„Online Lexikon Naturphilosophie“ erreicht über 10.000 Downloads

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„Online Lexikon Naturphilosophie“ erreicht über 10.000 Downloads

Heidelberg, 21.01.2021 – Nun liegen die Statistiken vor: Zum Ende des Jahres 2020 hat das 2019 gegründete Open-Access „Online Lexikon Naturphilosophie“ (Editor-in-Chief ist Thomas Kirchhoff von der FEST) über 10.600 Artikel-Downloads erreicht.
Für das Lexikon, das sich explizit nicht nur an WissenschaftlerInnen, sondern auch an die interessierte Öffentlichkeit wendet, konnten also nicht nur hochkaratige AutorInnen gewonnen werden, sondern es wird auch sehr gut rezipiert. In den kommenden Jahren wird das Lexikon, das von der Universitätsbibliothek Heidelberg gehostet wird, sukzessive weiter wachsen. Zahlreiche weitere Artikel sind vergeben oder bereits im Satz.


 

PD Dr. Christian Tewes (ehemaliger Mitarbeiter)

PD DR. Christian Tewes (ehemaliger Mitarbeiter)

 Wissenschaftlicher Mitarbeiter

 

Schmeilweg 5, 69118 Heidelberg
Telefon: 06221/9122-0
Fax: 06221/167 257
E-Mail: christian.tewes@fest.de

 

Fachrichtung
Philosophie

 

Arbeitsschwerpunkte

  • Philosophie des Geistes,
  • Phänomenologie,
  • Verkörperungstheorien (Enaktivismus)
  • Anthropologie,
  • Philosophie der Psychologie
  • Idealismusforschung
  • Wissenschaftstheorie
  • Naturphilosophie

Derzeitige Projekte

  • Anthropologie der Wahrnehmung
  • Leiblichkeit und Demenz
  • First-Person Science of Consciousness
  • Neurophänomenologie und Willensfreiheit

Beruflicher Werdegang

1993-2000   Studium der Germanistik / Geschichte und Philosophie auf Lehramt Sek. I und II. an der Universität GHS Essen

2001 Masterstudium Philosophie an der University of St Andrews (Schwerpunkt Analytische Philosophie)

2005 Promotionsstudiengang an der Universität Koblenz-Landau. Promotion mit der Arbeit: Grundlegungen der Bewusstseinsforschung bei Edmund Husserl und Daniel Dennett

2007-2014 wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Theoretische Philosophie an der Friedrich-Schiller Universität Jena.

2015 Habilitation an der FSU-Jena mit einer Arbeit zur Willensfreiheit

2014-2019 Projektleiter und Koordinator in der Forschergruppe Verkörperung als Paradigma einer evolutionären Kulturanthropologie am Marsilius Kolleg der Universität Heidelberg

Seit 2018 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FEST

Lehrtätigkeit

Universität Jena

WS 2007-2008

PS  Einführung in die analytische Philosophie des Geistes

HS  Neuronale Ästhetik

SS  2008

PS  Positionen des Rationalismus im 17. u. 18. Jahrhundert

PS  Philosophisches Argumentieren und Schreiben

WS 2008-2009

PS  Freiheit und Determinismus

HS Mentale Verursachung (gemeinsam mit André Wunder, MA)

SS 2009

PS Einführung in die analytische Handlungstheorie

HS Maurice Merleau-Ponty: Die Struktur des Verhaltens (gemeinsam mir Dr. Christian Spahn)

WS 2009-10

PS Ruth G. Millikan: Die Vielfalt der Bedeutung (Einführung in die Teleosemantik)

PS Menschenbild und Hirnforschung

SS 2010

HS Kognitionspsychologisches Basisseminar / Neuroästhetik: Die Biologie des Schönen (gemeinsam mit Herrn Prof. Dr. Dr. Redies

HS Philosophische Aspekte zur Natur der Kausalität

Lektürekurs I: Husserls Logische Untersuchungen

WS 2010/11

PS Ontologie der Wirklichkeit

Lektürekurs II: Husserls Logische Untersuchungen

HS Theorien der Emergenz (gemeinsam mit Herrn Prof. Dr. Wolfgang Welsch)

SS 2011

PS Einführung in die Erkenntnistheorie

HS Libertarismus

WS 2011/12

PS Transzendentale Argumente

HS Selbstbewusstseinstheorien

SS 2012

PS Philosophisches Argumentieren und Schreiben.

