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Wissenschaft in der Demokratie
Die Kirchen in Deutschland sind eingebunden in das ‚demokratische Projekt‘ der modernen westlichen Gesellschaften: der Problematisierung gesellschaftlicher Probleme auf dem Wege der möglichst inklusiven Artikulation von Bedürfnissen und Interessen individueller und kollektiver Akteure. Dabei ist insbesondere „[d]ie öffentliche Diskussion […] ein Lebenselement der Demokratie“ (Wolfgang Huber). Die Öffentlichkeit ist aber selbst zum Krisenfall der Demokratie geworden. So bildet sich – neben anderen Krisensymptomen – im Zuge der Digitalisierung der Gesellschaft und bei der Bewältigung des Klimawandels eine zunehmende Wissenschaftsskepsis in der Öffentlichkeit heraus. Daher ist es wichtig, Wissenschaft und Technik nicht nur als Instrumente der Bewältigung gesellschaftlicher Strukturprobleme zu verstehen, sondern anzuerkennen, dass ihre Anwendung selbst tiefgreifende Folgen für die vertraute Lebensweise der Bürgerinnen und Bürger hat, die sie für viele Menschen zu einer Quelle der Angst macht und ein Grund wachsenden Misstrauens gegenüber ‚der Politik‘ ist. War der Begriff der technischen Innovation semantisch lange positiv konnotiert, so wird er heute zunehmend als ambivalent verstanden. Dieser Einstellungswandel birgt für die Zukunft der digitalen und der nachhaltigen Transformation der Gesellschaft ein enormes Konfliktpotenzial. Wo sich wissenschaftlich-technisches Expertenwissen gegenüber lebensweltlichem Erfahrungswissen gesellschaftlich als problemlösungsrelevanteres Wissen nicht nur behauptet, sondern es das Erfahrungswissen auch verdrängen kann, droht es in eine expertokratische Bevormundung der Zivilgesellschaft umzuschlagen. Darum stellt sich die Frage, auf welcher theoretischen Grundlage und auf welchem Weg sich Experten- und Erfahrungswissen mit Respekt für die Unterschiedlichkeit der Perspektiven in einer verständigungsorientierten Öffentlichkeit vermitteln lässt.


