation: Silke van Dyk/Magnus Schlette
Der erste Workshop gab den Teilnehmern und Teilnehmerinnen zunächst Gelegenheit, sich persönlich kennenzulernen und die Projekte, die sie in ihren jeweiligen Forschungszusammenhängen verfolgen, kursorisch vorzustellen. Die Antragsteller präsentierten danach das Arbeitsprogramm und stellten es zur Diskussion, um Modifikationen und Feinjustierungen zu ermöglichen. Nach diesem Einführungsblock wurde mit der Arbeit am Thema des Arbeitstreffens begonnen.
Thema
Die Berücksichtigung gouvernementalitätstheoretischer Arbeiten zum Verhältnis von Fremd- und Selbstführung (Foucault 2004; Bröckling et al. 2000) sowie von soziologischen Zeigdiagnosen, die sich mit der Frage von „Selbstverwirklichungszwängen“ in der Spätmoderne auseinander setzen (z.B. Honneth 2002; Kocyba 2005), können dazu dienen, die alter(n)sspezifischen Analysen an aktuelle Gesellschaftsanalysen und Zeitdiagnosen rückzubinden. Der Workshop soll sich dem Anliegen widmen, die soziologisch und sozialtheoretisch breit diskutierten Ambivalenzen spätmoderner Subjektivität im Spannungsfeld von Normierung und Pluralisierung, von Ökonomisierung und Individualisierung, von Empowerment und Disziplinierung lebenslauf- und alternsspezifisch durchzubuchstabieren. Mit der lebenslaufbezogenen Temporalisierung gängiger Zeitdiagnosen würde ein wesentliches Desiderat der gesellschaftstheoretischen Auseinandersetzung mit Fragen des Alter(n)s – als Fragen des temporalisierten Lebens – erfüllt. Neben dieser „Dynamisierung“ einschlägiger (Zeit-)Diagnosen sollen Fragen sozialer Ungleichheit im Zentrum des Workshops stehen, erweist sich in den aktuellen Debatten um das junge/dritte Alter doch vor allem seine Homogenisierung als großes Problem. Nicht nur die Voraussetzungen, den mit dem Produktivitätsparadigma verbundenen Ansprüchen/Anforderungen zu genügen, sind höchst ungleich verteilt, auch die Orientierung an selbstverwirklichungsbezogenen Werten gilt keineswegs für alle Bevölkerungsgruppen in gleicher Weise.
Projektpräsentation
Gemeinsam mit ihrem Kollegen Stephan Lessenich hat Silke van Dyk von 2008 bis 2012 im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 580 in Jena/Halle ein DFG-finanziertes Forschungsprojekt geleitet, das sich explizit dem Verhältnis von gesellschaftlichen Diskursen und subjektiven Perspektiven auf das junge Alter (im Ost-West-Vergleich) gewidmet hat: „Vom wohlverdienten Ruhestand zum Alterskraftunternehmer? Bilder und Praktiken des Alter(n)s in der aktivgesellschaftlichen Transformation des deutschen Sozialstaats nach der Vereinigung“ lautet der Projekttitel. Um die Veränderungen auf gesellschaftlicher wie individueller Ebene erfassen zu können, wurde ein zweistufiges Forschungsverfahren gewählt und die Analyse von Diskursen des Alter(n)s im Zeitraum von 1983 bis 2010 mit einer qualitativen Interviewstudie verschränkt. Die Ergebnisse dieser soziologischen Studie können die im Netzwerk angestrebten interdisziplinären Diskussionen zum Altern als Selbstverwirklichung befruchten, deuten sie doch darauf hin, dass es unverzichtbar ist, die Analysen der Neuverhandlung des Alters über das im engeren Sinne alter(n)ssoziologische und politische Feld an gesellschaftliche Vorsorge- und Bildungsdiskurse, aber auch an individualethische Vorstellungen einer vita activa anzuschließen. Ferner zeigen die Ergebnisse mehr als deutlich, dass Gestaltungsräume des Alterns nicht unabhängig von Fragen sozialer Ungleichheit diskutiert werden können. Demgegenüber hat Magnus Schlette in seiner Habilitationsschrift „Die Idee der Selbstverwirklichung. Zur Grammatik des modernen Individualismus“, die im Jahr 2012 mit dem Max-Weber-Preis für Nachwuchswissenschaftler des Max-Weber-Kollegs für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien ausgezeichnet wurde, ein bewährungstheoretisches Konzept von Selbstverwirklichung vorgelegt, das er für die Alternsforschung nutzbar machen möchte. Forschungsleitend ist dabei die Hypothese, dass generische Konzepte von Selbst und Identität lebensphasenspezifisch differenziert werden müssen, was in der philosophischen Forschung bisher nicht bzw. nur in vereinzelten Ansätzen geleistet worden ist.


Arbeitstreffen 2,
28.−29.05.2015, FEST, Heidelberg
„Prävention und Plastizität. Zur Geschichte des Präventionsdiskurses und zu neurowissenschaftlichen Innovationen medizinischer Vorsorge für die späten Lebensalter“.
Organisation: A. Kampf, S. Nagel
Thema
Zunächst wurde ein vertiefter Einblick in die (Zeit-)Geschichte der Prävention und der Präventionsdiskurse zur Kontextualisierung der rezenten medizinischen Debatten neuro-wissenschaftlicher Innovationen erarbeitet. Insbesondere die Diskussionen über zentrale Begriffe und Konzepte zu ‚Individualität‘, ‚Alter‘ und ‚Selbstgestaltung‘ haben im Laufe des 20. Jahrhunderts eine fundamentale Veränderung erfahren, die die Schnittstelle zwischen der Risikofaktorenmedizin, der gesundheitspolitischen Operationalisierung von ‚Eigenverantwortlichkeit‘ und public health-Ansätzen bis heute prägen. Hierzu wurden einschlägige Arbeiten der Literatur zur Geschichte der Prävention an der Schnittstelle zum Altersdiskurs besprochen. Davon ausgehend wurde dann das Thema auf die Problematik der neuronalen Plastizität zugeführt. In den vergangenen Jahren haben Studien zu neuronaler Plastizität – der Fähigkeit des Gehirns, auf Erfahrungen mit Veränderungen in neuronaler Aktivität, Struktur und Funktion zu reagieren – Fragen über Entwicklung und Altern, Lernen, Pathologien sowie über die Effekte der Ernährung, verschiedener Trainingsformen, psychoaktiver Substanzen und kortikaler Stimulationsmechanismen erhellt. Neurowissenschaftliche Erkenntnisse über die lebenslange Anpassungsfähigkeit des Gehirns legen nahe, korrespondierende Anwendungen zur medizinischen und psychologischen Vorsorge zu entwickeln. Im Workshop wurden die neurowissenschaftlichen Methoden und Ergebnisse zu neuronalen Reorganisationsprozessen und Mechanismen kortikaler Reorganisation vorgestellt. Zentrale Forschungsartikel und die relevanten Entwicklungen in den Neurowissenschaften für den Präventionsdiskurs wurden diskutiert. Ein Kernthema war die Betrachtung der Translation aus der Grundlagenforschung in die Anwendung, sowie die Perzeption der empirischen Ergebnisse durch die Öffentlichkeit.
Projektpräsentation
Antje Kampf
befasst sich in ihrer Forschung schwerpunktmäßig einerseits mit den Präventionsdiskursen im historischen Kontext, andererseits mit dem Diskurs zwischen Alter und Körper. Sie hatte die Projektleitung für das von der DFG geförderte Projekt „Representation of gender and concepts of cardio-vascular prevention in Germany, 1949 – 2000“ und organisierte die internationale Tagung „Translating Health: Biomedicine and Prevention after 1945 in Europe“, die unter anderem Fragestellungen zum Alterskonzept in der Medizin sowie dessen Einfluss auf die Öffentlichkeit thematisiert hat. Der wissenschaftsbasierten öffentlichen Repräsentation des Zusammenhanges zwischen Prävention und Alter gilt auch ihr Forschungsinteresse im Rahmen des Nachwuchsforschernetzwerks. Saskia Nagel beschäftigt sich u.a. mit der Veränderbarkeit des Gehirns und den Konsequenzen für unser Verständnis eigener Verantwortlichkeit für mentale Prozesse. Sie untersucht hier verschiedene Lebensphasen und die Besonderheiten, die neurowissenschaftliches Wissen in den verschiedenen Altersstufen haben kann. Neben einem Projekt, in dem es um psychopharmakologische Interventionen bei Kindern geht (Graf, Nagel et al. 2013), wird die Frage nach den Auswirkungen auf das Altersbild und auf die Selbstwahrnehmung im Alter thematisiert (Nagel und Remmers 2012). Hier geht es auch um Technologien im Alter, die zunehmend Raum im Leben von alten Menschen einnehmen. Neurowissenschaftliche Forschung zeigt die lebenslange Veränderbarkeit des Gehirns und erlaubt gezielte Maßnahmen zur Selbstgestaltung (Nagel 2013). Im Rahmen des Nachwuchsforschernetzwerkes beleuchtet sie insbesondere Aspekte der lebenslangen Selbstformung.