PS Philosophie der Emotionen

WS 2012/13

PS Naturalismus

HS Dispositionen, Naturgesetze und Ereignisse

HS Verkörperte Subjektivität

SS 2013

PS Willensschwäche

HS Was ist ein Kunstwerk?

WS 2014/15

HS Ursprünge von Bedeutung. Gricesche Bedeutungstheorien und ihre interdisziplinäre Rezeption (gemeinsam mit Gregor Stöber und Manfred Bohn vom MPI für evolutionäre Anthropologie in Leipzig)

Universität Heidelberg

SS 2015

PS Hans Jonas‘ Philosophie des Organismus und seine zeitgenössische Rezeption

Forschungskolloquium Philosophie, Psychiatrie, Psychosomatik (mit Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs)

WS 2015/16

HS Die Theorie des erweiterten Geistes und ihre philosophischen Implikationen

Forschungskolloquium Philosophie, Psychiatrie, Psychosomatik (mit Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs)

SS 2016

HS Interdisziplinäres Blockseminar (Marsilius Kolleg der Universität Heidelberg) Menschliche Kommunikation aus phylo- und ontogenetischer Perspektive (gemeinsam mit Gregor Stöber und Manfred Bohn vom MPI für evolutionäre Anthropologie in Leipzig)

Forschungskolloquium Philosophie, Psychiatrie, Psychosomatik (mit Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs)

WS 2016/17

HS Interdisziplinäres Blockseminar Das verkörperte Gedächtnis (gemeinsam mit Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs)

Forschungskolloquium Philosophie, Psychiatrie, Psychosomatik (mit Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs)

SS  2017

HS Biophilosophische Grundlegungen der Anthropologie (mit Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs)

Forschungskolloquium Philosophie, Psychiatrie Psychosomatik (mit Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs)

WS 2017/18

VO Neure Arbeiten und Themen in der Philosophie des Geistes

SS  2018

PS Blockseminar: Die Anthropologie Helmut Plessners

Forschungskolloquium Philosophie, Psychiatrie Psychosomatik (mit Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs)

 

 

 

 

 

 

 

 

Kongress Time, the body and the other

Congress „Time, the body and the other“: Lectures available on Youtube

Heidelberg, November 20th, 2018.

Most of the main lectures held at the congress „Time, the body and the other – Phenomenological and Psychopathological Approaches“ are now available on Youtube.


(By clicking on the picture above you will be redirected from fest-heidelberg.de to Youtube)

The conference was organized by the research group of the Marsilius-Kolleg „Embodiment as a Paradigm for an Evolutionary Cultural Anthropology“, the Deutsche Gesellschaft für phänomenologische Anthropologie, Psychiatrie und Psychotherapie (German Society of Phenomenological Anthropology, Psychiatry and Psychotherapy (DGAP) and the Forschungsstätte der evangelischen Studiengemeinschaft (FEST)).

For the programm, information about the keynote speakers and abstracts of the main lectures, see here.

 


Waldinterview für hr2 kultur & NDR

Interview für die hr2 kultur-Sendung „Die religiöse Wiederentdeckung des Waldes“ und die NDR Info-Sendung „Forum am Sonntag“ zum Thema „Zurück zur Natur? Der Wald als Religion“

Heidelberg/Frankfurt a.M., 26. August 2018 – Heute wurde auf hr2 kultur die Sendung „Vissionssuche beim Waldbaden – Die religiöse Wiederentdeckung des Waldes“ von Michael Hollenbach ausgestrahlt, für die unter anderem der FEST-Mitarbeiter PD Dr. Thomas Kirchhoff interviewt worden war. [Link zum Podcast der Sendung].

Heidelberg/Hamburg, 23.09.2018 – Auch in der NDR Info-Sendung „Forum am Sonntag“ zum Thema „Zurück zur Natur? Der Wald als Religion“ kommt der FEST-Mitarbeiter PD Dr. Thomas Kirchhoff zu Wort. [Link zum Podcast der Sendung].


Altern als Aufgabe

Tagung Altern als Aufgabe: Aufzeichnung der Veranstaltung und Tagungsbericht verfügbar

Heidelberg, 22. August 2018 – Zur Tagung Altern als Aufgabe – Interdisziplinäre Perspektiven auf die Imperative und die soziale Wirklichkeit des Alterns, die vom 7.-9. 3. 2018 stattfand, sind nun alle Aufzeichnungen der Vorträge auf dem Youtube-Kanal der FEST abrufbar.


