TNW-Biodiversität als kulturelles Konzept

Biodiversität als kulturelles Konzept

Seit Verabschiedung des „Übereinkommens über die biologische Vielfalt“ (CBD) ist Biodiversität zu einem zentralen Thema in nationalen und internationalen gesellschaftlichen und politischen Debatten, in biologischen Fachwissenschaften und in der Umweltforschung geworden. In den Diskussionen über Biodiversität treffen nicht nur ganz unterschiedliche Interessen aufeinander, sondern auch, was oftmals unbemerkt bleibt, ganz unterschiedliche Biodiversitätsauffassungen. Es gibt, zumindest jenseits abstrakter, nicht operationalisierbarer Definitionen, nicht die Biodiversität, sondern nur eine Vielzahl konkurrierender Biodiversitätskonzepte.

Die Forschung zu Biodiversität am Arbeitsbereich III der FEST thematisiert die für Biodiversitätsauffassungen konstitutiven – aber zumeist implizit bleibenden und bisher auch in der umfangreichen theoretischen Literatur zu Biodiversität nur wenig untersuchten – Konzepte von Diversität und Kriterien für die Relevanz und Irrelevanz von Unterschieden zwischen biologischen Entitäten. Dabei legen wird als heuristische Hypothese zugrunde, dass diese Konzepte und Kriterien in kulturellen Deutungsmustern, Idealen, Interessen, Praktiken usw. gründen – und nicht etwa biologischen Tatsachen entnommen sind. In diesem Sinne begreifen wir Biodiversität als kulturelles Phänomen und Konzept, in dem empirisch-deskriptive und praktisch-präskriptive Aspekte inhärent miteinander verbunden sind.

Unsere Forschungen zu Biodiversität fokussieren derzeit auf vier Aspekte:

  1. Das kulturell geprägte Spektrum der
    Bedeutungen von Diversität
  2. Biodiversität als Funktionsträger versus
    Biodiversität als Bedeutungsträger
  3. Konzepte von Biodiversität auf der über-
    artlichen Ebene der Biozönosen bzw.
    ökologischen Gesellschaften
  4. Beurteilungen von Neobiota bzw. von sogenannten biologischen Invasionen

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Projekte zur Thematik

Vortrag „Landscape and Biodiversity“

von Thomas Kirchhoff, 1st International BION-Conference „Biodiversity Today for Tomorrow“,  Wissenschaftszentrum Bonn, 17.-19.09.2014.

 

Workshop „Wünschenswerte Vielheit. Diversität als Kategorie, Befund und Norm“

Auf dem Workshop, der am 11./12. Oktober 2013 an der FEST stattfand, wurden begriffs- und ideengeschichtliche Hintergründe der aktuellen Konzepte von Biodiversität herausgearbeitet. Ausgangspunkt war dabei die Annahme, dass die Analyse einschlägiger und für die Thematik zentraler philosophischer Programme – nämlich der von Aristoteles, Kant, Leibniz, Bergson und Whitehead – einen ersten Ansatz zu Explizierung dieser Hintergründe liefert. In den Vorträgen wurde jeweils eine auf das philosophische (Kategorien-)System gerichtete Analyse kombiniert mit einer Untersuchung, die auf die biologische Befundlage gerichtet war, die für den jeweiligen Denker bzw. dessen Philosophie relevant war.
Der Workshop wurde durch die Fritz Thyssen Stiftung finanziert und von Dr. Thomas Kirchhoff (FEST) sowie Prof. Dr. Dr. Kristian Köchy (Universität Kassel, Institut für Philosophie) organisiert wurde.

Publikationen zur Thematik

Kirchhoff, Thomas (2015): "Inquiry into congruencies and trade-offs among conservation objectives requires a consistent typology of homogeneous types", in: PNAS / Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America 112 (44), E5905.

Kirchhoff, Thomas (2014): "Community-level biodiversity: An inquiry into the ecological and cultural background and practical consequences of opposing concepts", in: Lanzerath, Dirk/ Friele, Minou (eds.): Concepts and values in biodiversity. London: Routledge, 99-119.