Altern als Selbstverwirklichung-Ausgangshypothesen und Ziele

Ausgangshypothesen und Ziele

Die Ziele des Netzwerks ergeben sich aus drei forschungsleitenden Ausgangshypothesen, die zunächst skizziert werden sollen.

  1. Ausgangshypothesen:

Die erste unserer drei Ausgangshypothesen lautet, dass der alte Mensch in den modernen westlichen Gesellschaften dem Druck zweier Erwartungshaltungen ausgesetzt ist, die in steigendem Maß die sozialen Institutionen durchdringen und direkt oder indirekt die Angehörigen der späten Lebensalter adressieren: der Anspruch sozialer Produktivität (a) und derjenige der Selbstverwirklichung (b). Diese Erwartungshaltungen reichen bis in die – in der Gerontologie und mittlerweile auch der breiten Öffentlichkeit geläufige – Unterscheidung des Dritten und Vierten Lebensalters hinein, insofern sie die altersspezifischen Momente von Selbstgestaltung und Depotenzierung entkoppelt und die Selbstgestaltung dem Dritten, die Depotenzierung dem Vierten Lebensalter zuordnet. Leitbilder und Narrative erfolgreichen und scheiternden Alterns stehen mitunter brüsk nebeneinander. So arbeiten etwa Pharmawerbung und Ratgeberliteratur mit prägnanten Dualen von hoher mentaler Leistungsfähigkeit auf der einen Seite und Schreckbildern von mentaler Depotenzierung bis hin zur Demenz auf der anderen Seite.

Zu (a): Die Entwicklung der Sozialgerontologie in den vergangenen vierzig Jahren bezeugt einen Wandel gesellschaftlicher Alterskonzepte, der dem ökonomischen und im weiteren Sinne gesellschaftlichen Interesse an der Altersaktivierung entgegenkommt – vom dis­engaged ageing der aus dem Erwerbsleben ausgeschiedenen und den Ruhestand weitgehend passiv verlebenden Alten über das active ageing der Freizeitvirtuosen bis zum productive ageing ungebrochen geschäftiger alter Menschen, worunter die Gerontologen Robert N. Butler und Herbert P. Gleason bereits in den 1980er Jahren die Fähigkeit eines Individuums oder einer Population verstanden, „to serve in the paid workforce, to serve in volunteer activities, to assist in the family, and to maintain himself or herself as independently as possible“. Das Konzept des aktiven oder produktiven Alters korreliert mit sozialpolitischen Bemühungen um eine Aktivierung des so genannten Dritten Lebensalters. So heißt es etwa im Fünften Altenbericht der Bundesregierung: „Das Know-how, die Kompetenz und die Lebenserfahrung der Älteren dürfen weder in der Wirtschaft noch in der Gesellschaft weiter ungenutzt bleiben.“ Es wäre aber andererseits nicht angemessen, Konzepten des active oder productive ageing grundsätzlich zu unterstellen, sie seien bloße Erfüllungsgehilfen sozialpolitischer Imperative, die ihrerseits wiederum lediglich den Sachzwängen der ökonomischen Rationalität folgen würden. Denn diese Konzepte erheben in der Regel selbst den Anspruch, gesellschaftlich anerkannten individualethischen Erwartungen eines gelungenen Lebens besser gerecht zu werden als Konzepte des disengaged self. Klärungsbedürftig ist daher nicht nur der Zusammenhang zwischen Konzepten des aktiven Alters und politischen Strategien der Ressourcenmobilisierung älterer Menschen, sondern auch der kulturelle Horizont individualethischer Erwartungen, innerhalb dessen die Entstehung von Konzepten des aktiven Alters plausibilisiert werden kann.

Zu (b): Dieser Horizont wird in den modernen westlichen Gesellschaften durch das Ideal der Selbstverwirklichung charakterisiert. Begriffe wie derjenige der Selbstverwirklichung tauchen in der sozialgerontologisch einschlägigen Literatur explizit zur Konzeptualisierung der Lebensorientierung im Alter auf – so etwa in der von Infratest 1991 in Auftrag gegebenen Studie „Die Älteren. Zur Lebenssituation der 55- bis 70jährigen“. Über die ‚neuen Alten‘, die sich nicht mehr durch Konzepte des disengaged ageing sollen fassen lassen können, heißt es dort: „Sie wollen die Chance, die das ‚Älterwerden‘ in ihren Augen bietet, aktiv nutzen. Selbstverwirklichung, Kreativität, Persönlichkeitswachstum, Aufgeschlossenheit für das Neue stehen im Zentrum ihrer Lebensansprüche.“ Das Ideal der Selbstverwirklichung ist nun allerdings alles andere als trivial, denn es bildet den normativen Kern des modernen Individualismus. Dabei wird dann im Allgemeinen an die Entfaltung persönlicher Eigenschaften und Anlagen gedacht, an die Ausbildung von Fähigkeiten, die Ausübung unseres Willens zur Erfüllung von subjektiv relevanten Bedürfnissen, Wünschen und Präferenzen, die Verfolgung von subjektiv bedeutsamen Zielen; dies alles soll sich aber nach gängigen Vorstellungen vor allem im Horizont von Lebensplänen abspielen, die aus eigenem Entschluss gefasst und ausgeführt werden. Damit wird das individuelle Leben einem hohen Bewährungsanspruch einzigartiger Individuierung unterworfen, an dem der Einzelne immer auch scheitern kann. Und diesem Bewährungsanspruch ist wiederum in besonderer Weise der alternde Mensch ausgesetzt, insofern er mit einer sukzessiven Reduktion seiner geistigen, seelischen und körperlichen Vermögen konfrontiert wird bzw. diese Abbauprozesse antizipiert. In milieudifferenzierter Hinsicht gilt es hierbei zu problematisieren, dass die Bewältigungsmöglichkeiten der Individuen vom Ausmaß ihrer lebensgeschichtlich erworbenen materiellen, sozialen und kulturellen Ressourcen abhängt.

