Sterbehilfe

 
Schweres Leiden, Perspektivlosigkeit und die Endgültigkeit einer infausten Prognose können Menschen so verzweifeln lassen, dass sie den Wunsch hegen, ihrem Leben selbst und vorzeitig ein Ende zu setzen. Die gesellschaftlich und politisch im In- und Ausland geführte Diskussion um „Sterbehilfe“ befasst sich mit vielfältigen Aspekten und Fragen, ob und ggf. in welchen Formen Sterbehilfe gesetzlich zugelassen sein sollte oder aus welchen Gründen diese abzulehnen ist. In Deutschland fokussiert sich die gesellschaftliche und politische Diskussion vor allem auf die Suizidassistenz und die Frage, in welchen Fällen und durch welche Personen sie gesetzlich zu untersagen oder zu erlauben ist. Das Urteil des BVerfG vom 26. Februar 2020 markiert einen Meilenstein, nicht nur, weil dadurch der vom Gesetzgeber im Jahr 2015 geschaffene § 217 StGB (Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung) aufgehoben wurde, sondern auch, weil durch das Urteil die Zulässigkeit der Suizidhilfe jenseits individuellen Leids als Ausdruck des Allgemeinen Persönlichkeitsrechts in den Grundrechtsschutz einbezogen worden ist.
In dem Themenbereich „Sterbehilfe“ geht es um eine Reflexion des rechtlichen Rahmens für Individuen und Institutionen ebenso wie um rechtsethische Erwägungen. Rechtliche Freiheit kann in diesem Zusammenhang zugleich rechtliche Schutzlosigkeit bedeuten. Zentrale Bezugspunkte wie Menschenwürde, Selbstbestimmung, Rolle der Ärzteschaft sowie Formen der Unterstützung zum Leben sind interdisziplinär zu verhandeln.
 
Verantwortlich für den Themenbereich im Arbeitsbereich RRK: PD Dr. A. Katarina Weilert, LL.M.
 
Fragestellungen
  • Welche Bedeutung hat das „Menschenwürdeargument“ und was bedeutet es im Zusammenhang mit der Frage nach einem selbstbestimmten Lebensende? Was ist Autonomie und welchen Stellenwert hat die „Autonomie“ im Rahmen der Menschenwürde am Lebensende?
  • Was bedeutet ein ärztlich assistierter Suizid für die ärztliche Berufsrolle?
  • Welchen Raum nimmt das Gewissen im Gefüge des Rechts im Hinblick auf den assistierten Suizid ein?
  • Wie ist die Rechtslage derzeit und wie sollte sie de lege ferenda ausgestaltet werden?
  • Was können wir aus einer unterschiedlichen Rechtspraxis im Ausland lernen?
 
Ziel
Wissenschaftliche und interdisziplinär ausgerichtete Begleitung des politischen Diskurses zur Sterbehilfe.
 
Arbeitsformen
  • Rechtsethische Analysen (Publikationen)
  • Vorträge
  • Tagungen
  • Arbeitsgruppe [hier bitte Verlinkung mit der Arbeitsgruppe „Autonomie“ oder alternativ die Arbeitsgruppe unter den nun folgenden Einzelprojekten namentlich aufführen und dann verlinken]
 