Kirchhoff, Thomas (2014): "Müssen wir die historisch entstandenen Ökosysteme erhalten? Antworten aus nutzwert- und eigenwertorientierter Perspektive", in: Hartung, Gerald/ Kirchhoff, Thomas (Hg.): Welche Natur brauchen wir? Analyse einer anthropologischen Grundproblematik des 21. Jahrhunderts. Freiburg: Alber, 223-247.

Kirchhoff, Thomas (2013): "Hidden values in competing concepts of community-level biodiversity", in: Friedrich, Jan/ Halsband, Aurélie/ Minkmar, Lisa (Hg.): Biodiversität und Gesellschaft. Gesellschaftliche Dimensionen von Schutz und Nutzung biologischer Vielfalt/ Biodiversity and Society. Societal dimensions of the conservation and utilization of biological diversity. Göttingen: Universitätsverlag Göttingen, 75-89. [Download pdf].

Kirchhoff, Thomas (2012): "Diversität als Vielfalt oder als Pluralität. Über konkurrierende Diversitätskonzepte in christlicher Kosmologie, Ökologie und Biodiversitätsdiskursen", in: Vogelsang, Frank/ Meisinger, Hubert/ Moos, Thorsten (Hg.): Gibt es eine Ordnung des Universums? Der Kosmos zwischen Messung, Anschauung und religiöser Deutung. Bonn: Evangelische Akademie im Rheinland, 147-168.

Kirchhoff, Thomas (2011): "Do judge species on their origins – but only with regard to symbolic value [Comment on: Davis M. A. et al. (2011): Don’t judge species on their origins. Nature 474: 153–154.] ", in: Public forum of Nature Comment #25258 (posted 2011-07-15). External link to the Comment.

Kirchhoff, Thomas (2010): "Biodiversity, biodisparity, and bioequivalence", in: Ecology and Society 15 (4), r2 [online] http://www.ecologyandsociety.org/vol15/iss4/resp2/.

Kirchhoff, Thomas/ Haider, Sylvia (2009): "Globale Vielzahl oder lokale Vielfalt: zur kulturellen Ambivalenz von 'Biodiversität'", in: Kirchhoff, Thomas/ Trepl, Ludwig (Hg.): Vieldeutige Natur. Landschaft, Wildnis und Ökosystem als kulturgeschichtliche Phänomene. Bielefeld: transcript, 315–330.

Kirchhoff, Thomas/ Trepl, Ludwig (2001): "Vom Wert der Biodiversität. Über konkurrierende politische Theorien in der Diskussion um Biodiversität", in: Zeitschrift für angewandte Umweltforschung S13, 27–44.

TNW-AK „Demokratie als Denk- und Lebensform“

AK „Demokratie als Denk- und Lebensform“

Der Arbeitskreis Demokratie ist im deutschsprachigen Pragmatismus-Netzwerk gerprag.net, dessen Gründungsmitglied er ist, aufgegangen.

