Verkörperte Personalität, Leibgedächtnis und Demenz

Quelle: Gerd Altmann auf Pixabay
Im Rahmen eines bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft zu beantragenden Projekts soll in Kooperation von Prof. Dr. Magnus Schlette mit Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs von der Psychiatrischen Klinik der Universität Heidelberg in zwei eng miteinander verbundenen Forschungsprojekten untersucht werden, welchen konstitutiven Beitrag das Konzept verkörperter Personalität einerseits zum philosophisch-kognitionswissenschaftlichen Diskurs über den Personenbegriff, andererseits zur Beschreibung und ggf. zur Kritik und Orientierung von Beziehungsdynamiken pflegerischen Handelns im Kontext von Demenzerkrankungen leisten kann. Dazu werden zwei Forschungsprojekte beantragt, die sich jeweils mit folgenden Forschungsfragen beschäftigen und ergänzen:
- Teilprojekt 1 untersucht, ob eine Theorie der verkörperten Kognition einen Personenbegriff begründen kann, der sich gegenüber konkurrierenden Konzeptionen wie der psychologischen Kontinuitätstheorie der Person oder auch narratologischen Personenkonzeptionen abgrenzen und auszeichnen lässt. Auch eine integrierende bzw. fundierende Funktion gegenüber diesen Ansätzen ist denkbar, aber begründungsbedürftig. Die auf dem Wege eines systematisch-begrifflichen, geltungslogisch orientierten Theorievergleichs zu bearbeitenden Leitfragen lauten:
- Haben die Verkörperung, das Leibgedächtnis und zwischenleibliche Prozesse eine mitkonstituierende Funktion für Personalität, oder beinhalten sie lediglich eine notwendige fundierende Funktion?
- Kann eine verkörperte Theorie der Person angesichts von Fragen der Identität und qualitativen Veränderung durch Demenzerkrankungen zur Fundierung eines Begriffs der leiblichen Würde beitragen?
- Um die Fruchtbarkeit eines verkörperten Personenkonzepts für den würdevollen Umgang mit Demenzbetroffenen phänomenologisch genauer zu bestimmen, untersucht Teilprojekt 2 anhand exemplarischer qualitativer Fallstudien an ausgewählten Pflegeeinrichtungen implizite Personenkonzepte, die in der Beziehungsdynamik zwischen Pflegenden und Erkrankten erkennbar werden. Dabei sind folgende Leitfragen zentral:
- Wie erleben Menschen in der pflegerischen Praxis die personale Dimension schwer von Demenz betroffener Menschen?
- Wie lässt sich die verkörperungstheoretische Dimension von Personalität und Würde in der pflegerischen Praxis bei Menschen mit Demenz angemessen berücksichtigen?
Das übergeordnete Ziel des hier vorgeschlagenen Projektverbunds ist zu erforschen, ob und inwiefern die Erweiterung und Schärfung des Personenbegriffs durch eine Theorie der verkörperten Person zur Beschreibung und Regulierung der Interaktion zwischen Demenzerkrankten und Pflegenden beitragen kann, sowie umgekehrt, in welcher Weise eine qualitativ-empirische Analyse der Interaktion zwischen Demenzerkrankten und Pflegenden die Entwicklung eines verkörperungstheoretischen Personkonzepts informieren kann. Die Einschätzungen hierzu sind bisher divers, denn unter einem qualitativen Gesichtspunkt personaler Identität ist der frühere Reichtum der Persönlichkeit in späten Stadien der Demenz nahezu zerstört. Kann das Konzept der verkörperten Subjektivität gleichwohl ein substanzielles Personkonzept auch für die späten Stadien der Demenz begründen? Welche Praktiken im Pflegealltag würden diesem Konzept entgegenkommen oder entsprechen? Welche konzeptuellen Rückschlüsse kann die theoretische Arbeit umgekehrt aus einer Beobachtung und Analyse des Pflegealltags ziehen? Und wie lässt sich von der theoretischen und empirischen Arbeit her ein Konzept der leiblichen Würde in der Demenz erarbeiten?
Zur Beantwortung dieser Fragen wird ein Forschungsverbund der FEST und der Sektion für Phänomenologische Psychopathologie der Universität Heidelberg geschaffen, in dem das Konzept der verkörperten Personalität in der Demenz exemplarisch untersucht wird. Das Ziel soll sowohl forschungstheoretisch als auch forschungspraktisch in zwei eng kooperierenden Projekten realisiert werden. Die Pointe des Projektverbundes besteht darin, begriffliche und empirische Forschungen eng miteinander zu verzahnen und das Forschungsfeld ‚Personalität unter Bedingungen schwerer Demenz‘ gemeinsam zu erschließen.
Zur Beantwortung dieser Fragen wird ein Forschungsverbund der FEST und der Sektion für Phänomenologische Psychopathologie der Universität Heidelberg geschaffen, in dem das Konzept der verkörperten Personalität in der Demenz exemplarisch untersucht wird. Das Ziel soll sowohl forschungstheoretisch als auch forschungspraktisch in zwei eng kooperierenden Projekten realisiert werden. Die Pointe des Projektverbundes besteht darin, begriffliche und empirische Forschungen eng miteinander zu verzahnen und das Forschungsfeld ‚Personalität unter Bedingungen schwerer Demenz‘ gemeinsam zu erschließen.