Publikationen
 
  1. Weilert, Grundrechtsrechtsprechung als Element der Durchsetzung naturrechtlicher Rechtsgehalte? Eine Reflexion des Verhältnisses von überpositivem Recht zum gesetzten Recht anlässlich der Suizidhilferechtsprechung des BVerfG, in: Ursula Nothelle-Wildfeuer/ Christian Hillgruber/ Michael Pawlik/ Magnus Striet/ Thomas Windhöfel (Hrsg.), Zum Fest der Freiheit, Gedächtnisschrift für Eberhard Schockenhoff, Duncker & Humblot, Berlin, im Erscheinen.
  2. Weilert, Das Urteil des BVerfG zur Suizidbeihilfe vom 26. Februar 2020. Kritische Würdigung und Ausblick auf die Implikationen des Urteils, in: Jutta Ataie/ Carmen Berger-Zell /Astrid Giebel, (Hrsg.), Leben. Selbstbestimmung und Lebensschutz: Ambivalenzen im Umgang mit der Beihilfe zur Selbsttötung, der hospiz verlag, Esslingen 2022, S. 54-64.
  3. Weilert, Anmerkung zum Urteil des BVerfG vom 26.02.2020 ("Suizidbeihilfe"), in: Deutsches Verwaltungsblatt (DVBl) 135 (13), S. 879-882.
  4. Weilert, Suizid und Suizidassistenz als Rechtsproblem, in: Medizinrecht (MedR) 2018, S. 76-82.
  5. Weilert, Anmerkung zu BVerwG, Urt. v. 02.03.2017 ‒ 3 C 19.15 ‒ Staatliche Erlaubnispflicht zum Erwerb tödlicher Betäubungsmittel zum Suizid, in: Deutsches Verwaltungsblatt (DVBl) 2017, S. 910-913.
  6. Weilert, Einführung in die epd-Dokumentation der Tagungen "Schmerz und Leid ‒ Herausforderungen für das Gesundheitssystem und die Gesellschaft" und "Zwischen Gesetz und Gewissen ‒ Folgen des assistierten Suizids für die ärztliche Rolle und die Gesellschaft", 2016, Nr. 5, S. 4-5 (zusammen mit Simone Ehm u. Thomas Poralla).
  7. Weilert, Ärztlich assistierter Suizid in Deutschland de lege lata und de lege ferenda, in: Zeitschrift für medizinische Ethik 2015, S. 242-256.
  8. Weilert, Die vier Gesetzesentwürfe zur Suizidassistenz. Eine juristische Einordnung von Regelung und Rechtsfolgen, in: epd Dokumentation „Menschenwürdig sterben. Theologische, philosophische und juristische Perspektiven im Gespräch“, Heft 38, Frankfurt am Main 2015, S. 41-48.
  9. Weilert, Rechtliche Regelungen im internationalen Vergleich, in: Ulrich Lilie/ Wolfgang Beer/ Edith Droste/ Astrid Giebel (Hrsg.), Würde, Selbstbestimmung, Sorgekultur. Blinde Flecken in der Sterbehilfedebatte, der hospiz Verlag, Esslingen 2015, S. 227-241.
  10. Weilert, Debatte um Sterbehilfe: Eine juristische Einordnung, in: evangelisch.de, 26.11.2014.
Vortragstätigkeit von PD Dr. A. Katarina Weilert