  • Idee
    Eine Zusammenarbeit und Vernetzung der deutschsprachigen Pragmatisten hat bislang kaum stattgefunden. Die Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft in Heidelberg (FEST) und das Forschungsinstitut für Philosophie (fiph) haben einen interdisziplinären Arbeitskreis zum Thema „Demokratie als Denk- und Lebensform. Einsichten des Pragmatismus“ ins Leben gerufen, der sich zum Ziel setzt, ideengeschichtliche Forschung zum Pragmatismus mit pragmatistischer Forschung zu zentralen gesellschaftlichen Gegenwartsfragen in einem breiten disziplinären Spektrum der Perspektiven von der Anthropologie über die Ästhetik und Religionstheorie bis zur Sozial- und Demokratietheorie miteinander zu verknüpfen und die Forschungsaktivitäten sukzessiv zu vernetzen.
  • Thematische Zielsetzung
    Das Thema „Demokratie als Denk- und Lebensform. Einsichten des Pragmatismus“ birgt eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten für die Pragmatismusforschung, auch über die Philosophie hinaus. Es erfordert zugleich den Bezug zu den Klassikern, reicht aber systematisch über ihn hinaus. Zweierlei ist in ihm impliziert: dass a) der klassische Pragmatismus eine philosophische, durchaus auch weltanschauliche Reflexionsgestalt des menschlichen Selbst- und Weltverhältnisses ist, die mit guten Gründen als demokratisch bezeichnet werden kann, sowie b), dass dem Pragmatismus auch geltungslogisch demokratietheoretische Anstöße entnommen werden können.
    Mit dem Begriff der ‚Lebensform‘ soll deutlich gemacht werden, dass diese Anstöße sich nicht auf das klassische Metier der Politik beschränken. Es wäre herauszuarbeiten, was vorstaatliche und vorpolitische Bestimmungsfaktoren für die Ausbildung der Grammatik einer demokratischen Lebensform, d.h. einer der Demokratie als politischer Herrschaftsform förderlichen Lebensform sind. Pragmatisten denken über Erfahrung und Wissen, über Ontogenese und Bildung, Schönheit und Kunst, Religion, Natur und Freiheit in einer Weise nach, als seien diese Begriffe immer im Blick auf die stillschweigende Frage bestimmt worden, wie sie beschaffen sein müssten, damit das durch sie Bezeichnete in einem sozialen Gemeinwesen einen Ort hat, das in einer zwangsläufig noch zu konkretisierenden Weise als demokratisch charakterisiert werden mag.
  • Koordination
    Dr. Ana Honnacker (fiph Hannover)
    PD Dr. Magnus Schlette (FEST Heidelberg
  • Mitglieder
    Dr. Roberto Frega
    Centre d’étude des mouvements sociaux – Institut Marcel Mauss

    Prof. Dr. Michael Hampe
    ETH Zürich

    Prof. Dr. Andreas Hetzel
    Institut für Philosophie, Universität Hildesheim

    Prof. Dr. Dirk Jörke
    Technische Universität Darmstadt, Institut für Politikwissenschaft

    Forschungsschwerpunkte: Demokratietheorie, politisches Denken des späten 18. Jahrhunderts, Pragmatismus

    Prof. Dr. Matthias Jung
    Universität Koblenz/Landau

    Prof. Dr. Gesche Linde
    Universität Rostock, Theologische Fakultät, Lehrstuhl für Systematische Theologie und Religionsphilosophie

    Forschungsschwerpunkte: klassischer amerikanischer Pragmatismus, insbesondere C.S. Peirce, Semiotik, Religionstheorien des Pragmatismus

    PD Dr. Jasper Liptow
    Universität Frankfurt

    Dr. Ana Honnacker
    Wissenschaftliche Assistentin, Forschungsinstitut für Philosophie Hannover

    Forschungsschwerpunkte: Demokratietheorie, Religionsphilosophie, Pragmatismus, insbesondere William James und F.C.S. Schiller

    Prof. Dr. Helmut Pape
    Universität Bamberg

    Prof. Dr. Christian Polke
    Universität Göttingen, Theologische Fakultät, Lehrstuhl für Ethik im Rahmen der Systematischen Theologie

    Forschungsschwerpunkte: Religions- und Sozialphilosophie des amerikanischen Pragmatismus  (Dewey, James, Royce), Politische Ethik, Rechtsethik in komparativer Hinsicht

    Dr. Heidi Salaverría
    freie Dozentin, Autorin und Kulturschaffende, seit 2015 Leitungsteam des internationalen Kunst- und Theorieprojekts Hyper Cultural Passengers

    Forschungsschwerpunkte: Pragmatismus, Ästhetik, Kulturtheorie, Poststrukturalismus, Sozialphilosophie, Feminismus

    PD Dr. Magnus Schlette
    FEST Heidelberg

    Dr. Stephan Steiner
    Referent für Philosophie, Katholische Akademie in Berlin

    Forschungsschwerpunkte: Religionsphilosophie, Naturphilosophie, Politische Philosophie, Philosophiegeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts

    PD Dr. Katrin Wille
    Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Philosophie der Universität Hildesheim / Privatdozentin an der Friedrich-Schiller Universität Jena

    Forschungsschwerpunkte: Kritik philosophischer Unterscheidungen, spekulativer Unterscheidungsgebrauch bei Hegel, Feminismus, Pragmatismus, insbesondere Deweys Handlungstheorie, pragmatistisches Kontinuitätsdenken, pragmatistische Ethik