(Durch Klicken auf das obenstehende Bild werden Sie zur Wiedergabe der Video-Playlist auf Youtube weitergeleitet.)

Unter anderem ist der Vortrag von Prof. Dr. Butterwegge zur Sozialen Ungleichheit im Alter bereits eingestellt sowie die Vorträge zur Abendveranstaltung im Marsilius-Kolleg der Universität Heidelberg zum Überthema: Bleib jung! Von der Aufgabe, nicht zu altern.

Ein ausführlicher Tagungsbericht kann hier abgerufen werden.
Ausführliche Informationen zur Veranstaltung: hier.

Abendveranstaltung in der Alten Aula der Universität Heidelberg.
Photographien mit freundlicher Genehmigung des Marsilius-Kolleg.


Comprehensive Worldviews

AG Comprehensive Worldviews

Unter dem Titel „Comprehensive Worldviews“ soll in der Arbeitsgruppe untersucht werden, wie „social imaginaries“ (Ch. Taylor) der Beziehung zum Ganzen aus der Artikulation qualitativer Erfahrungen entstehen, auf diese zurückwirken und in vielfältiger Weise mit den epistemischen Weltbeziehungen der Wissenschaften interagieren.  Die Hoffnung ist, mit „Comprehensive Worldviews“ einen Vermittlungsbegriff zu finden, der es erlaubt, die Beziehungen zwischen gewöhnlicher und wissenschaftlicher Erfahrung sowie die Pluralität wie Unvermeidlichkeit von Artikulationen eines Totalitätsbezugs besser zu verstehen.

Dabei wird davon ausgegangen, dass Menschen verkörperte Symbolverwender sind und als solche nicht allein in der Lage, sich auf konkrete Situationen einen Reim zu machen. Sie können auch nicht umhin, ihr Weltverhältnis im Ganzen mehr oder minder explizit zu fassen. Die qualitative Dimension der Umweltbeziehung spielt dabei eine zentrale Rolle, wie sich an den sog. „existential feelings“ (M. Ratcliffe) zeigen lässt, in denen Menschen die Art ihres Weltbezugs im Ganzen spürbar wird. Was erkenntniskritisch ein Ding der Unmöglichkeit darstellt –  das Ganze in Anschauung und Begriff zu erfassen  – ist als gelebtes und zumindest partiell artikuliertes Wirklichkeits­verhältnis dennoch unausweichlich.  Die anthropologische Grundfrage, die sich hier stellt, hat Thomas Nagel so formuliert: „Wie lässt sich in das eigene individuelle Leben die vollständige Anerken­nung der eigenen Beziehung zum Universum im Ganzen einbrin­gen?“ Es sind jedoch weniger individuelle als sozio-kulturelle Ausdrucksformen, mittels derer eine Antwort auf diese Frage gesucht wird: Religionen und Weltanschauungen, in denen die Komponenten eines kognitiven Weltbilds, einer Orientierung des Willens und einer emotional getönten Bewertung integriert sind.

Organisation:

Prof. Dr. Matthias Jung

PD Dr. Magnus Schlette

 

Teilnehmer:

Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs (Psychiatrie/Philosophie, U Heidelberg)

  • Phänomenologische Psychologie, Psychopathologie und Anthropologie
  • Phänomenologie und kognitive Neurowissenschaften
  • Theorie und Ethik der Psychiatrie und Medizin

Prof. Dr. Gesa Lindemann (Soziologie, U Oldenburg)

Prof. Dr. Olaf Müller (Philosophie, HU Berlin)

  • Metaphysik
  • Erkenntnistheorie
  • Sprachphilosophie,
  • Metaethik
  • Theorie des Pazifismus
  • Wissenschaftsphilosophie

Prof. Dr. Hans Julius Schneider (Philosophie, U Potsdam)

PD Dr. Donata Schöller (Philosophie, U Koblenz)

Prof. Dr. Christoph Seibert (Ev. Theologie, U Hamburg)

  • Grundlagenfragen der Individual- und Sozialethik.
  • Forschung zur politischen Ethik.
  • Forschung zur Philosophie und Religionstheorie des Pragmatismus.
  • Studien zur Anthropologie.
  • Studien zur Theologie und Philosophie der Neuzeit