Das Alter zeichnet sich also durch eine spezifische Intensivierung der Bewährungsanforderungen aus, die mit den Paradigmen der Altersproduktivität und der Selbstverwirklichung verbunden sind. Die mit dem zwanglosen Zwang sozialer Werte, hier: der individuellen Produktivität und Selbstverwirklichung, dem Einzelnen angesonnene Initiative, etwas aus seinem Alter ‚zu machen‘, trifft nun – so unsere zweite Ausgangshypothese – zunehmend auf Orientierungsangebote, die sich in den Diskursen über das ‚productive‘ oder ‚successful ageing‘ in der Sozialgerontologie, der Gesundheitsvorsorge in der Präventivmedizin und Medizinethik sowie der Plastizitätsforschung und des Enhancement in den Neurowissenschaften sowie vor allem in den Schnittbereichen dieser Diskurse bilden und insbesondere in den vielfältigen Formen ihrer medialer Aufbereitung von populärwissenschaftlichen Publikationen über das Feuilleton und einschlägige Talkshows im Fernsehen bis zur Ratgeberliteratur nicht nur der Krankenkassen popularisiert werden. Und es zeichnen sich bereits Debatten ab, in denen die Leistungen der Kranken- und Rentenversicherungen auf der Basis des Präventionswissens in der Medizin und des Wissens über Plastizität in den Neurowissenschaften neu verhandelt werden. Es ist davon auszugehen, dass ein diskursiv initiierter Wandel von Individualitätskonzepten in dem Spannungsgefüge von sozialer Produktivität und individueller Selbstverwirklichung sozialpolitische Konsequenzen nach sich ziehen wird.

Unsere dritte und letzte Ausgangshypothese lautet, dass der diskursiv initiierte Wandel kultureller Altersdeutungen das Selbstverständnis der Alten beeinflusst oder gar prägt. Es ist zu erwarten, dass die alten Menschen sich nach Maßgabe ihrer jeweils individuellen Konstellation von Selbstgestaltungsmöglichkeiten und Depotenzierungsaussichten zu den sozialen Imperativen der Produktivität und Selbstverwirklichung verhalten, d.h. sie jeweils bezogen auf ihre eigene Lebenssituation interpretieren, akzeptieren oder zurückweisen. Andererseits nehmen sie vornehmlich über ihr bürgerschaftliches/freiwilliges Engagement sowie über (selbst-)organisierte Interessenvertretungen Einfluss auf die gesellschaftlichen Alters- und Generationendiskurse. Die allgemeinen sozialen Deutungsmuster treffen demnach auf die jeweils besonderen Lebensbedingungen der alten Menschen und treten zu diesen in ein kritisch-konstruktives Spannungsverhältnis, das für ihre Altersidentität konstitutiv ist.

II. Ziele:

Auf der Grundlage der drei skizzierten Ausgangshypothesen verfolgt das Netzwerk nun folgende Ziele: die Hypothesen der sozialen Erwartungshaltungen produktiven Alterns und der Selbstverwirklichung im Alter in ihrer Wechselbeziehung zu prüfen (1), die Transformation von Konzepten der Individualität durch Popularisierung wissenschaftlicher Forschungsergebnisse im Schnittfeld von Alters- Vorsorge-, Bildungs- und Plastizitäts- bzw. Enhancementdiskurs zu rekonstruieren (2) sowie die durch diese Diskurse beeinflussten Veränderungen im Selbstbild alternder und ihr Alter antizipierender Menschen zu identifizieren (3).

Zu (1) – Deutungsmuster der Lebensführung in der ‚alternden‘ Gesellschaft:
Die sozialen Erwartungshaltungen der Produktivität und der Selbstverwirklichung stehen in einem dynamischen und spannungsvollen Wechselverhältnis zueinander, das Tendenzen begünstigt, einerseits die Maßstäbe der Produktivität an der Rationalität des Strebens nach Selbstverwirklichung zu orientieren und andererseits diese wiederum in Begriffen der Produktivität und des Erfolgs zu formulieren. Die besagten Erwartungshaltungen erhöhen wiederum die Chance, das Alter als eine Lebensphase zu verstehen, deren biologisch determinierte Entwicklungen mentaler Depotenzierung durch präventive Maßnahmen der Selbstsorge zu verzögern, zu kompensieren und in Eigenregie als kontrollierter Selbstabbau zu gestalten sind. Unter dem Bewährungsdruck des Selbstverwirklichungsideals und seiner Verbindung mit gesellschaftlichen Produktivitätserwartungen werden die Alten mit dem Problem konfrontiert, die absehbare Abnahme physischer und geistiger Leistungsfähigkeit und die Verknappung von Zeitressourcen der Verwirklichung von Lebensplänen mit dem Anspruch maximal möglicher individueller Souveränität in die Gestaltung des verbleibenden Lebens einzubinden. Wie gehen sie mit diesem Problem um, welche Lösungen finden sie und auf welche Deutungsangebote greifen sie dabei zurück? Der Individualismus der Jugend ist ein Individualismus der Selbststeigerungsvirtuosität, der des Alters ein Individualismus der Selbstbewahrung. Zu fragen ist darüber hinaus, ob und wie die lebenspraktische Bewährung in den späten Lebensaltern zum Bezugspunkt gesellschaftlich kommunizierter Konzepte der Lebensgestaltung auch im mittleren Lebensalter wird, insofern die Antizipation schwindender Kräfte die alternden Individuen zu präventiven Maßnahmen des self-design und am Ende des Lebens zur Ausbildung spezifischer Kompetenzen des Selbstabbaus disponieren soll – bis hin zur Programmformel des ‚selbstbestimmten Sterbens‘. Inwieweit werden sozial relevante Deutungsmuster erfolgreicher Lebensführung auf die Bewährung in den späten Lebensaltern hin ausgerichtet? Wie setzen die Alten vor dem Hintergrund der unterstellten gesellschaftlichen Erwartungshaltungen Depotenzierungserfahrungen in einen Selbstabbau um, der subjektiv als Prozess der Ratifizierung oder gar Steuerung des Eingeschränkt-Werdens gedeutet werden kann? Eine Zentrierung der Lebensgestaltung auf die Bewährung der späten Lebensalter im Horizont von Produktivitäts- und Selbstverwirklichungserwartung würde dem demographischen Wandel korrespondieren, demzufolge sich in den vergangenen vierzig Jahren die jährliche Geburtenzahl halbiert hat, während die dem Einzelnen verfügbare Lebenszeit im Durchschnitt gestiegen ist – mit entsprechenden Konsequenzen für die Altersstruktur der Gesellschaft. Tendiert die Gesellschaft zu einer Bedeutungsverschiebung individueller Bewährung vom mittleren auf die späten Lebensalter? Lässt sich gegebenenfalls an solchen Prozessen das ‚Älterwerden‘ einer Gesellschaft ablesen?