  1. „Einführung in die juristische Problematik der Suizidassistenz“, Vortrag im Rahmen eines theologischen Seminars zur Gesundheitsethik an der Universität Bonn, 11.01.2022, digital.
  2. „Das Karlsruher Urteil verstehen und einordnen. Juristische Aspekte“, Vortrag im Rahmen des Jahreskonvents der Krankenhaus-, Kur- und Reha-Seelsorgenden in Württemberg – Fortbildung („Zwischen Selbstbestimmung und Unverfügbarkeit – Zur Diskussion um den assistierten Suizid“), 27.09.2021, Ev. Akademie Bad Boll.
  3. „Das Karlsruher Urteil zur Suizidbeihilfe. Reflexion der Urteilsgründe und gegenwärtige Gesetzesinitiativen“, Vortrag im Rahmen der Tagung „Das sollte ich wissen“ – Freiheit und Würde am Lebensende. Zur Diskussion um den assistierten Suizid“, Kooperation der Ev. Akademie Bad Boll, des Ev. Bildungszentrums Hospitalhof Stuttgart und des Diakonischen Werks Württemberg, 25.10.2021, Stuttgart.
  4. „Einführung in das Urteil des BVerfG zur Suizidassistenz. Rechtliche Einordnung und Folgen für die diakonischen Einrichtungen“, Vortrag im Rahmen der Informations- und Diskussionsrunde Assistierter Suizid der Diakonie Stetten, 03.03.2021,digital.
  5. „Das Urteil des BVerfG zur Suizidassistenz. Rechtliche Einordnung und Folgenabschätzung“, Vortrag und Diskussion im Rahmen der Reihe „Selbstbestimmung und Lebensschutz: Ambivalenzen im Umgang mit assistiertem Suizid“ der Diakonie Deutschland, 22.02.2022, digital.
  6. „Suizid als Ausdruck der Menschenwürde? Reflexion des Urteils des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidassistenz“, Vortrag im Rahmen der interdisziplinären Arbeitsgruppe „Autonomie und Sterbehilfe“ an der FEST, Erste Konsultation, 08.01.2021, digital.
  7. „Suizid als Ausdruck der Menschenwürde? Das Karlsruher Urteil verstehen und juristisch umsetzen.“, Vortrag im Rahmen eines Expertengesprächs von Vertreter/innen der Ev. Landeskirche in Württemberg, der Diakonie Württemberg und der Ev. Akademie Bad Boll über assistierte Selbsttötung, 10.10.2020, Ev. Akademie Bad Boll.
  8. „Menschenwürde und Autonomie am Lebensende ‒ Überlegungen im Anschluss an das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum assistierten Suizid“, Vortrag beim Studientag Ethik. Möglichkeiten der Palliativmedizin bei der Behandlung schwerstkranker und sterbender Menschen, 02.07.2020, Bildungszentrum Diakonissen Speyer
  9. „Der Tod im Recht“, Vortrag im Rahmen des Karlsruher Foyers Kirche und Recht, Themenabend „Sterben und Tod. Von der Verletzlichkeit des Lebens“, Bundesanwaltschaft, 14.11.2019, Karlsruhe.
  10. „Ist Sterbehilfe mein gutes Recht? Eine juristisch-ethische 
    Reflexion“, Vortrag im Rahmen des Studientags in der Katholischen Akademie für Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen in Kooperation mit dem Katholischen Krankenhausverband in Bayern e.V., 15.02.2016, Regensburg.
  11. „Suizid und Suizidassistenz als Rechtsproblem“, 18.10.2017, Juristische Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.
  12. „Suizidbeihilfe – welche Neuregelungen zum ärztlich assistierten Suizid sollten getroffen werden?“, Vortrag auf Einladung des Deutschen Juristinnenbundes e.V. und Deutschen Ärztinnenbundes e.V., 22.10.2015 Amtsgericht Mannheim.
  13. „Sterbehilfe im Recht – Gestaltung eines individuellen und gesellschaftsrelevanten Bereiches“, Vortrag im Rahmen der Tagung „Sterbehilfe – was soll erlaubt sein? Welche Sterbekultur brauchen wir? Das Lebensende zwischen Selbstbestimmung und Unverfügbarkeit“, 13.06.2015, Ev. Akademie Bad Boll.
  14. „Schweiz, Niederlande, Belgien, Oregon…. Regelungen und Erfahrungen mit assistiertem Suizid und Tötung auf Verlangen“, Workshop im Rahmen der Tagung für Multiplikatoren in Bildungsarbeit, Verbänden, Einrichtungen, Medien: „Würde, Selbstbestimmung, Sorgekultur. Den gesellschaftlichen Streit um die Sterbehilfe konstruktiv führen“, Die Evangelischen Akademien in Deutschland, 29.04.2015, Schwerte.
  15. „Suizidbeihilfe – wie viel Recht brauchen wir?“, Vortrag im Rahmen der ökumenischen Woche für das Leben: „Zu(m) Ende denken. Herausforderung Suizidbeihilfe“, 24.04.2015, Ev. Akademie Baden und Katholische Akademie der Erzdiözese Freiburg.
  
Projekte im Forschungsfeld