Dr. Stephan Steiner (Philosophie, Kath. Akademie Berlin)

Prof. Dr. Holm Tetens (Philosophie, FU Berlin)

  • Wissenschaftstheorie
  • Logik
  • Argumentationstheorie
  • Philosophie des Geistes
  • Metaphysik
  • Religionsphilosophie
  • Existenzphilosophie

Prof. Dr. Thomas Wabel (Ev. Theologie, U Bamberg)

  • Evangelische Theologie, Schwerpunkt Systematische Theologie und theologische Gegenwartsfragen
  • Schmerz aus theologischer Perspektive

Prof. Dr. Saskia Wendel (Kath. Theologie, U Köln)

  • Religiosität und Religion in der späten Moderne
  • Begründungsproblematik des christlichen Glaubens
  • philosophische/theologische Gotteslehre
  • philosophische/theologische Anthropologie
  • Christliche Mystik und Moderne
  • „Gender“ und Religion

 

„Anthropologie der Wahrnehmung II: Die Intersubjektivität der Wahrnehmung“

Anthropologie der Wahrnehmung II: Die Intersubjektivität der Wahrnehmung

Arbeitsgruppe in Kooperation der FEST und des Marsilius-Kollegs der Universität Heidelberg, organisiert von Magnus Schlette (FEST) und Christian Tewes (MK)

Thema der Arbeitsgruppe ist die ‚naive’ Wahrnehmungsgewissheit, derzufolge uns die Wahrnehmung in einen „Kontakt mit der Wirklichkeit“ (Fuchs 2017: 66) bringt. Die Stabilisierung der Wahrnehmungsgewissheit ist tief im subjektiven Bildungsprozess wie auch der existentiellen Grundverfassung des Menschen verankert und hat sich in der gewöhnlichen Sprache sedimentiert. Auf der im alltäglichen Lebensvollzug unhinterfragten Geltung der Wahrnehmung beruhen das Verständnis und die Erschlossenheit der Lebenswelt. Gleichwohl ist die Wahrnehmungsgewissheit in der klassischen Erkenntnistheorie immer verworfen worden. An ihrer Stelle haben sich unterschiedliche Spielarten des Repräsentationalismus etabliert, denen zufolge die Wahrnehmung lediglich mentale Modelle der Realität entwirft. Diese externe Realität wiederum sei strukturell verschieden von der Art und Weise, wie Wahrnehmende sie erleben. Konsequent zu Ende gedacht mündet diese Position dann häufig in Spielarten des Konstruktivismus, bei denen Perzeptionen für reine Konstruktionen des Gehirns ohne eine Verankerung in der Wirklichkeit gehalten werden (Roth, 1997, 252ff.)

Das Ziel der Arbeitsgruppe ist die Rehabilitierung der Wahrnehmungsgewissheit gegenüber ihren Kritikern. Auszuarbeiten ist die Behauptung, die Wahrnehmung bringe uns in Kontakt mit der Wirklichkeit; klärungsbedürftig ist dabei, wie dieser ‚Kontakt’ zu verstehen und zu rechtfertigen ist. Die Forschungshypothese lautet, dass die Realitätshaltigkeit der Wahrnehmung durch Verschränkung eines interaktionstheoretischen und eines intersubjektivitätstheoretischen Bezugsrahmens auf den Begriff gebracht werden kann.

Dem interaktionstheoretischen Ansatz zufolge ist die Handlung primär. Innerhalb ihrer stehen Subjekt und Objekt, Wahrnehmungen – verstanden als ‚Handlungsangebote‘ (Affordanzen, Gibson 1979)  – und darauf folgende Reaktionen  in einer Wechselbeziehung, die sich in dem sensomotorischen Austauschverhältnis des (menschlichen) Organismus mit seiner Umwelt herausbildet. Die Objektivierungsleistung der Wahrnehmung beruht zunächst auf diesem Austauschverhältnis, wird aber erst durch die intersubjektive Vermittlung der Umweltbeziehung vervollständigt und stabilisiert. Die interaktionstheoretisch begründete Mensch-Umwelt-Dyade muss daher zu einer Triade Ego-Alter Ego-Umwelt erweitert und der Realitätsbezug der Wahrnehmung in diesem Sinne trianguliert werden. Wo dies geschieht, erweisen sich auch Wahrnehmung und Zeichengebrauch als intern verknüpft.