Zu (2) Individualitätskonzepte im Schnittfeld wissenschaftlicher und wissenschaftspopularisierender Diskurse:
Wir widmen uns den Schnittbereichen von vier wissenschaftlich-gesellschaftli­chen Diskursen: Das sind erstens der Diskurs über das Gehirn und seine Umwelt in der neurowissenschaftlichen Forschung unter besonderer Berücksichtigung der Thematik „Plastizität“; zweitens der Diskurs über die Gesundheitsvorsorge zwischen Präventivmedizin und Sozialpolitik; drittens der Diskurs über das Alter in der sozialgerontologischen Auseinandersetzung mit dem productive und successful ageing und viertens der Diskurs über das Konzept des ‚lebenslangen Lernens‘ in der Bildungsforschung. Man kann sich den Zusammenhang dieser Diskurse graphisch in der Gestalt vierer Kreise mit unterschiedlichen thematischen Schnittmengen und einer gemeinsamen Schnittmenge aller Kreise veranschauli­chen. Die Aufgabe ist es, die verschiedenen Überschneidungen zu identifizieren und einer Analyse der in ihnen wirksamen Individualitätskonzepte zu unterziehen. Führen die Ergebnisse der Plastizitätsforschung zu neuen Normierungen recht verstandener Selbstsorge? Werden Bildungskonzepte des ‚lebenslangen Lernens‘ unter dem Druck neurowissenschaftlicher und präventivmedizinischer Forschungsergebnisse zunehmend naturalisiert? Treten an die Stelle traditionell geisteswissenschaftlicher Ressourcen der Bildungsentwicklung solche des naturwissenschaftsbasierten Trainings unserer mentalen Ausstattung? Gibt es unter Bedingungen der exakten naturwissenschaftlichen Forschung Tendenzen einer immer rationelleren Methodisierung der Selbstsorge? Neben der Untersuchung der Verzahnung der Wissenschaftsdiskurse verspricht vor allem die Analyse entsprechender Popularisierungen in der Ratgeberliteratur, den zielgruppenspezifischen Zeitschriften sowie gegebenenfalls auch in fiktionaler Literatur und im Film Aufschluss über die wissenschaftsinduzierten Orientierungsangebote, die alternden Menschen zur Erfüllung von Produktivitäts- und Selbstbestimmungsimperativen gemacht werden.

Zu (3) – Spannungen zwischen kulturellen Altersdeutungen und Selbstdeutungen der Alten:
Schließlich gilt es, den Transfer von den wissenschaftlichen Diskursen und ihren öffentlichkeitswirksamen Ablegern in die Deutungsmuster lebenspraktischer Selbstverständigung im Alter zu untersuchen. Unter dem Bewährungsdruck des Selbstverwirklichungsideals und insbesondere seiner Verbindung mit gesellschaftlichen Produktivitätserwartungen werden die Alten mit dem Problem konfrontiert, die absehbare Abnahme physischer und geistiger Leistungsfähigkeit und die Verknappung von Zeitressourcen zur Verwirklichung von Lebensplänen mit dem Anspruch maximal möglicher individueller Souveränität in die Gestaltung des verbleibenden Lebens einzubinden. Wie gehen sie mit diesem Problem um, welche Lösungen finden sie und auf welche Deutungsangebote greifen sie zu ihrer Lösung zurück? Hier sind vor allem alternde und alte Menschen zu befragen, die Bildungsprogramme nutzen, sich präventiven Strategien der Mobilisierung von Persönlichkeitspotentialen unterziehen oder sogar Formen fürsorglichen Umgangs mit ihrem Gehirn kultivieren. Denn Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften lassen Anwendungen möglich erscheinen, die gesundes Altern und lange Selbständigkeit durch eigenes Engagement zur Forderung und Förderung ihres Gehirns erlauben. Sich lebenslang um sein Gehirn zu kümmern, soll sich im Alter auszahlen. Welche Quellen lebenspraktischer Selbstverständigung nutzen diese Menschen? Aus welchen Motiven nutzen sie präventivmedizinische Angebote? Wie begreifen sie sich im Generationenverhältnis zu ihren (Enkel-)Kindern und Eltern? Wie verhalten sie sich zu Fragen des Lebensendes und des Todes? Welches Verhältnis unterhalten sie zu Institutionen sozialer Vergemeinschaftung? Neben Interviewstudien bietet sich hier die Analyse von Publikationen aus dem Bereich der Seniorenselbsthilfe, von Ratgeber- oder autobiographischer Literatur an, sofern diese als Reflex von Selbstdeutungen alter Menschen gelesen werden können.