TNW-Themenfeld Religion

Themenfeld Religion

Viele westliche Gesellschaften verzeichnen Entwicklungen, die mit den Stichworten der Säkularisierung und der religiösen Individualisierung benannt werden. Unsere Arbeit im Themenfeld befasst sich mit Aspekten dieser Entwicklungen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung des Wandels von Weltbildern und Habitusfirmationen im Konflikt zwischen religiösen und säkularen „Optionen“ der Lebensführung. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Auseinandersetzung mit der begrifflichen Voraussetzungen, unter denen ein Perspektivenpluralismus der Deutung menschlicher Lebenswirklichkeit theoretisch fundiert werden kann.

 

Aktuelle Forschungsprojekte

  • AG „Comprehensive Worldviews“: Begriff und Struktur von „Weltanschauungen“
  • AG Struktur und Dynamik von Sakralisierung
  • Anthologie: „Dialog Theologie – Naturwissenschaften“
  • Monographie: Jürgen Hübner: Kosmologie, Kirchenbau und Eschatologie

Abgeschlossene Forschungsprojekte

TNW-Nature

Nature

Modern societies allow for a myriad of different understandings of nature. The Nature research group looks at their terminological content, the cultural conditions in which they arose, and the normative and pragmatic guidance they give. One emphasis of our work is to engage with the current nature-philosophical and ecological issues. Another is to analyse how the concept of nature is used by the public at large for political, economic, aesthetic, religious or ethical purposes.
The aim of our research is to reconstruct social patterns of interpreting human relationships with nature, and to promote debates on protecting nature, the landscape and the environment, on the preservation of biodiversity and on ecological sustainability.

TNW-Themenfeld Natur

Themenfeld Natur

In modernen Gesellschaften existiert eine Vielzahl von Naturauffassungen. Die Arbeit im Themenfeld „Natur“ untersucht den begrifflichen Gehalt, die kulturellen Entstehungsbedingungen sowie die normativen und pragmatischen Orientierungsleistungen dieser Naturauffassungen.
Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt einerseits auf der Auseinandersetzung mit dem aktuellen naturphilosophischen und ökologischen Diskurs, andererseits auf der Analyse, wie der Naturbegriff öffentlich im Rahmen der Verfolgung politischer, ökonomischer, ästhetischer, religiöser oder ethischer Zwecke verwendet wird.
Ziel der Arbeit ist es, soziale Deutungsmuster des menschlichen Naturverhältnisses zu rekonstruieren sowie reflektierte Debatten über Natur-, Landschafts- und Umweltschutz, über die Erhaltung von Biodiversität und über ökologische Nachhaltigkeit zu fördern.


Aktuelle Forschungsprojekte


Abgeschlossene Forschungsprojekte

TNW-Natürliche Künstlichkeit

„Natürliche Künstlichkeit“

Im Arbeitsbereich „Theologie und Naturwissenschaft“ wird in Überschneidung der Themenfelder Mensch und Natur in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Theoretische Philosophie der Universität Kassel ein Kooperationsprojekt zum Thema „Natürliche Künstlichkeit“ bearbeitet. Es ist das Ziel des Forschungsprojekts, das von PD Dr. Thomas Kirchhoff und PD Dr. Magnus Schlette (beide FEST) sowie Prof. Dr. Dr. Kristian Köchy und Dr. Francesca Michelini (beide Universität Kassel) konzipiert und durchgeführt wird, mit Blick auf die gegenwärtigen Diskurse um radikale Formen technologischer menschlicher Selbst- und Welttransformation das Deutungspotential der Philosophischen Anthropologie als einer der zentralen philosophischen Schulbildungen des 20. Jahrhunderts zu erproben und damit zugleich zu deren Aktualisierung beizutragen.

