Wertebildung in der Schule

Quelle: Pixabay
Interdisziplinäre Tagung „Wertebildung in der Schule. Struktur, Vermittlung, Entwicklungsdynamik – Herausforderungen und Ambivalenzen“ (18.-20. September 2023)
Projektleitung: PD Dr. iur. A. Katarina Weilert (FEST); Prof. Dr. Magnus Schlette (FEST); Dr. Dennis Dietz (Heidelberg School of Education) und Prof. Dr. Melanie Kuhn (Pädagogische Hochschule Heidelberg).
Die öffentliche Schule ist zwar als staatliche Institution zur (religiösen, weltanschaulichen) Wertneutralität verpflichtet, hat aber einen Bildungsauftrag, der sich nicht allein in der Vermittlung von Fachwissen erschöpft. Schulen sind auch Orte der Vermittlung und Kommunikation von Werten. Einerseits sind Werte explizit thematisch und bestimmen mit über das Geschehen innerhalb und außerhalb des Unterrichts. Andererseits spielen sie eine subtile Rolle für die Struktur von Unterrichtsprozessen. Sie prägen die Vermittlung methodischer und insbesondere hermeneutischer Grundkompetenzen und manifestieren sich im praktischen Handeln von Lehrkräften, wodurch sie eine implizit normative Wirkung entfalten.
Zur den Herausforderungen und Ambivalenzen der Wertebildung in der Schule hat die FEST (Prof. Dr. Magnus Schlette und PD Dr. A. Katarina Weilert) zusammen mit der Heidelberg School of Education (Dr. Dennis Dietz) und der PH Heidelberg (Prof. Dr. Melanie Kuhn) im Rahmen einer dreitägigen Tagung (18.–20. September 2023) interdisziplinäre Perspektiven (Erziehungswissenschaften, Recht, Philosophie und Theologie) vereint. Die Tagung schließt an eine frühere von A. Katarina Weilert durchgeführte Tagung zur „Werteerziehung durch die Schule“ an und greift dort angestoßene Fragen auf, geht aber noch darüber hinaus, indem sie sich besonders der Struktur, Vermittlung und Entwicklungsdynamik von Werten im Schulkontext widmet. Die genannten drei Dimensionen stellen das pädagogische Handeln vor besondere Herausforderungen und verbinden sich mit Ambivalenzen: Denn die Schule muss an der Herausbildung stabiler Handlungs- und Überzeugungsrepertoires der jungen Heranwachsenden Anteil haben, steht aber gleichzeitig in Gefahr, die strukturell im Bündnis mit den Schülern angelegte Einflussnahme auf die Persönlichkeitsentwicklung zu einer Machtausübung zu überdehnen, die Entwicklungsmöglichkeiten hindert.
Den Auftakt zur Tagung machte Margret Rasfeld, Pädagogin und Gründerin einer Reformschule, die durch ihre innovativen Ideen von Schule einen frischen Blick auf Beziehung, Wertschätzung, Erziehung zur Verantwortungsübernahme und Sinnvermittlung als Quellen schulischer Wertbildung warf. Der erste Tagungsblock legte die begrifflichen und konzeptionellen Grundlagen. Prof. Dr. Georg Zenkert (Philosophie, PH Heidelberg) sprach zur Orientierung durch Werte und Prof. Dr. Stefan Weyers (Uni Mainz) ergänzte aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive zur Wertesozialisation, Wertebildung und Werterziehung und legte diesbezüglich Zusammenhänge und Ambivalenzen dar. Den zweiten Tagungsblock bildeten Reflexionen zur Frage der Bildung zwischen Neutralität und Orientierung und der Sinnhaftigkeit von Werten in diesem Zusammenhang. Prof. Dr. Christof Breitsameter (LMU München) ventilierte aus Sicht der katholischen Theologie die Bedeutung von Wertneutralität. Der Jurist Prof. Dr. Franz Reimer (Uni Gießen) setzte Wertebildung in den Kontext eines Dreiecks zwischen Erziehungszielen, Indoktrinationsverbot und Kontroversitätsgebot. Im vierten Tagungsblock zur Unverfügbarkeit und gleichzeitig Entwicklungsoffenheit von Werten ging Prof. Dr. Rüdiger Bittner (Uni Bielefeld) in einem philosophischen Vortrag der Frage nach, was Wertebildung eigentlich sei. Dies ergänzte Dr. Elisabeth Maikranz (Uni Heidelberg) durch eine theologisch-kritische Perspektive auf Wertevermittlung im Religionsunterricht. Der Erziehungswissenschaftler Roland Reichenbach (Uni Zürich) sprach zum Thema „Das stille Treiben der Werte in Erziehung und Bildung“ und schloss hier an die Tradition Georg Pichts an.
Im fünften Tagungsblock wurde die Bildung zwischen staatlicher Institutionalisierung und Didaktisierung thematisiert. Wie sich schulische Wertebildung im Rahmen der Kulturhoheit der Länder verhält untersuchte die Juristin Prof. Dr. Anna Leisner-Egensperger (Uni Jena). Prof. Dr. Christoph Wiesinger (Evang. Hochschule Darmstadt) begriff Wertevermittlung als Arbeit an Wertekonflikten, ergänzt durch einen praxisnäheren Bericht von Prof. Dr. Claudia Scheid (Uni Innsbruck), die aus schulpädagogischer Sicht fragte, was Schule und Unterricht eigentlich vermitteln. Prof. Dr. Rolf Schieder (HU Berlin) entfaltete aus evangelisch-theologischer Sicht Wertebildung als Teil der Selbstbildung und ließt damit zum Ende der Tagung die hohe Relevanz von Werten für die Identität des Einzelnen eindrücklich werden.
Datei zum Downloaden
Quelle: Katarina Weilert
Ansprechpartner
A. Katarina Weilert LL.M. (London)

Leiterin (kommissarisch) des Arbeitsbereichs "Religion, Recht und Kultur" & Wissenschaftliche Referentin (Rechtswissenschaft)