Altern als Selbstverwirklichung-Stand der Forschung

Stand der Forschung

Angesichts der Breite der beteiligten Disziplinen kann im Folgenden der Forschungsstand nur in exemplarischen Ausschnitten präsentiert werden. Das Ideal der Selbstverwirklichung muss im Kontext der Individualisierungsprozesse moderner westlicher Gesellschaften situiert werden, die vor allem seit den achtziger Jahren in den Vordergrund soziologischer und ideengeschichtlicher Forschung gerückt sind (Beck 1986, Taylor 1989, Giddens 1991, Joas 1992, Schulze 1992, Beck/Beck-Gernsheim 1994). Mittlerweile ist auch die soziologiegeschichtliche Dimension dieses Themas aufgearbeitet worden (Schroer 2001). Die zumeist nicht terminologisch präzise Verwendung des Begriffs der Selbstverwirklichung ist problemgeschichtlich rekonstruiert worden (Gerhardt 1989). Systematische Bemühungen um eine Begriffsbestimmung von Selbstverwirklichung werden überwiegend im Diskurszusammenhang der Ethik des guten Lebens unternommen, und zwar entweder unter aktualisierendem Rückbezug auf den antiken Eudämonismus (Norton 1976) oder auf romantische und existenzphilosophische Interpretationen menschlicher Individualität (Theunissen 1982; Menke 2005) oder auch in ausdrücklicher Profilierung einer modernen, nachmetaphysisch desubstanzialisierten Konzeptualisierung der Selbstverwirklichung gegenüber solchen historischen Bezügen (Kambartel 1989; Krämer 1998; Schlette 2012, 2013). Auch im gegenwärtigen sozialtheoretischen Diskurs zur Geschichte und zu den Entfaltungsbedingungen moderner individualisierter Gesellschaften spielt der Begriff der Selbstverwirklichung eine Rolle (Honneth 2011). Eine weitere Strategie seiner Bestimmung besteht darin, Merkmale faktisch misslingender Lebensführung zu benennen, von denen wir sicher sind, dass sie insbesondere dem Anspruch der Selbstverwirklichung widersprechen (Jaeggi 2005). Damit hängt die Untersuchung systemischer Vereinnahmungen des Selbstverwirklichungsideals zusammen, die den Einzelnen mit einem sozialen Druck konfrontieren, dem entsprechenden Charakterprofil zu genügen (Honneth 2002; Kocyba 2005). Die Verknüpfung der Selbstverwirklichungsthematik mit Fragestellungen eines gelingenden Lebens im Alter ist nach wie vor ein Desiderat (vgl. Schlette 2010).
Im Zusammenhang mit dem sozialen Deutungsmuster der Selbstverwirklichung und den damit verbundenen impliziten und expliziten Verhaltenserwartungen ist auch die produktivistische Neuverhandlung des Alters zu sehen, die derzeit in aller Munde ist und die sozialgerontologischen und alter(n)swissenschaftlichen Arbeiten sowohl in affirmativer wie kritischer Hinsicht prägt. Im deutschsprachigen Raum sind die kritischen Stimmen vergleichsweise leise, und es dominiert gerontologisch, politisch und medial die Perspektive einer „win-win“-Konstellation des aktiven und produktiven Alters (van Dyk et al. 2010): Das produktive Alter komme, so die verbreitete Annahme, allen Seiten zugute: Der Gesellschaft werden gemeinwohldienliche Ressourcen erschlossen, den Älteren Verwirklichung ihrer selbst und Teilhabe in Aussicht gestellt. Was ökonomisch – unter Verweis auf den demographischen Wandel und dessen Folgewirkungen – als notwendig deklariert wird, scheint somit zugleich auch ethisch geboten: Entworfen wird damit eine Welt, in der sich Aktivität/Produktivität auf der einen sowie Selbstverwirklichung/Anerkennung älterer Menschen auf der anderen Seite miteinander verbinden. Mögliche Friktionen zwischen Selbstverwirklichung und Ressourcennutzung sind aus dieser Perspektive konzeptionell nahezu ausgeschlossen. In der angelsächsischen Diskussion korrespondiert der win-win-Perspektive eine Kritik des Produktivitätsparadigmas, die – gleichwohl mit umgekehrten Vorzeichen – ebenfalls dazu tendiert, Ambivalenzen und Friktionen auszusparen: Häufig theoretisch inspiriert durch die an den späten Michel Foucault anschließenden Gouvernementalitätsstudien, werden Diskurse des produktiven Alters v.a. hinsichtlich ihrer normierenden und disziplinierenden Wirkung problematisiert (z.B. Rudman 2006). Die Frage der mit dem verbreiteten Plastizitätsversprechen einhergehenden Gestaltungsoptionen in einer Phase des Abbaus und Verfalls bleibt in kritischen Analysen hingegen allzu häufig unterbelichtet.
Eine Auseinandersetzung mit den sich im Schnittfeld von Neurowissenschaften, Vorsorge-, Bildungs- und Altersdiskurs entwickelnden Individualitätskonzepten ist zunächst auf die rasanten Fortschritte der Neurowissenschaften verwiesen. Die Neurowissenschaften als rapide wachsendes Forschungsfeld eröffnen faszinierende Möglichkeiten für Forschung, Diagnose, Therapie und andere Anwendungen. In letzter Zeit haben besonders Studien zu neuronaler PlastizitätFragen über Entwicklung, Lernen, Pathologien, Effekte psychoaktiver Substanzen, und kortikaler Stimulation erhellt. Die Plastizität des Gehirns ist die Fähigkeit des Organs, auf Erfahrungen mit Veränderungen in neuronaler Aktivität, Struktur und Funktion zu reagieren. Alltägliche Erfahrungen und zielgerichtete Interventionen hinterlassen ihre Spuren im Gehirn. Plastizität geschieht auf vielen Zeitskalen, auf ganz verschiedenen räumlichen Niveaus und wird je nach Untersuchungsmethode unterschiedlich beschrieben (Buonomano et al. 1998, Pascual-Leone et al. 2005). Ein zentraler Befund ist, dass Plastizität allgegenwärtig ist (Jäncke 2009). Sie ist die natürliche Konsequenz neuronaler Aktivität jeglichen Ursprungs. Entgegen vorheriger Annahmen lässt sich die Veränderbarkeit des Gehirns nicht nur im Kindesalter, sondern in allen Lebensphasen nachweisen (Dinse 2006, Elbert et al. 1995, Draganski et al. 2006). Auch im Alter sind plastische Prozesse zu beobachten, die sich durch gezielte Maßnahmen auch fördern lassen. Die Möglichkeiten, die sich für Beeinflussungen des Gehirns ergeben, sind enorm. Das hat Auswirkungen auf den selbstbestimmten Umgang mit den eigenen geistigen Zuständen und Leistungen (Malabou 2006, Nagel 2013). Es ist zu untersuchen, wie unser zunehmendes Wissen über die Veränderbarkeit des Gehirns unser Verständnis von Autonomie und Verantwortlichkeit beeinflusst. Die Präsenz der Techniken zur Selbstgestaltung geht einher mit zunehmender Verantwortlichkeit. Die Neurowissenschaften schaffen Handlungswissen und damit einhergehend auch Präventionswissen. Es liegt nahe anzunehmen, dass unsere persönliche Geschichte, unsere Individualität, und unser individuelles Altern mehr durch unser eigenes Verhalten beeinflussbar ist, als wir es bis jetzt angenommen haben. Diese Erkenntnisse erfordern eine Diskussion ihrer Konsequenzen für das individuelle und soziale Leben.
Die Forschungsergebnisse der Neurowissenschaften und ihre Popularisierung fügen sich ein in einen Diskurs über Gesundheitsvorsorge, der zunehmend den Alltag prägt. Unser Alltag wird von kaum einem anderen Thema so sehr durchdrungen wie von dem der Gesundheit. Nahezu alle gesellschaftlichen Sphären rekurrieren auf die eine oder andere Weise auf diesen Wert. Illona Kickbusch spricht daher von Gesundheit als einem „Megatrend“, der die Gesellschaft als Ganzes erfasst (Kickbusch 2006). Die von ihr ausformulierten vier Maximen der „Gesundheitsgesellschaft“ – „Gesundheit ist grenzenlos, Gesundheit ist überall, Gesundheit ist machbar, und jede Entscheidung ist zugleich immer auch eine Gesundheitsentscheidung“ (ebd.: 10) – bilden einen allumfassenden Rahmen für unsere Alltagswelt. So wird Gesundheit heute zu einem generalisierten Code, der „völlig disparate Bereiche des menschlichen Lebens und Arbeitens (z.B. Führungsstile, Unternehmen, Nutzung von Berufskleidung, Spaß an der Arbeit, Ernährung, Beziehungsgestaltung) unter ein Label fasst und in einem Deutungsfeld vereint“ (Brunnett 2008: 77). Mit der Ausweitung des Gesundheitsdiskurses auf viele unterschiedliche Lebensbereiche ist auch eine zunehmende Individualisierung und Verantwortungsübertragung auf den Einzelnen verbunden. Sie steht für die zunehmende Verpflichtung Einzelner und Familien, ihre eigene Gesundheit zu überwachen und zu managen. Gerade in Bezug auf das Alter offenbaren hier präventive Gesundheitspraktiken ihren hegemonialen (vgl. Brunnett 2008) und normierenden (vgl. Schroeter 2009) Charakter. So wird aus der „dritten Lebensphase“ (Kohli 1985), die vormals dem Kontemplativen vorbehalten blieb, das “dritte Alter“ ungebrochener Aktivitätsorientierung (Rowe/Kahn 1987/1998, Baltes/Carstensen 1996), das sich vom „vierten Alter“ mit seiner körperlichen Hinfälligkeit und Multimorbidität idealtypisch unterscheidet. Auch die Älteren sollen Jugendlichkeit und Leistungsfähigkeit präsentieren (Katz 2000; Marshall 2012). Dazu gehört selbstverständlich die Abwesenheit von Krankheit und eine ausreichende Fitness (Higgs et al. 2009).
