Militär und Frieden

Militär und Frieden

Die Verbindung von Militär und Frieden erscheint ambivalent. Zunächst steht das Militär für ein bzw. sogar für das Instrument der Kriegsführung, ermöglichen häufig erst bewaffnete Einheiten gewaltsame Konflikte und Kriege. Als Teil der Exekutive des Staates und Instrument des staatlichen Gewaltmonopols kommt ihm aber auch eine zivilisierende und friedensfördernde Funktion zu, stellt das staatliche Gewaltmonopol nach dem zivilisatorischen Hexagon (Dieter Senghaas) eine von sechs wesentlichen Friedensbedingungen dar. Mit dem Themenkomplex „Militär und Frieden“ verbinden sich verschiedenste aktuelle Anfragen: Wehrstrukturen beispielsweise verweisen auf die innere Verfasstheit von Streitkräften und ihre Stellung in der Gesellschaft, supranationale Streitkräfte verändern sicherheits- wie rüstungspolitische Diskurse, autonome Waffen wiederum stellen bisherige ethische Standards infrage. Entwicklungen dieser Art werden in den einzelnen Projekten auf ihre militärsoziologischen und sicherheitspolitischen Konsequenzen hin beleuchtet und friedensethisch reflektiert.

Projekte

Neue ethische Standards angesichts von Digitalisierungsprozessen am Beispiel autonomer Waffen (2019–2021)

Die Idee einer europäischen Armee – Diskurse und friedenspolitische Implikationen (2019–2022)

Wie weiter? Die Bundeswehr 10 Jahre nach Aussetzung der Wehrpflicht (in Planung für 2021)

Lehrbuch „Militärsoziologie – Eine Einführung“ (2020–2021)

Religion und Frieden

Religion und Frieden

Ausgehend vom Säkularisierungsparadigma haben die Sozialwissenschaften der Religion lange Zeit keinerlei Bedeutung beigemessen. Mittlerweile ist von einer Renaissance der Religion und des Religiösen die Rede. Das betrifft auch die Friedens- und Konfliktforschung, die – mit dem Ende des Kalten Krieges, dem Aufbrechen von ethnischen und Identitätskonflikten sowie Ereignissen wie die Anschläge vom 11. September 2001 – begonnen hat, sich mit dem Einfluss von Religion auf Gewaltkonflikte zu beschäftigen. Dabei ist vor allem das Gewaltpotenzial von Religionen in den Fokus der Aufmerksamkeit getreten. Ihre friedensstiftende Rolle geriet dagegen bisweilen in den Hintergrund. Diese wird – ohne die Ambivalenz des Religiösen zu vernachlässigen – in den Blick genommen und tiefergehenden Analysen zugeführt.

Projekte

Religionen, Diplomatie und Frieden (11/2020–10/2023)

Friedenspotenziale religiöser Akteure in der Entwicklungszusammenarbeit (2019–2021)

Die Rolle von Religion in der Außenpolitik (2019–2020)

Gerechter Frieden

Gerechter Frieden

„Si vis pacem para pacem“ – unter dieser Maxime steht das Leitbild des gerechten Friedens, das in Deutschland, aber auch in großen Teilen der ökumenischen Bewegung als friedensethischer Konsens gelten kann. Damit verbindet sich ein Perspektivenwechsel: Nicht mehr der Krieg, sondern der Frieden steht im Fokus des neuen Konzeptes. So umfasst der gerechte Frieden „viel mehr als den Schutz von Menschen vor ungerechtem Einsatz von Gewalt“; er schließt „soziale Gerechtigkeit, Rechtsstaatlichkeit, Achtung der Menschenrechte und Sicherheit für alle Menschen“ mit ein (Ökumenischer Aufruf zum gerechten Frieden). Dennoch bleibt die Frage nach der Anwendung von Waffengewalt auch für das Konzept des gerechten Friedens virulent, gilt diese für einen Großteil seiner Vertreterinnen und Vertreter nach wie vor als ultima ratio.

Projekte

Reflexion der „Friedenssynode“ 2019 und deren Implikationen für die evangelische Seelsorge in der Bundeswehr (2020–2021)

Konsultationsprozess „Orientierungswissen zum gerechten Frieden“ (2016–2019)

Konsultationsprozess „Orientierungswissen zum gerechten Frieden“ (2016–2019)

Konsultationsprozess „Orientierungswissen zum gerechten Frieden“ (2016–2019)