Um zu erforschen, welche Stufenfolgen die Prozesse dieser Triangulierung der Objektivierung durchlaufen, wird die Arbeitsgruppe unter systematischen und entwicklungsgeschichtlichen Gesichtspunkten (phylo- und ontogenetischen) untersuchen, welche Bedingungen vorliegen müssen, damit Perzeptionen im Interaktionsgeschehen die ihnen von der naiven Wahrnehmungsgewissheit zugeschriebene Rolle auch erfüllen können. Wechselseitige Perspektivenübernahmen in der geteilten Intentionalität und die gemeinsame Bezugnahme auf Wahrnehmungsgehalte (triadische Kommunikation) bilden dafür eine zentrale Grundlage (Tomasello et al. 2005). Doch es ist zu analysieren, welche kognitiven Leistungen dafür erbracht werden müssen und wie der Gehalt derartiger Wahrnehmungen beschaffen ist. Setzt beispielweise die korrekte Deutung einer Zeigegeste bereits eine Theorie des Geistes beim Wahrnehmenden voraus? Und basieren derartige Wahrnehmungsgehalte immer auch schon auf begrifflichen oder protobegrifflichen Konstituenten?

Um solche Fragen zu klären, kommt in Anlehnung an Debatten aus der analytischen Philosophie dem Begriff der ‚dichten Wahrnehmung‘ eine Schlüsselrolle zu.  Damit ist gemeint, dass Wahrnehmungsgestalten eine unauflöslich bewertende Dimension inhärent ist, die sich nicht einfach rein deskriptiv und quasi standpunkneutral reformulieren lässt. Durch die Intersubjektivität der Wahrnehmung in der Lebenswelt bildet sich ein Netzwerk intentionaler Angebote oder „Affordanzen“ heraus, das den Menschen in seiner erkennend-wertenden Ausrichtung an der Beschaffenheit der Welt anleitet und seine Weltbeziehungen reguliert. Derartige Wahrnehmungsangebote manifestieren sich dabei nicht nur in direkten zwischenleiblichen Interaktionen sondern auch in der Herstellung und Auseinandersetzung mit Artefakten wie der Erstellung von Werkzeugen und ihrer Rückwirkung auf Kognition und Wahrnehmung, wie sie z. B. in der material engagement Theorie untersucht werden (Malafouris 2013).  Eine zentrale Rolle spielt dabei generell das Auftauchen von Hindernissen innerhalb des Interaktionskreises, die für das nicht Konstruierte der Wahrnehmung einstehen und im selben Zug Selbstbewusstsein wie Gegenstand entstehen lassen. Die Analyse der Auswirkung psychischer Erkrankungen auf derartige Wahrnehmungszusammenhänge verspricht zudem weitere Aufklärungen darüber, wie psychische, leibliche und soziale Prozesse in die intersubjektive Konstitution der Wahrnehmung eingehen.

Die genannten Fragestellungen und Zielsetzungen der Arbeitsgruppe sollen durch einen interdisziplinären Zugang bearbeitet bzw. realisiert werden. In der Grundlegungsarbeit werden pragmatistische, phänomenologische, analytische und verkörperungstheoretische Methoden und Gesichtspunkte eine zentrale Rolle spielen; dies schließt die Einbeziehung entwicklungspsychologischer, kulturanthropologischer und psychopathologischer Forschung zu den oben entwickelten Aspekten der Wahrnehmungsgewissheit mit ein.

 

Literatur

Fuchs, Th. (2017): In Kontakt mit der Wirklichkeit. Wahrnehmung als Interaktion, in: Schlette, M., Fuchs, Th., Kirchner, A.M. (Hg., 2017): Anthropologie der Wahrnehmung, Heidelberg: Winter.

Malafouris, M. (2013): How Things Shape then Mind. Cambridge, Massachusetts: The MIT Press.

Gibson, James. J. (1979): The Ecological Approach to Visual Perception, Boston: Houghton Mifflin.

Roth, G. (1997): Das Gehirn und seien Wirklichkeit, Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Tomasello, M., Carpenter, M., Call, J., Behne, T., & Moll, H. (2005): Understanding and sharing intentions: The origins of cultural cognition, in: Behavioral and Brain Sciences, 28(5), 675-691.