Besonders dramatisch stellt sich das Problem einer Anpassung an die Aktivitätserwartungen in der Phase des Übergangs in das ‚vierte Alter‘ dar. In keiner anderen Altersgruppe ist das Spannungsfeld zwischen Selbstverwirklichung und Depotenzierung so ausgeprägt wie in dieser Gruppe. Die systematische Hundertjährigen-Forschung hat aber gezeigt, dass auch in dieser Lebensphase Handlungsspielräume selbstbestimmten Umgangs mit dem Altern vorhanden sind (vgl. die Heidelberger 100-Jährigen-Studie). Sie werden aufgrund der Unbeständigkeit der menschlichen Architektur für ein sehr langes Leben aber immer kleiner. Der biologische Druck steigt an. So sind körperliche und kognitive Gebrechen sichtbar und leicht zu erkennen, hiervon unbeeinträchtigte Elemente im Leben der Hochaltrigen existieren eher im Verborgenen. Nach ihnen wird in der Regel auch gar nicht gesucht. Wir wissen nahezu nichts über subjektiv bedeutsame Ziele und deren Verfolgung, und wie Hochaltrige mit den oftmals großen Einschränkungen zurechtkommen. Systematische Forschungen sind selten, offenbaren aber deutliche Anzeichen eines Individualismus der Selbstbewahrungskompetenz, der sich in psychologischen Stärken manifestiert. In den Heidelberger 100-Jährigen-Studien zeigt sich auch ein Wandel der Generationenbeziehungen. Waren die Kinder der Hundertjährigen in der ersten Studie stolz, dass ein Elternteil die magische Grenze von 100 Jahren überschritten hat, werden in der Folgestudie 10 Jahre später die großen Belastungen der Versorgung deutlich thematisiert, insbesondere wenn kognitive Einschränkungen und Demenzen vorhanden sind. Es wäre also aus unterschiedlichen Perspektiven zu diskutieren, inwiefern in diesem Alter überhaupt noch ein Anspruch sozialer Produktivität besteht bzw. bestehen kann, was für Hochaltrige und Hundertjährige Selbstverwirklichung bei in der Regel eingeschränkten körperlichen und geistigen Ressourcen bedeutet, inwieweit eine systematische Selbstsorge für diese Lebensphase überhaupt möglich ist und wie sich die Beziehung zu den bereits alten oder sogar sehr alten Kindern gestaltet.
Lernprozesse erhalten in den späten Lebensphasen aufgrund ihrer altersspezifischen Charakteristiken wachsende Bedeutung, wenn der Anspruch der Selbstverwirklichung nicht aufgegeben werden soll. Bildungsbemühungen zielen darauf ab, die Seniorinnen und Senioren einerseits zur gesellschaftlichen Teilhabe und Mitgestaltung zu befähigen, während das Gemeinwesen andererseits auf ihr freiwilliges Engagement und Erfahrungswissen im sozialen, kulturellen, kirchlichen und pflegerischen Bereich angewiesen ist. Selbstverwirklichungsprozesse und die Suche nach sinnstiftenden Verantwortungsrollen in der nachberuflichen bzw. nacherzieherischen Phase sind in sozialräumliche Kontexte eingebunden. In den drei Freiwilligensurveys (1999, 2004, 2009), wonach ein Drittel der 65- bis 74-Jährigen in Deutschland mindestens eine ehrenamtliche Tätigkeit übernimmt, bildet sich indessen die Grundproblematik der sozialen Ungleichheit ab: Die Bereitschaft zum bürgerschaftlichen Engagement, d. h. zu einem ‚produktiven‘ und ‚aktiven‘ Altern, steigt mit dem Umfang des lebensgeschichtlich erworbenen ökonomischen, sozialen und kulturellen Kapitals. Mit dem Ausmaß dieser zur Verfügung stehenden Ressourcen korreliert ebenfalls das subjektive Gesundheitsempfinden, die Lebenszufriedenheit sowie die Fähigkeit, mit Verlusten, Krankheiten wie physisch-psychischen Depotenzierungsprozessen umzugehen und sie zu kompensieren. Aus diesen Beobachtungen ergibt sich als erstes Forschungsdesiderat, milieuspezifische Zugänge zum ‚lebenslangen Lernen‘, zur Gesundheitsvorsorge und zur Altersproduktivität zu erkunden und Strategien zur Überwindung von Bildungsbarrieren zu erarbeiten. Des Weiteren gilt es – im Kontrast zur Dichotomisierung eines leistungsfähigen Dritten Lebensalters und eines hinfälligen Vierten Lebensalters –, stärker Lernprozesse bei Hochaltrigen sowie bei älteren Menschen mit körperlich-geistigen Beeinträchtigungen in den Blick zu nehmen. Beispielsweise zeigt die aktuelle Demenzforschung Lerneffekte von Spiel, Musik, Bewegung und Gedächtnistraining auf. Aus geriatrischer Perspektive sind drittens die Potenziale und die Lernerfordernisse von altersgerechten Assistenzsystemen für ein gesundes und autonomes Leben (ambient assisted living) im Schnittbereich von neuen Technologien und sozialem Umfeld zu reflektieren (Nagel/Remmers 2012). Schließlich und viertens weisen Forschungen zur Salutogenese im Anschluss an Aaron Antonovsky sowie zu Kenneth Pargaments Krisenbewältigungsstilen (Coping) auf ein weiteres, in der deutschsprachigen Gerontologie bislang unzulänglich erforschtes Feld hin: die Bedeutung von Sinnstiftung, Spiritualität und Religiosität für ein ‚gesundes‘, selbstbestimmtes Altern.
In der Theologie hat das Thema „Alter“ in den vergangenen Jahren einen prominenten Stellenwert erhalten (Kumlehn/Kubik 2012; Kumlehn/Klie 2009; Rieger 2008). Dabei sind jüngst auch Themen der Prädiktion und Prävention in den Blick gekommen (vgl. Kumlehn/Klie 2009). Hier werden ansatzweise kulturwissenschaftliche, sozialwissenschaftliche und medizinhistorische Gesichtspunkte einbezogen. Allerdings steht die Auseinandersetzung mit der Medizingeschichte, der Medizinanthropologie und den übrigen mit den Themen Medizin, Krankheit, Prävention befassten Sozialwissenschaften in der Theologie erst am Anfang (vgl. Moos et al. 2011). Dies erscheint um so erstaunlicher, als das Thema Krankheit und Heilung in der Geschichte des Christentums eine große Rolle spielt und das für die Selbstverwirklichung im Alter fundamentale Spannungsfeld von Freiheit und Angewiesenheit zu den Kernthemen der Theologie gehört. Man hat hier von einem „Krankheitsschweigen“ der systematischen Theologie gesprochen (vgl. Etzelmüller/Weißenrieder 2010). Auch das Thema der Neurowissenschaften hat bisher wenig Rückhalt im theologischen Fachdiskurs (vgl. aus der Au 2011). Für die Theologie besteht also das erhebliche Forschungsdesiderat, die systematisch- und praktisch-theologische Reflexion des Alters und der Selbstverwirklichung alter Menschen empirisch anzureichern und in der Folge auch systematisch zu schärfen. Insofern die Theologie sich der lebensphasenspezifischen Hermeneutik gelebter Religion widmet, ist sie gleichwohl für die Rekonstruktion von Bewährungsaufgaben im Alter eine wichtige Gesprächspartnerin. Sind es doch gerade die Momente der Endlichkeit, des Verfalls, des Selbstabbaus einerseits, der Selbststeigerung und Selbstvollendung andererseits, die im Symbolkosmos des Christentums ihren Niederschlag gefunden haben. In den sich verändernden Ausdrucksgestalten der Religiosität alter(nder) Menschen spiegeln sich, so die hier zugrunde gelegte These, die sich verändernden Bewährungsaufgaben und Individualisierungskonzepte des Alters. Hier eröffnet sich ein weites Forschungsfeld.