Den Ausgangspunkt des Forschungsprojektes bildet eine ideengeschichtliche Erinnerung, geltungslogische Rekonstruktion und problemorientierte Aktualisierung des Plessnerschen Theorieprogramms im Kontext der Philosophischen Anthropologie – und zwar unter besonderer Berücksichtigung des Theorems „natürlicher Künstlichkeit“, das Plessner im Rahmen seines Strukturmodells der „exzentrischen Positionalität“ als einen für Menschen charakteristischen Modus der Grenzrealisierung bestimmt. Die Aktualität dieses Theorems besteht in dem Versprechen eines philosophischen Ansatzes zur Entwicklung eines modernen Menschenbildes, das den Erkenntnissen und Anwendungsszenarien der sich zeitgleich etablierenden Lebenswissenschaften (bis heute) standhält und dabei gleichermaßen eine dualistische wie eine monistische Deutung, sei sie idealistischer oder naturalistischer Prägung, vermeidet.

Als besonders aufschlussreich für eine philosophische Reflexion der Dynamik und Transformationsschübe, denen die Auffassung und Gestaltung der menschlichen Lebensform und ihrer Umwelt in der Gegenwart durch die Innovationen der KI-Forschung und Robotik, der Biotechnologien und Ingenieurswissenschaften ausgesetzt sind, erweisen sich Plessners Strukturmodell exzentrischer Positionalität und sein Theorem natürlicher Künstlichkeit, weil sie die Dynamik nicht stillstellbarer „Stabilisierungsnotwendigkeiten und ‑chancen zu einem zentralen Motiv der Anthropologie“ (K.-S. Rehberg) ausarbeiten. Plessners Analyse der exzentrischen Positionalität sowie seine Überlegungen zu den sowohl ‚inneren’ als auch ‚äußeren’, hergestellten, künstlichen Welten sind anschlussfähig an die gegenwärtigen Diskurse sowohl über das sog. ‚Enhancement’ unserer menschlichen Natur als auch über das mit dem Postulat des sog. „Anthropozäns“ behauptete Herrschaftspotenzial über die ‚äußere’ Natur. Deshalb kann mit und ausgehend von Plessner unsere Forschungshypothese überprüft und entwickelt werden, dass eine Wechselbeziehung und sogar innere Verwandtschaft zwischen Selbst- und Welttransformation besteht. Zugleich verspricht Plessners Überlegung einer gleichzeitigen Verschmelzung wie bleibenden Gegenstellung von Natürlichkeit und Künstlichkeit eine differenzierte Analysekraft für komplexe und ambivalente Befundlagen.


Aktuelles Teilprojekt

„’Natürliche Künstlichkeit’. Erschließung des Deutungspotentials der Philosophischen Anthropologie für die aktuellen Diskurse um radikale Formen technologischer menschlicher Selbst- und Welttransformation“

Projektorganisatoren

PD Dr. Thomas Kirchhoff (FEST)

Prof. Dr. Kristian Köchy (U Kassel)

Dr. Francesca Michelini (U Kassel)

PD Dr. Magnus Schlette (FEST)

TNW-Strukturwandel des Alterns

Strukturwandel des Alterns

„Altern“ ist ein dichtes Konzept, indem Deskriptives und Normatives, Somatisches und Soziales, Diskursives und Institutionalisiertes auf das Engste ineinander greifen. Das Altern ist gleichermaßen Gegenstand von Hoffnungen, Ängsten und Wünschen wie von politischen Regulierungen und sozialen Vorgaben, die sich in imperativen Zielformulierungen für Alternde niederschlagen. „Bleib gesund!“ – „Steigere dich!“ – „Bring dich ein!“ – „Werde du selbst!“: Ohne dass sie immer formuliert werden müssen, stellen solche Imperative eine geläufige, selten problematisierte Hintergrundplausibilitäten  des Alterns dar; sie prägen gesellschaftliche Diskurse, Selbstwahrnehmungen und Alltagspraktiken und sie materialisieren  sich in Prämissen der Sozial-, Gesundheits- und Demographie-Politik. Altern ist sowohl eine existentielle, hochgradig diverse Herasuforderung für jede einzelne Person als auch eine gesellschaftliche Aufgabe, die kaum reicher an Kontroversen sein könnte. Wie in einem Brennglas deckt die Thematisierung des Alterns die Ambivalenzen und Grenzen auf, innerhalb derer die spätmoderne Gesellschaft die Maße des Menschlichen verhandelt.