 

Organisation:

PD Dr. Magnus Schlette                    (Philosophie, FEST)

PD Dr. Christian Tewes                    (Philosophie, U Heidelberg)

 

Mitglieder:

Prof. Dr. Ralf Becker                         (Philosophie, U Koblenz-Landau)

PD Dr. Jens Bonnemann                  (Philosophie, U Jena)

Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs             (Psychiatrie/Philosophie, U Heidelberg)

PD Dr. Miriam Haidle                       (Paleoanthropologie, HAW)

Prof. Dr. Matthias Jung                     (Philosophie, U Koblenz-Landau)

Dr. Vesna Marinovic                         (Psychologie, U Köln)

Dr. Tullio Viola                                  (Philosophie, HU Berlin)

Dr. Frank Vogelsang                        (Theologie, EA Rheinland/Bonn)

Materialien

Diskussionspapier

AG „Natur begreifen – Natur schützen“

AG „Natur begreifen – Natur schützen“

Das Zentrum der Forschung im Themenfeld Natur bildete von 2009 bis 2015 die Zusammenarbeit mit Forscherinnen und Forschern aus den Natur-, Kultur- und Geisteswissenschaften in der interdisziplinären Arbeitsgruppe “Natur begreifen – Natur schützen“, die von Thomas Kirchhoff geleitet wurde.

Die Arbeitsgruppe hat wissenschaftliche, technologische und lebensweltliche Naturauffassungen thematisiert. Sie hat aus naturphilosophischer Perspektive nach deren Charakteristika, Voraussetzungen und Interdependenzen gefragt. Dabei hat die TeilnehmerInnen Theorien des Mensch-Natur-Verhältnisses als zentrales Moment menschlichen Selbstverständnisses und entscheidende Rahmenannahme für die Bewertung von Handlungen gegenüber Natur angesehen. Der Forschungsansatz ist praxisbezogen gewesen, indem aktuelle Themenfelder wie synthetische Biologie, Nanotechnologie und Ökosystemdienstleistungen behandelt worden sind.

2011 hat die Arbeitsgruppe eine Homepage zur Naturphilosophie (www.naturphilosophie.org) initiiert, die weiterhin betrieben wird unter Leitung von Thomas Kirchhoff.

2014 ist als Ergebnis der Arbeitsgruppe die Anthologie „Welche Natur brauchen wir? Analyse einer anthropologischen Grundproblematik des 21. Jahrhunderts“ (Freiburg: Alber) erschienen. [Download Inhaltsverzeichnis + Einleitung].

2017 ist als weiteres, zentrales Ergebnis erscheinen: „Naturphilosophie. Ein Lehr- und Studienbuch“ (Tübingen: UTB/MohrSiebeck)

 

Der AG “Natur begreifen – Natur schützen“ gehörten an:

  1. Prof. Dr. Dirk Evers, Institut für Systematische Theologie und Praktische Theologie und Religionswissenschaft, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Franckeplatz 1/30, D-06099 Halle/Saale
  2. Prof. Dr. Dr. Brigitte Falkenburg, Institut für Philosophie und Politikwissenschaft, Technische Universität Dortmund, D-44221 Dortmund
  3. Apl. Prof. Dr. Myriam Gerhard, Institut für Philosophie, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, D-26111 Oldenburg
  4. Prof. Dr. Gerald Hartung, Philosophisches Seminar, Fachbereich A, Bergische Universität Wuppertal, Gaußstraße 20, D-42119 Wuppertal
  5. Prof. Dr. Jürgen Hübner, Apl. Professor an der Universität Heidelberg, Theologische Fakultät; wissenschaftlicher Referent em. an der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft e. V. Heidelberg, Schmeilweg 5, D-69118 Heidelberg
  6. Prof. Dr. Nicole C. Karafyllis, Lehrstuhl für Philosophie, Technische Universität Braunschweig, Bienroder Weg 80, D-38106 Braunschweig
  7. PD Dr. Thomas Kirchhoff, Arbeitsbereich Theologie und Naturwissenschaft, Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft e. V. Heidelberg, Schmeilweg 5, D-69118 Heidelberg
  8. Prof. Dr. Dr. Kristian Köchy, Institut für Philosophie, Universität Kassel, Nora-Platiel-Str. 1, D-34109 Kassel
  9. Prof. Dr. Ulrich Krohs, Philosophisches Seminar, Philosophie mit dem Schwerpunkt Wissenschaftstheorie und Naturphilosophie, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Domplatz 23, D-48143 Münster
  10. Prof. Dr. Thomas Potthast, Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW), Universität Tübingen, Wilhelmstraße 19, D-72074 Tübingen
  11. Pfr. Dr. Otto Schäfer, Beauftragter für Theologie und Ethik, Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund (SEK-FEPS), Sulgenauweg 26, CH-3000 Bern 23
  12. Prof. Dr. Gregor Schiemann, Philosophisches Seminar, Fachbereich A, Bergische Universität Wuppertal, Gaußstraße 20, D-42119 Wuppertal
  13. Prof. Dr. Reinhard Schulz, Institut für Philosophie, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, D-26111 Oldenburg
  14. PD Dr. Magnus Schlette, Leitung des Arbeitsbereichs Theologie und Naturwissenschaft, Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft e. V. Heidelberg, Schmeilweg 5, D-69118 Heidelberg
  15. Dr. Frank Vogelsang, Direktor der Evangelischen Akademie im Rheinland, Mandelbaumweg 2, D-53177 Bonn/Bad Godesberg