Altern als Selbstverwirklichung

Altern als Selbstverwirklichung

Freiheiten und Zwänge später Lebensphasen im Schnittfeld von Neurowissenschaften, Vorsorge-, Bildungs- und Altersdiskurs

Das Ideal der Selbstverwirklichung zählt zu den Leitorientierungen individueller Lebensführung in westlichen Gesellschaften. Angesichts der Demographie ‚alternder‘ Gesellschaften gewinnt zunehmend auch die Frage nach den Mitteln und Formen der Selbstverwirklichung in den späten Lebensphasen an sozialer Bedeutung. Alter soll nicht nur hingenommen, sondern auch gestaltet werden – hier zeigen sich neue Freiheiten wie neue Zwänge und potentielle Überforderungen.
In jüngerer Zeit tritt auch das mentale Vermögen alter Menschen in den Horizont der Selbstverwirklichungsaufgabe. Die neurowissenschaftlichen Erkenntnisse über das plastische, mithin entwicklungs- und kompensationsfähige Gehirn werden in Präventionsempfehlungen und Interventionsangebote („Gehirn-Jogging“) umgesetzt. Der Imperativ der Selbstverwirklichung im Alter erweitert sich um die Forderung nach der aktiven Sorge für das eigene mentale Vermögen und deren neurobiologische Grundlage. In der Wechselbeziehung gesellschaftlicher Produktivitäts- und Selbstverwirklichungserwartungen mit den Popularisierungen wissenschaftlicher Diskurse über Krankheitsprävention, ‚lebenslanges Lernen‘, ‚erfolgreiches Altern‘ und die Plastizität des Gehirns verändern sich die sozial wirksamen Konzepte der Altersindividualität und ihrer Gestaltungsräume.
Das Netzwerk nimmt die Veränderungen der ‚Alternsaufgabe‘ durch die genannten Diskurse interdisziplinär in den Blick. Der individualisierungstheoretische Rahmen erlaubt, verschiedene Stränge naturwissenschaftlich-medizinischer sowie sozial- und kulturwissenschaftlicher Alternsforschung in innovativer Weise aufeinander zu beziehen und den Einfluss wissenschaftlicher Altersdiskurse und ihrer Popularisierungen auf die Lebenswelt alternder Menschen selbst zu reflektieren.
Schweres Leiden, Perspektivlosigkeit und Endgültigkeit einer infausten Prognose können Menschen so verzweifeln lassen, dass sie den Wunsch hegen, ihrem Leben selbst und vorzeitig ein Ende zu setzen. Die gesellschaftlich im In- und Ausland geführte Diskussion um „Sterbehilfe“ befasst sich mit vielfältigen Aspekten und Fragen, ob und ggf. in welchen Formen Sterbehilfe gesetzlich zugelassen sein sollte oder aus welchen Gründen diese abzulehnen ist. In Deutschland fokussiert sich die gesellschaftliche und politische Diskussion vor allem auf die Suizidassistenz und die Frage, in welchen Fällen und durch welche Personen sie gesetzlich zu untersagen oder zu erlauben ist. In diesem Forschungsschwerpunkt zur Sterbehilfe geht es um eine Reflektion des rechtlichen Rahmens für Individuen und Institutionen. Rechtliche Freiheit kann in diesem Zusammenhang zugleich rechtliche Schutzlosigkeit bedeuten. Zentrale Bezugspunkte wie Menschenwürde, Selbstbestimmung, Rolle der Ärzteschaft sowie Formen der Unterstützung zum Leben sind interdisziplinär zu verhandeln.


Stand der Forschung


Ausgangshypothesen und Ziele


Arbeitsprogramm

 

Die letzte Sitzung des Forschungsnetzwerkes ist erweitert zu einer großen öffentlichen Tagung: Altern als Aufgabe, 7.-9. März 2018, Heidelberg.


Verantwortlich

  • PD Dr. Thorsten Moos, FEST, Heidelberg
  • PD Dr. Magnus Schlette, FEST, Heidelberg
  • Dr. Saskia Nagel, Universität Twente, Enschede, Niederlande


Fördergeber

Deutsche Forschungsgemeinschaft


Mitglieder des wissenschaftlichen Netzwerks


Publikationen


Berichte

Moos, Thorsten/Schlette, Magnus/Nagel, Saskia (2015): „Altern als Selbstverwirklichung“, in: FEST-Jahresbericht 2014, 55.
Moos, Thorsten/Schlette, Magnus/Nagel, Saskia (2014): „Altern als Selbstverwirklichung“, in: FEST-Jahresbericht 2013, 59.

Seelsorge und Ethik

Seelsorge und Ethik

Zunehmend setzen sich Klinikseelsorgende in Einzelgesprächen, im Ethikkonsil und Ethikkomitee mit medizinethischen Fragen auseinander. So belasten Therapieentscheidungen – wie beispielsweise die Frage, ob eine Person künstlich ernährt werden soll oder nicht – das Gewissen von Patientinnen und Patienten, Angehörigen, Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen. Seelsorgende werden in diesen Situationen zum einen mit der Erwartung konfrontiert, die Menschen mitfühlend und unterstützend zu begleitend. Zum anderen gelten sie als Expertinnen und Experten für das Normative und brauchen hierfür ethische Kompetenz.

In diesem Zusammenhang verfolgt die Studie zwei Ziele. Erstens nimmt sie aus interdisziplinärer Perspektive heraus eine empirische Beschreibung und Analyse der unten genannten folgender Leitfragen vor. Zweitens werden auf Grundlage der empirischen Forschung ein Modul sowie Materialien für die Seelsorgeausbildung erarbeitet, mit dessen Hilfe die ethische Kompetenz vermittelt wird.


Fragestellungen

  • Wie sind Seelsorgerinnen und Seelsorger in der Klinik mit Ethik konfrontiert?
  • Wie gehen sie mit ethischen Problemen um
  • Welche Spannungen treten dabei auf?
  • Welche ethische Kompetenz brauchen Seelsorgende im Berufsleben?


Ziele

  • Empirische Beschreibung und Analyse der Wahrnehmung von ethischen Fragen durch Seelsorgende sowie ihrer Praktiken
  • Entwicklung eines Ausbildungskonzepts für Seelsorgende sowie Materialien zur Ausbildung


Verantwortlich

  • PD Dr. Thorsten Moos, FEST
  • Simone Ehm, Evangelische Akademie Berlin
  • Dr. Fabian Kliesch, Universität Heidelberg
  • Dr. Julia Thiesbonenkamp-Maag, FEST


Kooperation

Kooperation mit Ausbildungsstätten (Seelsorgeseminar Halle); Evangelische Akademie zu Berlin.

 

Arbeitsformen

  • Explorative Interviews mit Seelsorgenden
  • Feldforschung zur Seelsorge in Kliniken (ethnologisch und theologisch)
  • Workshops mit Expertinnen und Experten
  • Erstellung und Erprobung von Modulen für die Klinische Seelsorgeausbildung (KSA)


Fördergeber

Das Projekt wird ermöglicht durch eine großzügige Förderung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).


Publikationen

Moos, Thorsten/ Ehm, Simone/ Kliesch, Fabian/ Thiesbonenkamp-Maag, Julia (2016): Ethik in der Klinikseelsorge. Empirie, Theologie, Ausbildung. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Moos, Thorsten (2014): „Ethik und Seelsorge. Erkundungen an den Bruchlinien des theologischen Fächerkanons. Festvortrag zum Dies Academicus“, in: Förderverein der theologischen Fakultät (Hg.), Jahresheft der Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg 9 (2013/14), 23–37.


Berichte

Moos, Thorsten (2015): „Ethik und Seelsorge“, in: FEST-Jahresbericht 2014, 14.
Moos, Thorsten/Kliesch, Fabian/Tiesbonenkamp-Maag, Julia (2014): „Ethik und Seelsorge“, in: FEST-Jahresbericht 2013, 16−17.
Thiesbonenkamp-Maag, Julia (2014): „Ethik in der Klinikseelsorge: Herausforderungen für Wissenschaft, Berufsalltag und Ausbildung“, in: FEST-Newsletter Juni 2014, 3.
Moos, Thorsten (2011): „Ethik und Seelsorge“, in: FEST-Newsletter Dezember 2011, 3.