 

Aktuelle Teilprojekte

TNW-Anthropologie der Wahrnehmung

Anthropologie der Wahrnehmung

Eine Antwort auf die anthropologische Grundfrage, was der Mensch sei, liegt heute zugleich näher und ferner denn je: Einserseit kann sie auf einen immensen Bestand wissenschaftlicher Forschungsergebnisse über die natürlichen und kulturellen Konstitutionsbedingungen menschlicher Existenz zurückgreifen. Andererseits verlangt sie nach Forschungsansätzen, die in der Lage sind, das zugleich spezialisierte und fragmentierte Wissen über den Menschen begrifflich in eine Gesamtperspektive zu integrieren. Die Anthropologie der Wahrnehmung setzt sich zum Ziel, die Möglichkeit einer methodisch geleiteten Integration spezialisierten Fachwissens über den Menschen an dem exemplarischen Gegenstand der menschenlichen Sinneswahrnehmung zu untersuchen. Ihre Erschließung bezieht alle lebens- und erfahrungswissenschaftlich einschlägigen Disziplinen von der Neurophysiologie über die Evolutionsbiologie, Ethnologie und historische Anthropologie bis zur Ästhetik mit ein. Die Aufgabe eine Anthropologie der Wahrnehmung ist es, zu verstehen, dass und wie das In-Der-Welt-Sein des Menschen durch die Wahrnehmung konstituiert wird. Grundlegend dafür ist die Anerkennung der Wahrnehmung als ein Ereignis, in dem  sich die Verschränkung von Leib, Geist und Welt verkörpert.

 

Aktuelle Teilprojekte:

 

Abgeschlossene Teilprojekte:

 

Publikationen
Magnus Schlette, „Kann man ’schreckliche‘ menschliche Leidenschaften sehen? Der Ausdruck der Wahrnehmung und die anthropologische Aussagekraft der Kunst“, in: G.Etzelmüller, Th. Fuchs, Kirchner, A.-M.,  Chr. Tewes (Hg.), Verkörperung. Eine neue interdisziplinäre Anthropologie, de Gruyter: BeAGrlin (im Erscheinen).

Magnus Schlette, Thomas Fuchs (Hg.), Anthropologie der Wahrnehmung. Natur- und Geisteswissenschaften im Gespräch, Winter: Heidelberg 2017.

138. Toepfer, A. Bender, P. Bexte, J. Bonnemann, Th. Fuchs, M. Haidle, M. Jung, M. Moxter, Chr. Tewes, L. Wiesing, M. Wunsch, „Diskurs“, in: Interdisziplinäre Anthropologie, Jahrbuch 4/2016: Wahrnehmung, Springer: Wiesbaden 2016, 3 – 138.

Magnus Schlette, „Leben in Farben. Sprachkritische Vorüberlegungen zu einer Anthropologie der Wahrnehmung“, in: Th. Breyer/G. Etzelmüller/Th. Fuchs/G. Schwarzkopf/M. Welker (Hg.), Interdisziplinäre Anthropologie: Leib – Geist – Kultur, Winter: Heidelberg, 2013, 107 – 138.

Magnus Schlette, „Anthropologie der Wahrnehmung. Eine neue Arbeitsgruppe zur anthropologischen Grundlagenforschung an der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft e.V. (FEST) in Heidelberg, in: Jahrbuch für Interdisziplinäre Anthropologie 1/2013, 132 – 137.

146. Breyer/G. Etzelmüller/S. Micali/M. Schlette/G. Schwarzkopf, „Leib – Geist – Kultur. Ein Bericht über die jüngsten Forschungsinitiativen zur Interdisziplinären Anthropologie an der Universität Heidelberg“, in: Jahrbuch für Interdisziplinäre Anthropologie 1/2013, 138 – 146.

Magnus Schlette, „’Wahrnehmung’ in Nicolai Hartmanns erkenntnistheoretischem Realismus“, in: G. Hartung/C. Strube/M. Wunsch (Hg.), Von der Systemphilosophie zur systematischen Philosophie, de Gruyter: Berlin/New York 2012, 393 – 414.