Ausgangs- und Bezugspunkt des 2016 gestarteten Konsultationsprozesses ist die Friedensdenkschrift der EKD, die vor gut zehn Jahren erschienen ist. Seitdem hat sich die Weltlage erheblich verändert; auch stellen qualitativ neue Entwicklungen in der Kriegsführung aktuelle Herausforderungen dar. Die EKD-Denkschrift muss also auf Situationen reagieren, die sie friedensethisch nicht im Blick hatte bzw. haben konnte. Damit ergibt sich die Notwendigkeit, die Analysen fortzuführen, sie um neue Problemlagen zu erweitern sowie Konkretionen vorzunehmen. Mit dieser Zielsetzung tagten von 2016 bis 2019 vier interdisziplinär zusammengesetzte Arbeitsgruppen mit insgesamt über 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Verhandelt wurden ethische Grundsatzfragen (Arbeitsgruppe 1), Fragen zum Verhältnis von gerechtem Frieden und Gewalt (Arbeitsgruppe 2), zum Ansatz des gerechten Friedens durch Recht (Arbeitsgruppe 3) sowie zum gerechten Frieden und politischen Friedensaufgaben (Arbeitsgruppe 4). Die Ergebnisse wurden im Rahmen einer 24-bändigen Schriftenreihe „Gerechter Frieden“ bei Springer VS veröffentlicht.

Projekt-Homepage: www.konsultationsprozess-gerechter-frieden.de
Projektverantwortlich: PD Dr. Ines-Jacqueline Werkner
Projektförderung: Evangelische Seelsorge für die Bundeswehr

UTB-Lehrbuch „Friedens- und Konfliktforschung. Eine Einführung“

UTB-Lehrbuch „Friedens- und Konfliktforschung. Eine Einführung“

Das Lehrbuch „Friedens- und Konfliktforschung. Eine Einführung“ zielt darauf, Konflikte und ihre zugrundeliegenden Ursachen zu analysieren sowie Strategien der Konfliktbearbeitung und Friedensförderung zu entwickeln. Ausgehend von begrifflichen Vorüberlegungen zum Frieden (Part I) beinhaltet es zwei Schwerpunktsetzungen: zu Begriff, Formationen und Austragungsformen weltpolitischer Konflikte (Part II) sowie zu Friedensstrategien (Part III). Abschließend gibt das Lehrbuch einen Überblick über den aktuellen Stand der Friedens- und Konfliktforschung in Deutschland, ihre Institute und universitären Studiengänge.

Format: Lehrbuch bei UTB
Projektverantwortlich: PD Dr. Ines-Jacqueline Werkner

Heidelberger Symposium zur Friedensethik

Heidelberger Symposium zur Friedensethik (in Planung ab 2022)

Mit dem 3½-jährigen Konsultationsprozess „Orientierungswissen zum gerechten Frieden“ (2016-2019) konnte erfolgreich ein überregionales und interdisziplinäres friedensethisches Wissenschaftsnetzwerk aufgebaut werden. Im Rahmen dieses Prozesses tagten vier interdisziplinär zusammengesetzte Arbeitsgruppen mit insgesamt über 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der FEST: Politikwissenschaftler, Soziologen, Völkerrechtler, Philosophen, evangelische – aber auch katholische – Theologen bis hin zu Naturwissenschaftlern, ergänzt um Vertreterinnen und Vertreter aus der Praxis.

Ziel ist es, die infolge der Bindung an das Drittmittelprojekt nur zeitlich begrenzte Kooperation auf Dauer zu stellen. Der aufgebaute disziplinenübergreifende Gesprächszusammenhang und die daraus erwachsene Expertise sollen mit einem jährlich stattfindenden friedensethischen Symposium weiter aufrechterhalten und fortgesetzt werden. Beabsichtigt ist, die überregionale Vernetzung und Interdisziplinarität in diesem Bereich zu fördern und damit die Friedensethik als Thema der Friedensforschung und Schwerpunkt des Arbeitsbereichs Frieden an der FEST weiter zu profilieren. Hier orientiert sich das anvisierte Kooperations- und Vernetzungsprojekt auch an den Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Friedens- und Konfliktforschung des Wissenschaftsrates vom Juli 2019.

Geplantes Format: jährliches Symposium zu aktuellen friedensethischen Themen, digitale Publikation
Projektverantwortlich: PD Dr. Ines-Jacqueline Werkner

Heidelberger Gespräche

Heidelberger Gespräche

Seit den 1970er Jahren organisieren die Arbeitsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) und die FEST die nach ihrem Veranstaltungsort benannten Heidelberger Gespräche. Einmal im Jahr treffen sich Mitarbeitende aus Mitgliedsorganisationen der AGDF und Friedensforscherinnen und -forscher bei der FEST zu einem zweitägigen Informations- und Meinungsaustausch über aktuelle Themen, mit denen sich die Friedensdienste und die Friedensforschung beschäftigen. Durch eine Mischung von Vorträgen und Erfahrungsberichten werden Theorie und Praxis miteinander verbunden.

Format: jährliche Tagung
Projektverantwortlich: Dr. Sarah Jäger (bis 2020), Dr. Johannes Frühbauer (ab 2021)