Gesundheitsfürsorge zwischen Markt und Staat im Lichte christlicher Sozialethik

Gesundheitsfürsorge zwischen Markt und Staat im Lichte christlicher Sozialethik

Arbeitsgruppe (2011–2014)

Das persönliche Wohlergehen ist in erster Linie von der physischen und psychischen Gesundheit abhängig. Die individuelle Gesundheit ist darüber hinaus vielfach für die Akzeptanz des Einzelnen in der Gesellschaft und damit die ihm gesellschaftlich offen stehenden Entfaltungsmöglichkeiten wichtig. Auch aus der Sicht des Staates hat die Gesundheit eine zentrale Bedeutung, basiert doch unsere individualisierte Leistungsgesellschaft vielerorts auf ihren „gesunden“ und damit leistungsfähigen Bürgern. Es profitiert also nicht nur der Einzelne von seiner Gesundheit, sondern auch die Gesellschaft von der Gesundheit ihrer Mitglieder. Trotz oder gerade wegen dieser Verwobenheit von individueller Gesundheit und Gesellschaft muss gefragt werden, wer eigentlich für wen und in welchem Maße verantwortlich ist.


Fragestellungen

  • Wie verläuft für den Gesundheitsdiskurs die Abgrenzung zwischen individueller Eigenverantwortung und staatlicher Fürsorgepflicht im Gewährleistungsstaat unter dem besonderen Blickwinkel einer christlichen Sozialethik?
  • Inwieweit steht der Staat für die Gesundheit seiner Bürger in der Pflicht?
  • Ist der Einzelne nur für sich verantwortlich oder solidarisch auch für die Gesellschaft?


Ziel

Besseres Verständnis der Rolle der individuellen Gesundheit in der Gesellschaft, insbesondere im Hinblick auf den Umbruch vom weit reichenden „erfüllungsverantwortlichen“ Wohlfahrtsstaat hin zu einem „Gewährleistungsstaat“.


Verantwortlich

  • Dr. Katarina Weilert


Mitglieder 

  • Dr. A. Katarina Weilert, FEST Heidelberg (Federführung)
  • Prof. Dr. Steffen Augsberg, Universität Saarbrücken, Lehrstuhl für Öffentliches Recht
  • Prof. Dr. Sabine Bohnet-Joschko, Universität Witten/Herdecke Walcker-Stiftungsprofessur für Management und Innovation im Gesundheitswesen
  • Dr. Andrea Dörries, Zentrum für Gesundheitsethik (ZfG) an der Evangelischen Akademie Loccum
  • Prof. Dr. Ulrich Eibach, Bonn, Systematische Theologie und Ethik
  • Prof. Dr. Johannes Eurich, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Diakoniewissenschaftliches Institut
  • Prof. Dr. Karl Gabriel, Münster, Christliche Sozialwissenschaft
  • Prof. Dr. Andreas Kruse, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Institut für Gerontologie
  • Prof. Dr. Wolfgang Lienemann, Bern, Theologie
  • Dr. Claus-Dieter Middel, Bundesärztekammer Berlin, Dezernat VI (Wissenschaft und Forschung)
  • Prof. Dr. Josef Neumann, Freiburg, Kinderheilkunde
  • Dr. Boris Pfeiffer, Merck Serono GmbH Darmstadt, Head R&D, Medical Affairs
  • Prof. Dr. Stephan Rixen, Universität Bayreuth, Lehrstuhl für Öffentliches Recht I
  • Dr. Markus Rothhaar, Fernuniversität Hagen, Institut für Philosophie
  • Prof. Dr. Bettina Schmidt, Evangelische Fachhochschule Rheinland-Westfahlen-Lippe Bochum, Fachbereich Soziale Arbeit
  • Prof. Dr. Johannes Siegrist, Universitätsklinikum Düsseldorf, Institut für Medizinische Soziologie
  • Dr. Mirjam Thanner, Universität Bayreuth, Institut für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften
  • Prof. Dr. Fritz von Weizsäcker, Schlosspark-Klinik Berlin, Innere Medizin und Gastroenterologie


Arbeitsformen

Konsultationen:

  • Konsultation „Der Staat und die Gesundheitsfürsorge – eine interdisziplinäre Bestandsaufnahme“, 27./28. Mai 2011, FEST Heidelberg
  • Konsultation „Das Maß an Eigenverantwortung für die individuelle Gesundheit“, 2./3. Dezember 2011, FEST Heidelberg
  • Konsultation „Gesundheit und Gerechtigkeit. Gerechtigkeit zwischen Eigenverantwortung und Solidarität“, 20./21. April 2012, FEST Heidelberg
  • Konsultation „Die Gesetze des Marktes in der Gesundheitsfürsorge. Ökonomische Notwendigkeiten und ethischer Anspruch“, 16./17. November 2012, FEST Heidelberg
  • Konsultation, Wird das Gesundheitssystem im Gewährleistungsstaat der Bedeutung des Guts Gesundheit gerecht?, 1./2. März 2013, FEST Heidelberg
  • Konsultation Gesundheitsfürsorge zwischen staatlicher Erziehung und staatlichem Rückzug, 7./8. Februar 2014, FEST Heidelberg


Publikationen

  1. Katarina Weilert (Hg.) (2015): Gesundheitsverantwortung zwischen Markt und Staat. Interdisziplinäre Zugänge, Baden-Baden: Nomos.


Berichte

Weilert, Katarina (2015): „Gesundheitsfürsorge“, in: FEST-Jahresbericht 2014, 20−21.
Weilert, Katarina (2014): „Gesundheitsfürsorge“, in: FEST-Jahresbericht 2013, 14.

Ethik im Labor

Ethik im Labor

Aspekte einer professionellen Ethik in den Lebenswissenschaften
Ethische Fragen im Umfeld der Naturwissenschaften haben in den vergangenen Jahren immer wieder zu intensiven gesellschaftlichen Debatten geführt. Insbesondere hinsichtlich der Forschung am Menschen sind ethische Abwägungen unabdingbar. Anders als in der Medizin gibt es in den Lebenswissenschaften jedoch keine professionell verankerte Kompetenz ethischer Reflexion. Das Projekt untersucht, wie die Gelegenheit zu ethischer Reflexion und die Entwicklung entsprechender Kompetenzen in der Ausbildung und im professionellen Alltag von Lebenswissenschaftlern/-innen implementiert werden könnte.

Fragestellungen 

  • An welchen Orten haben LebenswissenschaftlerInnen Berührung mit ethischen Fragestellungen?
  • Mit welchen gesellschaftlichen Erwartungen hinsichtlich ethischer Reflexion sehen sich LebenswissenschaftlerInnen konfrontiert?
  • Welche ethischen Kompetenzen brauchen LebenswissenschafterInnen?
  • Welche Chancen und Grenzen hat eine Professionsethik in den Lebenswissenschaften?
  • Wie sollten konkrete Ausbildungsmodule bzw. Programmbausteine eines „Ethik im Labor“-Programms gestaltet sein?
  • Welche Beziehungen bestehen zwischen Ethik und Religion hinsichtlich einer möglichen Professionsethik der Lebenswissenschaften?


Ziel

Grundlagenforschung sowie Entwicklung von Ausbildungsmodulen.


Verantwortlich

  • PD Dr. Thorsten Moos


Arbeitsformen

  •  Ethikveranstaltungen in Ausbildungsgängen
  •  Fachgespräche zum Thema
  •  Einzelforschung
  •  Exemplarische Umsetzung der ausgearbeiteten Module


Publikationen

In Planung


Berichte
Moos, Thorsten (2014): „Ethik im Labor“, in: FEST-Jahresbericht 2013, 12.