Unter Leitung von Prof. Dr. theol. Reiner Anselm, Dr. Horst Gorski und Prof. Dr. theol. Philipp Stoellger wurde im Jahr 2020 an der FEST eine neue Arbeitsgruppe aufgestellt, die sich ab dem Januar 2021 regelmäßig und intensiv, zunächst in digitalen Workshops, mit dem Thema des assistierten Suizids beschäftigt hat. Anlass zu dieser Arbeitsgruppe bot das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 26. Februar 2020, mit dem der § 217 StGB in der Fassung von 2015 aufgehoben wurde. Das Urteil stützt seine Entscheidung wesentlich auf ein bestimmtes Verständnis von Menschenwürde und der hierin verbürgten Selbstbestimmung. „Die selbstbestimmte Verfügung über das eigene Leben ist vielmehr unmittelbarer Ausdruck der der Menschenwürde innewohnenden Idee autonomer Persönlichkeitsentfaltung; sie ist, wenngleich letzter, Ausdruck von Würde.“ (Rn 211)
Seitdem ist die Debatte nicht zum Stillstand gekommen. Auf verschiedenen Ebenen besteht Handlungsbedarf. Der Bundestag ist gehalten, in dem vom Gericht gesetzten Rahmen ein „legislatives Schutzkonzept“ zum assistierten Suizid zu erarbeiten. (Vgl. Rn 338–342) Die Wohlfahrtsverbände und die Diakonie müssen sich auf dem praktischen Handlungsfeld bewegen, was zu tun ist, wenn Menschen in von ihnen getragenen Einrichtungen begleitet sterben wollen und gegebenenfalls dazu einen geschäftsmäßig tätigen Verein heranziehen. Ethiker aller philosophischer, theologischer oder weltanschaulicher Richtungen diskutieren über die dem Handeln zugrunde liegenden Normen, Werte oder Maximen.
Die FEST e.V. als eine Einrichtung der EKD zur interdisziplinären Grundlagenforschung ist der geeignete Ort, dieser Debatte nachzugehen. Gedacht ist, eine Art „Hintergrundgrammatik“ zur Sterbehilfe zu erarbeiten, nämlich in den Blick zu nehmen, wie z.B. Selbstbestimmung, Lebensschutz und Fürsorge, die sich als grammatische Formeln durch alle sozialethischen Themen ziehen, in der Debatte um die Sterbehilfe zu stehen kommen und weitergedacht werden können.
Im Jahr 2022 fand zunächst im Frühjahr eine weitere Zoom-Sitzung und nach den Corona-Restriktionen im Herbst erstmals eine Präsenzsitzung an der FEST zur Besprechung der laufenden Projekte statt. Für die Abschlusspublikation, deren Veröffentlichung für das Frühjahr 2025 geplant ist, wurden mit Prof. Dr. Saskia Wendel, Prof. Dr. Annette Daniela Haußmann und Prof. Dr. Dietrich Korsch weitere Beiträger eingeworben, die ihre Aufsatzprojekte im Sommer 2023 in der Arbeitsgruppe vorgestellt haben.
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Autonomie und Sterbehilfe

Quelle: Fotolia
Vorträge:
- Weilert: 13.01.2023 Task Force Bioethik des Rates der EKD, u.a. zur Triage, Debatte um § 218 StGB, assistierter
Suizid
Ansprechpartner
Prof. Dr. iur. A. Katarina Weilert LL.M. (London)

Leiterin (kommissarisch) des Arbeitsbereichs "Religion, Recht und Kultur" & Wissenschaftliche Referentin (Rechtswissenschaft)

