Waldbestattungen

Quelle: Wikimedia Commons, smarties, CC BY-SA-4.0
In modernen Gesellschaften ist – als Teil eines grundlegenden Wandels der Bestattungskultur – ein Trend zu sogenannten Naturbestattungen zu konstatieren, vor allem hin zu Waldbestattungen. Für Deutschland ist dieser Trend bereits in verschiedenen Hinsichten untersucht worden. Es bestehen jedoch noch erhebliche Forschungslücken unter anderem in Hinblick auf die Motive für oder auch gegen die Wahl dieser Bestattungsform.
Beispielsweise ist unklar, was sich hinter dem Motiv der „Naturverbundenheit“ verbirgt, das in vorliegenden Studien durchgängig und wohl auch zurecht benannt, ohne dass geklärt wäre, welche der kategorial verschiedenen Natur- und Waldbilder, die in unserer Kultur gegenwärtig sind, die Entscheidung für oder gegen eine Waldbestattung motivieren.
Um diese Forschungslücken zu schließen, wird von der FEST (PD Dr. Thomas Kirchhoff) in Kooperation mit dem Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD (Prof. Dr. Lämmlin, siehe https://www.siekd.de/portfolio/waldbestattungen/) eine für Deutschland bevölkerungsrepäsentative Befragung durchgeführt:
 
  • In der 1. Phase wurden Hypothesen zu Motiven für/gegen die Wahl einer Waldbestattung formuliert und mögliche Fragestellung für eine Umfrage entwickelt.
  • In einer 2. Phase wurden Vertreterinnen und Vertreter von Landeskirchen der EKD befragt, zu welchen Fragestellungen empirische Erkenntnisse zu Waldbestattungen für sie besonders hilfreich wären.
  • In der 3. Phase wurden explorative Fokusgruppengespräche durchgeführt zu Motiven für und auch gegen die Wahl einer Waldbestattung bzw. zu Einstellungen zu Waldbestattungen und Friedhöfen – mit einer Fokusgruppe in Norddeutschland (Niedersachsen/Schleswig-Holstein) und einer Fokusgruppe in Süddeutschland (Baden-Württemberg/Bayern).
  • In der 4. Phase wurde ein Fragebogeninventar entwickelt, um bevölkerungsrepräsentative empirische Daten über Einstellungen zu Waldbestattungen zu gewinnen.
  • In der 5. Phase wurde das Forschungsinstitut forsa mit der Durchführung der empirischen Befragung beauftragt, wobei zunächst ein Pre-Test durchgeführt wird.
  • In der 6. Phase werden die erhobenen Daten qualitativ und quantitativ ausgewertet. Am 06.10.2025 wurde eine vorläufige Darstellung, Auswertung und Interpretation der Daten in einem Workshop mit Expertinnen und Experten diskutiert (siehe Eintrag "Aktuelles" zum Workshop), u. a. mit Prof. Dr. Monika Wohlrab-Sahr, die dem Kuratorium der FEST angehört und Professorin für Kultursoziologie sowie (Ko-)Direktorin der Kollegforschungsgruppe "Multiple Secularities: Beyond the West, Beyond Modernities" der Universität Leipzig ist.
  • Auf dieser Basis wird in der 7. Phase diskutiert, welche Herausforderungen sich aus dem Trend zu Waldbestattungen und dessen Motiven für die EKD bzw. die christliche Bestattungspraxis, Erinnerungskultur und Glaubenskommunikation ergeben und wie die EKD auf diese Herausforderungen reagieren könnte.
Ansprechpartner

PD Dr. Thomas Kirchhoff

Wissenschaftlicher Referent Arbeitsbereich "Theologie und Naturwissenschaft"