Sehnsucht nach Natur

Sehnsucht nach Natur


Herausgegeben von Thomas Kirchhoff, Vera Vicenzotti und AnnetteVoigt, Transcript Verlag, Bielefeld 2012, 288 S., ISBN 978-3-8376-1866-2, Preis: 29,80€.

Sehnsucht nach NaturIn modernen Kulturen ist es zum Massenphänomen geworden, seine freie Zeit draußen zu verbringen. Doch wodurch ist diese Sehnsucht nach Natur motiviert? Das Buch geht dieser Frage mit Blick auf aktuelle Trends in der Freizeitkultur nach. In systematischen Analysen und regionalen Studien erschließt es die Vielfalt der Bedeutungen, die Natur zum faszinierenden Objekt, zum Ort der Bewährung oder zum Schauplatz der Selbstinszenierung machen. Die Beiträge eröffnen tiefe Einblicke in das aktuelle Mensch-Natur-Verhältnis, die eine spannende Reflexion über uns selbst ermöglichen und zudem unerlässlich sind bei der Entwicklung zeitgemäßer Nutzungskonzepte für Landschaft und Wildnis.

„Welche Natur brauchen wir?“ – neue Buchpublikation

„Welche Natur brauchen wir?“ – neue Buchpublikation
Zu der aktuellen Frage, welche Natur wir Menschen für unser Überleben als Gattungswesen und für unsere Selbstbestimmung als Individuen brauchen, haben Prof. Dr. Gerald Hartung (Universität Wuppertal) und Dr. Thomas Kirchhoff (FEST) das Buch „Welche Natur brauchen wir? Analyse einer anthropologischen Grundproblematik des 21. Jahrhunderts“ herausgegeben, der im Alber Verlag in der Reihe „Physis“ erschienen ist.
In dieser umfassenden Anthologie kommen namhafte Fachwissenschaftlerinnen und Fachwissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen zu Wort. Unter den Stichworten Objektive Natur (I.), Natur als Resonanzraum (II.), Natur als Ressource und Wert (III.), Natur als natürliche Umwelt (IV.), Künstliche Natur (V.), Vergesellschaftete Natur (VI.) und Verantwortete Natur (VII.) sind Beiträge der Philosophinnen Heike Baranzke und Christine Zunke sowie der Philosophen Michael Großheim, Michael Hauskeller, Kristian Köchy, Ulrich Krohs und Gregor Schiemann versammelt. Interdisziplinäre Herausforderungen zur Thematik werden in den Studien von Jörn Ahrens (Kultursoziologie), Karl-Werner Brand (Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung), Hans Diefenbacher (Wirtschaftswissenschaften), Thomas Fuchs (Psychiatrie), Ulrich Gebhard (Erziehungswissenschaften), Thomas Kirchhoff (Ökologie), Dörte Martens / Nicole Bauer (Umweltpsychologie), Hartmut Rosa (Soziologie), Heinrich Spanier (Umweltschutz), Vera Tekken / Josef Settele (Umweltforschung), Frank Uekötter (Umweltgeschichte) und Michael Wink (Biologie) herausgearbeitet. Die Beiträge der Theologen Dirk Evers und Thorsten Moos runden den Band ab.

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