TNW-Humanity

Humanity

Defining the relationship between human nature and culture in the present-day has become a popular topic for academic and social debate. What it means to be human is again a matter for public discussion. The Humanity research group concentrates on the interaction between the natural and cultural conditions of human existence, and examines socially relevant interpretations.
We emphasise the anthropological evaluation of the incorporation paradigm in the life sciences and cultural studies, and also focus on the continuing development of a methodologically differentiated anthropology, that brings out the genre-specific structural features of human life in engaging with the phenomena of alterity/otherness. The aim of our work is to bring representatives of specialist research areas into dialogue, to explore the preconditions and potential for an integrated view of what it means to be human, and to reflect critically on the ability of current anthropologies to provide guidance to society.

TNW-Themenfeld Mensch

Themenfeld Mensch

Die Verhältnisbestimmung von Natur und Kultur des Menschen ist Gegenstand aktueller wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Kontroversen. Menschenbilder werden in der Öffentlichkeit neu verhandelt. Die Arbeit im Themenfeld Mensch widmet sich dem Wechselverhältnis zwischen den natürlichen und kulturellen Bedingungen menschlicher Existenz sowie den Debatten, die darüber in der akademischen Öffentlichkeit geführt werden. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der anthropologischen Auswertung des Verkörperungsparadigmas in den Lebens- und Geisteswissenschaften sowie auf die Fortentwicklung des methodischen Ansatzes einer differentiellen Anthropologie, die gattungsspezifische Strukturmerkmale menschlichen Lebens in der Auseinandersetzung mit Phänomenen der Alterität herausarbeitet. Unsere Arbeit setzt sich zum Ziel, Vertreter hochspezialisierter Forschungsrichtungen miteinander ins Gespräch zu bringen, die Voraussetzungen und Möglichkeiten eines integrativen Gesamtbildes des Menschen zu erkunden und die soziale Orientierungsleistung kursierender Menschenbilder kritisch zu reflektieren.

 

Aktuelle Forschungsprojekte

 

Abgeschlossene Forschungsprojekte

  • Jahrbuch interdisziplinäre Anthropologie 4/2016: Wahrnehmung. Hrsg. v. Hartung, Gerald/ Herrgen, Matthias  (2017).  Wiesbaden: Springer. Entstanden aus einer FEST-Arbeitsgruppe (AG Anthropologie der Wahrnehmung). Inhaltsverzeichnis, Vorwort, Abstract
  • Anthologie Angst. Phoilosophische, psychopathologische und psychoanalytische Zugänge. Hrsg. v. Micali, Stefano/ Fuchs, Thomas (2016):  Freiburg: Alber. Inhalt, Abstract
  • Winterschool „Interrelational Selves and Individualization“ in Kooperation der FEST mit dem Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt, Max-Weber-Kolleg, 5. – 9. 1. 2016 (Link Flyer)
  • Sommerakademie „Anthropologie der Wahrnehmung“ in Kooperation der FEST mit dem Marsilius-Kolleg der Universität Heidelberg, Internationales Wissenschaftszentrum Heidelberg, 14. – 20.9. 2015 (Link Bericht)
  • AG „Anthropologie der Wahrnehmung“, FEST, Heidelberg, Januar 2014 – September 2016
  • Fachtagung „Das Phänomen Angst“, FEST, Heidelberg, 27. 2. – 1.3. 2014  (Link auf Expose und Flyer)
  • Monographie: Magnus Schlette (2013): Die Idee der Selbstverwirklichung. Zur Grammatik des modernen Individualismus. Frankfurt/M.: Campus. Weitere Informationen. Abstract.
  • Internationaler Workshop „Phänomenologie der Bilderfahrung – anhand von Werken der Sammlung Prinzhorn“, in Kooperation mit der Klinik für Allgemeine Psychiatrie der Universität Heidelberg
  • Tagung „Und wo bleibt die Seele? Die Wiederentdeckung der Einheit des Menschen“, in Kooperation mit der Evangelischen Akademie Baden und dem Zentrum für Seelsorge Heidelberg.
  • Internationale Fachtagung „Zeit und Evolution“ am Hanse-Wissenschaftskolleg