Imaginationen des Digitalen

In der Präzisierung der sozialethischen Herausforderungen des digitalen Wandels wurde 2020 die ethische Reflexion auf die Imaginationen des digitalen Wandels als Thema zur weiteren Bearbeitung verfolgt: Neue Technologien verlangen neue Narrative, Metaphern und Frames zu ihrer Vermittlung – und diese prägen und leiten zugleich unser Verständnis dieser Technologien. Sie bilden und konstruieren einen Teil sozialer Imaginationen (Charles Taylor), welche den Rahmen individueller und gesellschaftlicher Kommunikationsprozesse bilden.
 
Sehr deutlich werden diese Prozesse im Feld der Künstlichen Intelligenz: Das sprachliche Framing dieser Technologien führt zu einer Engführung der ethischen Diskussion auf die Frage des Verhältnisses von Mensch und Maschine – auch wenn diese Fragestellung technisch nicht im Vordergrund steht. Diese Prozesse zeigen, wie Technologien nicht nur technisch, sondern immer auch sprachlich konstruiert werden.
 
Nach einer Expert*innentagung im Dezember 2020 wurde das Thema 2022 in zwei Richtungen vertieft: Zum einen im Blick auf eine tragfähige ethiktheoretische Grundlegung einer imaginationssensiblen Ethik. Diese wurde von Frederike van Oorschot in verschiedenen Zusammenhängen zur Diskussion gestellt. Zum anderen wurde die Vernetzung in die KI-Forschung intensiviert: So kommt den Narrativen um KI etwa in der Wissenschaftskommunikation oder der Linguistik wachsende Bedeutung zu, während dessen ethische Dimension bislang nicht bearbeitet wird. Kontakte etwa zum Center for Rhetorical Science Communication Research on Artificial Intelligence (Tübingen/KIT), zu Wissenschaftler*innen des Karlsruhe Institute for Technology und dem Institut für Digitale Ethik (HdM Stuttgart) dienen dem Ausbau des bestehenden Projekts und seiner Einbindung in das wachsende Forschungsfeld.
 
 

Quelle: Frederike van Oorschot, Selina Fucker, UB Heidelberg

Die Publikation ist bei der UB Heidelberg open access verfügbar:
Framing KI. Narrative, Metaphern und Frames in Debatten über Künstliche Intelligenz (Volltext)
 
In gesellschaftlichen, politischen und medialen Debatten kommt „Künstliche Intelligenz“ als Heilsbringer, Erweiterung oder Bedrohung des Menschen und Ähnliches in den Blick. Diese Beschreibungen konstruieren soziale Imaginationen, welche den Rahmen individueller und gesellschaftlicher Rede über KI bilden.
Der Band verbindet Fallstudien dieser Frames, Narrative und Metaphern mit einer Reflexion der damit verbundenen ethischen Fragen unter der Aufgabe einer imaginationssensiblen Ethik. Der Band bietet somit die erste interdisziplinäre Einführung in die Imaginationen Künstlicher Intelligenz aus der Medienwissenschaft, Kommunikations­wissenschaft, Linguistik, Filmwissenschaft und Medienethik.
Ansprechpartner

Frederike van Oorschot

Leiterin des Arbeitsbereichs "Religion, Recht und Kultur" (beurlaubt)

06221 167257