Gesundheitsverantwortung zwischen Markt und Staat

Quelle: Katarina Weilert
Arbeitsgruppe (2011–2014)
Leitung: PD Dr. A. Katarina Weilert
Das persönliche Wohlergehen ist in erster Linie von der physischen und psychischen Gesundheit abhängig. Die individuelle Gesundheit ist darüber hinaus vielfach für die Akzeptanz des Einzelnen in der Gesellschaft und damit die ihm gesellschaftlich offen stehenden Entfaltungsmöglichkeiten wichtig. Auch aus der Sicht des Staates hat die Gesundheit eine zentrale Bedeutung, basiert doch unsere individualisierte Leistungsgesellschaft vielerorts auf ihren „gesunden“ und damit leistungsfähigen Bürgern. Es profitiert also nicht nur der Einzelne von seiner Gesundheit, sondern auch die Gesellschaft von der Gesundheit ihrer Mitglieder. Trotz oder gerade wegen dieser Verwobenheit von individueller Gesundheit und Gesellschaft muss gefragt werden, wer eigentlich für wen und in welchem Maße verantwortlich ist.
Wissenschaftler verschiedener Disziplinen beantworten grundlegende Fragen nach der Abgrenzung staatlicher Fürsorgeverpflichtung und individueller Eigenverantwortung. Wie definieren wir Gesundheit? Wie hängen Staatsverständnis und Gesundheitswesen zusammen? Welche Vorgaben des Völkerrechts gelten? Im vorliegenden Band wird ausgelotet, wie die Gesundheitsversorgung „zwischen Markt und Staat“ konkret gestaltet ist. Verfassungsrechtliche und ökonomische Rahmenbedingungen, die Rolle der Diakonie sowie die Besonderheit des Arzt-Patienten-Verhältnisses markieren zentrale Eckpunkte für die im Anschluss diskutierten Bereiche der Solidarität, Eigenverantwortung und Verteilungsgerechtigkeit. Eigenverantwortung wird vor dem Hintergrund sozial ungleicher Gesundheitschancen im Kontext philosophischer, rechtlicher und christlich-sozialethischer Gerechtigkeitsvorstellungen reflektiert.
Die Zukunftsgestaltung des zunehmend marktwirtschaftlich organisierten Gesundheitsbereiches ist eine der großen politischen Herausforderungen der Gegenwart.
Die Zukunftsgestaltung des zunehmend marktwirtschaftlich organisierten Gesundheitsbereiches ist eine der großen politischen Herausforderungen der Gegenwart.
Fragestellungen
- Wie verläuft für den Gesundheitsdiskurs die Abgrenzung zwischen individueller Eigenverantwortung und staatlicher Fürsorgepflicht im Gewährleistungsstaat unter dem besonderen Blickwinkel einer christlichen Sozialethik?
- Inwieweit steht der Staat für die Gesundheit seiner Bürger in der Pflicht?
- Ist der Einzelne nur für sich verantwortlich oder solidarisch auch für die Gesellschaft?
Ziel
Besseres Verständnis der Rolle der individuellen Gesundheit in der Gesellschaft, insbesondere im Hinblick auf den Umbruch vom weit reichenden „erfüllungsverantwortlichen“ Wohlfahrtsstaat hin zu einem „Gewährleistungsstaat“.
Verantwortlich: Dr. Katarina Weilert
Mitglieder:
- Dr. A. Katarina Weilert, FEST Heidelberg (Federführung)
- Prof. Dr. Steffen Augsberg, Universität Saarbrücken, Lehrstuhl für Öffentliches Recht
- Prof. Dr. Sabine Bohnet-Joschko, Universität Witten/Herdecke Walcker-Stiftungsprofessur für Management und Innovation im Gesundheitswesen
- Dr. Andrea Dörries, Zentrum für Gesundheitsethik (ZfG) an der Evangelischen Akademie Loccum
- Prof. Dr. Ulrich Eibach, Bonn, Systematische Theologie und Ethik
- Prof. Dr. Johannes Eurich, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Diakoniewissenschaftliches Institut
- Prof. Dr. Karl Gabriel, Münster, Christliche Sozialwissenschaft
- Prof. Dr. Andreas Kruse, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Institut für Gerontologie
- Prof. Dr. Wolfgang Lienemann, Bern, Theologie
- Dr. Claus-Dieter Middel, Bundesärztekammer Berlin, Dezernat VI (Wissenschaft und Forschung)
- Prof. Dr. Josef Neumann, Freiburg, Kinderheilkunde
- Dr. Boris Pfeiffer, Merck Serono GmbH Darmstadt, Head R&D, Medical Affairs
- Prof. Dr. Stephan Rixen, Universität Bayreuth, Lehrstuhl für Öffentliches Recht I
- Dr. Markus Rothhaar, Fernuniversität Hagen, Institut für Philosophie
- Prof. Dr. Bettina Schmidt, Evangelische Fachhochschule Rheinland-Westfahlen-Lippe Bochum, Fachbereich Soziale Arbeit
- Prof. Dr. Johannes Siegrist, Universitätsklinikum Düsseldorf, Institut für Medizinische Soziologie
- Dr. Mirjam Thanner, Universität Bayreuth, Institut für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften
- Prof. Dr. Fritz von Weizsäcker ✝, Schlosspark-Klinik Berlin, Innere Medizin und Gastroenterologie
Arbeitsformen
Konsultationen:
- Konsultation „Der Staat und die Gesundheitsfürsorge – eine interdisziplinäre Bestandsaufnahme“, 27./28. Mai 2011, FEST Heidelberg
- Konsultation „Das Maß an Eigenverantwortung für die individuelle Gesundheit“, 2./3. Dezember 2011, FEST Heidelberg
- Konsultation „Gesundheit und Gerechtigkeit. Gerechtigkeit zwischen Eigenverantwortung und Solidarität“, 20./21. April 2012, FEST Heidelberg
- Konsultation „Die Gesetze des Marktes in der Gesundheitsfürsorge. Ökonomische Notwendigkeiten und ethischer Anspruch“, 16./17. November 2012, FEST Heidelberg
- Konsultation, Wird das Gesundheitssystem im Gewährleistungsstaat der Bedeutung des Guts Gesundheit gerecht?, 1./2. März 2013, FEST Heidelberg
- Konsultation Gesundheitsfürsorge zwischen staatlicher Erziehung und staatlichem Rückzug, 7./8. Februar 2014, FEST Heidelberg
Publikationen
- Weilert: Gewährleistungsstaat und Gesundheitsverantwortung; in: A. Katarina Weilert (Hrsg.), Gesundheitsverantwortung zwischen Markt und Staat. Interdisziplinäre Zugänge, Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2015, S. 109-122.
- Weilert: Rationalisierung, Rationierung und Priorisierung aus rechtlicher Perspektive; in: A. Katarina Weilert (Hrsg.), Gesundheitsverantwortung zwischen Markt und Staat. Interdisziplinäre Zugänge, Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2015, S. 391-407 (zusammen mit Steffen Augsberg).
- Pfitzner, Weilert: Konkurrenz im Gesundheitssystem, in: Thomas Kirchhoff (Hrsg.), Konkurrenz. Historische, strukturelle und normative Perspektiven, transcript Verlag, Bielefeld 2015, S. 313-340 (zusammen mit Julia Pfitzner).
Berichte
- Weilert, Katarina (2015): „Gesundheitsfürsorge“, in: FEST-Jahresbericht 2014, 20−21.
- Weilert, Katarina (2014): „Gesundheitsfürsorge“, in: FEST-Jahresbericht 2013, 14.