Religion in der Schule

Fachgespräch „Religion in der Schule. Zwischen individuellem Freiheitsrecht und staatlicher Neutralitätspflicht“ (11.-12. November 2016)

Quelle: Manfred Jahreis-pixelio

Projektleitung: Dr. A. Katarina Weilert, LL.M. (für die FEST) und Dr. Philipp Hildmann (für die Hanns-Seidel-Stiftung)
 
Das Fachgespräch „Religion in der Schule. Zwischen individuellem Freiheitsrecht und staatlicher Neutralitätspflicht“ fand im Rahmen des Themenkreises „Öffentliche Religion“ des Arbeitsbereiches Religion, Recht und Kultur am 11.-12. November 2016 an der FEST unter der Leitung von Dr. Katarina Weilert (FEST) und Dr. Philipp Hildmann (HSS) statt. Unter dem Begriff der „Öffentlichen Religion“ wird an der FEST in verschiedenen Projekten untersucht, wie sich Religion jenseits privater Innerlichkeit in der Gesellschaft verhält.
 
Deutschland ist kein laizistischer Staat, aber zunehmend geprägt von einem Neutralitätsverständnis, das auf der Grundlage der ‚religiösen Parität‘ fußt. Was staatliche Neutralität allerdings im Einzelnen bedeutet, ohne dass sie dabei in den Laizismus hinüber gleitet, ist sowohl in der Gesellschaft als auch unter Fachjuristen umstritten. Einer der zentralen Brennpunkte, an denen darauf bezogene Konflikte ausbrechen, ist der schulische Bereich. Nirgendwo kommt der Staat der Persönlichkeit des Einzelnen so nahe wie in der Schule. Wird Schule doch nicht nur als ein Ort der Bildung angesehen, sondern auch als ein Ort der Persönlichkeitserziehung und der Integration der heranwachsenden Generation in die Gesellschaft. In einer religiös zunehmend heterogenen Gesellschaft mit divergierenden Erziehungs- und Wertvorstellungen, die auf dem Grundpfeiler der Glaubens- und Bekenntnisfreiheit des Einzelnen als zentraler Freiheitsnorm ruht, sind Konflikte zwischen dem staatlichen Bildungs- und Erziehungsauftrag sowie Lehrern, Schülern und ihren Eltern unvermeidbar.
 
Das Fachgespräch mit Experten aus den Disziplinen Rechtswissenschaft, Theologie, Islamwissenschaft, Erziehungswissenschaften und Germanistik befasste sich mit den einzelnen Diskussionsfeldern, in denen das Verhältnis von individueller Religions- und Weltanschauungsfreiheit sowie dem staatlichen Interesse an Bildung, Erziehung und Integration durch Schule, zum Tragen kommt. In einem ersten Tagungsblock wurden das religiöse Gewissen, religiöse Vorschriften und Identität aus islamwissenschaftlicher und christlich-theologischer Perspektive betrachtet. Damit wurde ein Basisverständnis für die Kontroversen erarbeitet, die im zweiten Tagungsblock als Konflikte zwischen dem Bildungs- und Erziehungsauftrag des Staates sowie dem Erziehungsrecht der Eltern und der Religionsfreiheit der betroffenen Schüler näher betrachtet wurden. Nach einer kontroversen Diskussion des „Homeschooling“ stand in einem „Streitgespräch“ die jüngere Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts („Burkini“ und „Krabat“) zur Diskussion, die in ihrer Dogmatik bezüglich des staatlichen Bildungs- und Erziehungsauftrags und elterlichen (religiösen) Erziehungsrechts bzw. der Religionsfreiheit der betroffenen Schüler unterschiedlich interpretiert wurde. Schließlich wurde in einem dritten Tagungsblock eingehend die Neutralitätspflicht des Staates an Schulen thematisiert. Vorträge und Diskussionen widmeten sich hier der konkreten Gesetzeslage in Baden-Württemberg und des laizistischen Frankreichs, sowie einer theologischen und erziehungswissenschaftlichen Perspektive auf die Neutralität der Schule im Blick auf die Gestaltung des Unterrichts. Den Abschluss der Tagung bildete die Diskussion um das muslimische Kopftuch der Lehrerin, welches gesellschaftlich und gerichtlich unterschiedlich in seiner Relevanz für Neutralität und Schulfrieden eingeordnet wird.
 
Tagungsbericht publiziert in:
  • Weilert, Religion in der Schule. Zwischen individuellem Freiheitsrecht und staatlicher Neutralitätspflicht (Tagungsbericht), in: Kirche und Recht (KuR) 2016, S. 256-259.
Fachgespräch publiziert in: 
  • Weilert/ Hildmann (Hrsg.), Religion in der Schule ‒ Zwischen individuellem Freiheitsrecht und staatlicher Neutralitätsverpflichtung, Reihe Religion und Aufklärung, Mohr Siebeck, Tübingen 2018 (Open Access-Volltext siehe "Dateien")
  • Besprechungen in:
    • Theo-Web, 17 (2018), S. 290-292 (Martin Schreiner).
    • Internetplattform „Religion-Weltanschauung-Recht“ [RWR], Aktuell/Literatur (6/ 2018) (Georg Neureither)
    • Newsletter Menschenrechte des Österreichischen Instituts für Menschenrechte, 2018, S. 490-491 (Eduard Christian Schöpfer).
    • Zeitschrift für Evangelisches Kirchenrecht, 64 (2019), S. 100-105 (Marc Wisch­nowsky).
    •  Zeitschrift für Pädagogik und Theologie, 72 (2020), S. 110-113 (Friedrich Schweitzer).
    • Theologische Literaturzeitung, 146 (2021), S. 872-874 (Dorothee Schlenke).
Datei zum Downloaden
Ansprechpartner

Prof. Dr. iur. A. Katarina Weilert LL.M. (London)

Leiterin (kommissarisch) des Arbeitsbereichs "Religion, Recht und Kultur" & Wissenschaftliche Referentin (Rechtswissenschaft)